Mittwoch, 29. Oktober 2025

28. Oktober 2025 - FC Augsburg vs. VfL Bochum 0:1 (DFB-Pokal)

Nachdem sich der VfL während unseres Urlaubs in Apulien im Sportforum Hohenschönhausen nur mit Mühe gegen den BFC Dynamo durchsetzen konnte (1:3 nach Verlängerung; den Führungstreffer der Weinroten konnte Noah Loosli fünf Minuten vor Ende der regulären Spielzeit egalisieren), bescherte uns das Los für die zweite Runde ein Gastspiel beim FC Augsburg. Im Gegensatz zu den Jungs und Mädels, die sich aus dem Pott auf den Weg machten (Rückkehr in Bochum im Optimalfall in den frühen Morgenstunden), fand ich das Los durchaus attraktiv. Dies lag nicht nur an der kurzen Anreise, sondern auch an der Tatsache, dass wir bis dato fünf Gastspielen drei gewinnen konnten (zudem gab es ein Unentschieden, sowie die Niederlage in der letzten Saison), und sich die Augsburger darüber hinaus in einer sportlichen Talfahrt befanden.
Da die Bayern erst am heutigen Mittwoch beim 1. FC Köln um den Einzug ins Achtelfinale kämpfen, bescherte uns nicht nur zahlreiche Unterstützung durch die Gruppen der Südkurve, sondern mir auch eine überaus entspannte Anreise als Mitfahrer... 😉 An dieser Stelle vielen Dank an Tobi für den Hol- und Bringservice! Für etwas Spannung sorgte die Info einer bereits vor uns eingetroffenen Münchner Autobesatzung bezüglich Römische Augsburger Späher am vereinbarten Treffpunkt mit Ultras Bochum und dem Ruhrstadtkollektiv. Nach einigem Hin und Her sollte es dann noch einmal in Richtung Autobahn gehen, um von dort aus gesammelt mit den Ultras beider Vereine geschlossen den (ursprünglich anvisierten) Parkplatz in Stadionnähe anzusteuern. Von hier aus zogen wir dann geschlossen weiter in Richtung Gästeblock (natürlich nicht ohne die zu erwartende Begleitung diverser Staatsdiener). Hier wurde erst einmal der Rest der heute anwesenden Fantastic Supporters sowie etliche weitere Bekannte begrüßt, ehe es langsam aber sicher Zeit wurde, seinen Platz (etwas oberhalb der "jungen Wilden") einzunehmen. Während unsere Mannschaft von der ersten bis zur letzten Minute alles in die Waagschale warf, benötigte der Gästeblock ein paar Minuten, um auf Temperatur zu kommen. Danach war es aber ein solider Auftritt mit einigen Ausreißern nach oben; meine beiden persönlichen Highlights waren "Katherine, Katherine" (Wir träum'n vom Glanz der alten Tage...) und "Mein VfL" am Ende eines denkwürdigen Pokalabends, das wir dank Gerrit Holtmanns Treffer in der vierzigsten Minute durchaus verdient für uns entscheiden konnten. Der Traum von Berlin darf somit (nach zwei Erstrundenniederlagen in den vergangenen Spielzeiten) noch etwas weiter geträumt werden. Ach ja, das Ruhrstadtkollekiv zeigte noch ein Gedenkspruchband für die (vor rund zehn Jahren) verstorbenen Augsburger Ultras Max und Dani; nach dem bei unserem letzten Gastspiel von den Augsburgern im Gästeblock befestigten Spruchband für Tobi und Demski eine mehr als tolle Geste... Ultras sterben nie!
Nachdem die Feierlichkeiten im Gästeblock beendet und das Material wieder eingepackt war, machte sich unser Tross auf den Rückweg zu den Autos respektive Neunern; letztendlich sollte es bis zur Abfahrt dann noch ein wenig dauern... dafür ging es aber im Konvoi mit Blaulicht bis zur Autobahn.
Schuss, Tor, Hurra - wir holen den Pokal... 😊





 (alle Fotos Photomafia Bochum)

Freitag, 24. Oktober 2025

...führt uns noch einmal nach Europa, in den UEFA-Cup! Ein Blick zurück ins Jahr 1997

Für nostalgische Gefühle sorgte der Champions League Gegner unserer Münchner Freunde Club Brügge; in der Saison 1997/1998 trafen wir in der 2. Runde des UEFA-Cup auf die Belgier (zuvor hatten wir Trabzonspor dank eines fulminanten Sieges im Rückspiel - das Hinspiel am Schwarzen Meer hatten wir noch knapp verloren - aus dem Wettbewerb gekickt!). Da bietet es sich doch an, mal wieder das "Buch der Erinnerung" auszupacken...
Ob zuhause an der Casse oder beim Auswärtsspiel
unser ganzes Leben widmen wir nur Dir!
Wir träum'n vom Glanz der alten Tage und dreh'n am Rad!
Führt uns noch einmal nach Europa, in den UEFA-Cup!

21.10.1997 13.000 Zuschauer 1:0 
Nachdem man die erste Aufgabe im internationalen Geschäft gegen Trabzon mit Bravour gemeistert hatte, bescherte uns die 2. Runde den bis dato ungeschlagenen belgischen Tabellenführer Club Brügge. Das dies alles andere als mein Traumlos war, hat zwei Gründe. Erstens hatte ich den Ground bereits zwei Jahre zuvor gemacht, und zweitens wollte aufgrund der Nähe plötzlich jeder mitfahren. Glücklicherweise beschloss die Vereinsführung, die Trabzonfahrer bei der Kartenvergabe bevorzugt zu behandeln, womit das Kartenproblem schnell gelöst war...
Nach meinem Kurzaufenthalt in der Heimat (zuvor hatte ich am Freitag das Heimspiel gegen den 1.FC Köln besucht; am Samstag standen das Spiel der Zweitvertretungen von Fortuna Düsseldorf und dem KFC Uerdingen und das Gastspiel des ASV Dachau beim TV Düren in der Volleyball Bundesliga auf dem Programm, ehe das Wochenende mit dem Spiel unserer Amateure bei der Hammer Spielvereinigung abgeschlossen wurde), schließlich muss man sich seine Fußballspiele irgendwie finanzieren, ging es (am Montag) nach Arbeitsende wieder in Richtung Westen, wo mich Herr Knispel bereits sehnsüchtig erwartete. Die eh schon kurze Nacht wurde noch ein paar Stunden kürzer, da man sich noch zu einem kleinen Schlummertrunk ins Drugstore begab... Total gerädert hieß es dann um kurz nach halb sechs wieder aufstehen, musste man doch um sieben Uhr am Bochumer Hbf. sein. Nach und nach trafen dann auch alle Fantastic Supporters ein, nur ein gewisser Zinemacher aus Marl ließ bis zuletzt auf sich warten... Da die meisten Busse aber bis dahin schon voll waren, kamen wir in die Ehre, uns in einem Kleinbus breitmachen zu dürfen, womit einer gepflegten Anreise nichts mehr im Wege stand. In Brügge angekommen wurden alle Busse auf einen Parkplatz außerhalb des Zentrums geleitet, von wo aus es am späten Nachmittag geschlossen zum Stadion gehen sollte. Zusammen mit dem restlichen Troß Bochumer ging es in die wahrlich wunderschöne Brügger Innenstadt, die einem kleine mittelalterliche Häuser, einen alten Marktplatz, Schloßgärten, zahlreiche Kanäle und Pferdekutschen bot... (ich glaub' einen derartigen Satz würde ich heute so nicht mehr zu Papier bringen) Im Zentrum versammelten sich dann nach und nach alle mitgereisten Bochumer, darunter auch eine stattliche Abordnung der BO-City, unterstützt von einigen Berliner Freunden. Obwohl der Mob des öfteren in Bewegung kam, gab es vor dem Spiel meines Wissens keinen Feindkontakt mit den Kollegen von der East Side. Irgendwann kam man dann auf die Idee den Rathausturm mit unserer Fahne zu schmücken, was dann auch von Bo-Showman und mir in die Tat umgesetzt wurde. War zwar total sinnlos, aber irgendwie kam's doch genial... Danach wurde es dann Zeit, den Weg zum Stadion anzutreten, was sich unter massiver Polizeieskorte abspielte. Die Busse wurden dann in einer Seitenstraße hinter der Gästekurve geparkt, gut abgeschirmt von den belgischen Cops. Die Eingangskontrollen verliefen dann relativ harmlos, uns so brauchte sich keiner zu wundern, dass es zu Beginn des Spiels zum Einsatz diverser pyrotechnischer Erzeugnisse kam. Das Jan-Breydel-Stadion, das aus zwei doppelstöckigen Tribünen auf den Geraden und zwei unüberdachten Hintertortribünen besteht, war mit 13.000 Zuschauern bei weitem nicht ausverkauft, wodurch sich die Frage stellt, wieso nur 1.500 Karten nach Bochum gingen... Von belgischer Seite war, bis auf zeitweise lautstarken Support, nicht besonders viel zu hören, aber auch bei uns war die Stimmung nicht gerade toll. Lediglich die Hoolfraktionen auf beiden Seiten waren pausenlos am pöbeln , was in dem Austausch von Leuchtspurmunition in der Halbzeit gipfelte. Als man sich schon mit dem torlosen Unentschieden abgefunden hatte, fiel doch noch der Siegtreffer für die Gastgeber, was die Stimmung bei uns ein wenig drückte. Nach dem Spiel kamen dann unsere Spieler wie gewohnt in die Kurve, um sich bei uns zu bedanken. Erstaunt war man, dass man ohne Blocksperre aus dem Stadion geführt wurde. Bei den Bussen kam es noch zu einigen "Feindberührungen", wobei die Jungs von der East Side mit Flaschen und Steinen zu Werke gingen. Wie lange die Scharmützel dauerten, kann ich euch leider nicht sagen, da wir irgendwann in unseren Kleinbus verfrachtet wurden, und abermals mit Polizeischutz eskortiert wurden. Während es die anderen vorzogen, die Rückfahrt schlafend zu verbringen, wurden Knispel und ich noch Zeugen eines üblen Unfalls, bei dem ein Auto explodierte (eine Szene, die mich noch lange begleiten sollte; ein Lastwagen war ungebremst in ein Stauende gerast). In Bochum ging es dann hundemüde mit dem Taxi nach Kornharpen, wo mich mein Bett schon sehnsüchtig erwartete. Ganze vier Stunden später hieß es dann aber auch schon wieder aufstehen, wollte ich mich doch frühzeitig auf den Weg nach München machen... (wo am Abend noch das Champions League Gruppenspiel der Bayern gegen Paris Saint-Germain besucht werden sollte; unsere Freunde sollten das Spiel, das mit einer durchaus sehenswerten Europa-Choreographie eingeläutet wurde, letztendlich klar mit fünf zu eins für sich entscheiden) 
Diese Tour war zwar bei weitem nicht so genial wie Trabzon, wird aber dennoch mit Sicherheit zu den besten meiner Fankariere zählen.


5.11.1997 23.900 Zuschauer 4:1 Georgi Donkov (2), Sergej Juran und Dariusz Wosz
Die Ausgangslage war heute ähnlich wie gegen Trabzonspor, hatte man doch in Brügge eine knappe 0:1 Niederlage hinnehmen müssen... Mit gemischten Gefühlen machte ich mich nach getaner Arbeit auf den Weg zum Ruhrstadion, wo auch schon der Rest der Choreogruppe auf mich wartete. Hatte es beim letzten Versuch noch einige Lücken gegeben, erstrahlte heute die Südtribüne gänzlich in blau und weiß, während in der Ostkurve tausende von Luftballons ein wahrlich gutes Bild abgaben. Obwohl unsere Jungs bereits nach zehn Minuten in Führung gingen, und das Geschehen auf dem Rasen klar dominierten, stand es zur Halbzeit nur 1:1, was doch die ersten Zweifel hinsichtlich des Erreichens der 3. Runde weckte. Zu diesem Zeitpunkt waren die gut und gerne 1.600 Supporter aus Brügge noch am Feiern... Nach der Pause war es abermals Georgi Donkov, der nach 50 Minuten die abermalige Führung für die Bochumer erzielte. Als die Gäste bei einem Konter nur den Pfosten trafen, sank einem das Herz fast in die Hose, um nur drei Minuten später zu explodieren, scorte unser ukrainischer Büffel im Gegenzug zum 3:1, was die Massen wahrlich in Ekstase versetzte. Nachdem man noch einige brenzlige Situationen überstanden hatte, blieb es Darius Wosz vorbehalten mit seinem Tor kurz vor Ultimo den Sack endgültig zuzumachen. Unglaubliche Szenen spielten sich daraufhin im Ruhrstadion ab... fremde Menschen lagen sich in den Armen, Freudentränen allerorts... Während die Jungs von der Brügger East Side ihren Frust an den Stadionzäunen und an den Cops ausließen, machten wir uns auf den Weg ins Bermuda Dreieck, wo eine geniale Party abgezogen wurde. Eins ist klar, dieser Abend wird wohl kein Bochumer so schnell vergessen... Ach ja, einige Stunden nach dem Spiel soll es noch zu kleineren Boxereien zwischen den beiden Lagern gekommen sein, aber genaueres kann ich euch diesbezüglich nicht erzählen.


Die beiden Spielberichte stammen aus der zehnten Ausgabe der Red News, dem Vorgänger des (PF)LÄSTERSTEIN, und wurden von mir und Christian Knispel verfasst. Zum Heimspiel gegen den VfB Stuttgart drei Tage später präsentierten wir in unserer damaligen Heimat, dem Block A unsere Vorfreude auf den nächsten Europapokalgegner...

Donnerstag, 23. Oktober 2025

22. Oktober 2025 - Bayern München vs. Club Brügge 4:0

Zusammen mit Nils machte ich mich relativ früh (Abfahrt um kurz nach sieben 😉) auf den Weg in Richtung Garching-Hochbrück, da ja Dank des Südkurven Hauses unser bisheriger "Arenaparkplatz" wohl nur noch selten (bei wirklich früher Anreise) eine Option darstellen wird... glücklicherweise hatte der "Busch-funk" bereits eine überaus interessante Alternative gemeldet, die wir heute auch gleich erfolgreich testen konnten.
Die Südkurve beschäftigte sich heute ausführlich mit der Personalie Jerome Boateng; der ehemalige Bayernspieler plant eine Hospitation bei Trainer Vincent Kompay. Eben jener Jerome Boateng war wiederholt wegen psychischer und physischer Gewalt, sowie Machtmissbrauch in Beziehungen "auffällig" geworden. Ein Thema,  über das man meines Erachtens einfach nicht wegschauen sollte darf!
Das Spiel war bereits zur Halbzeit durch Tore von Lennart Karl (was der Junge aktuell macht, ist echt sensationell), Harry Kane und Luis Díaz zugunsten unserer Freunde entschieden; im zweiten Durchgang sollte sich (nur) noch die Chelsea-Leihgabe Nicolas Jackson in die Torschützenliste eintragen.
Während die Südkurve am heutigen Abend einen mehr als guten Auftritt (man konnte den Leuten um uns herum von Anfang an den Spaß beim Singen förmlich ansehen; mein persönliches Highlight des Abends war die Homage an den, sich an diesem Abend ebenfalls im Stadion anwesenden Mr. Wembley Arjen Robben) aufs Parket legte, sorgten die mitgereisten Gäste definitiv nicht dafür, sich positiv in mein Gedächtnis einzubrennen...







Mittwoch, 15. Oktober 2025

30 anni Fantastic Supporters 1995

Blicke ich dreißig Jahre zurück, so spielten wir - wie heute - in der 2. Liga, jedoch standen wir nach zehn Spieltagen auf dem zweiten Tabellenplatz; am elften Spieltag der Saison sahen 24.700 Zuschauer ein Unentschieden gegen den ungeliebten Stadtrivalen. Eben jener 15. Oktober 1995 war darüber hinaus der Startschuss für einen neuen, durchaus ambitionierten Fanclub... wobei ich persönlich den Namen Fanclub bis zum heutigen Tage nicht passende finde... Gruppe gefiel mir schon damals besser, wollten wir doch etwas Neues, bis dato in Bochum nicht dagewesenes in die Ostkurve respektive in die Gästenblöcke der Republik tragen. Vorbild waren die bunten und lautstarken Kurven Italiens. In diese hatten wir uns während unserer zahlreichen Fußballtouren verliebt. Auch wenn die zu diesem Zeitpunkt bereits absteigende Fankultur auf der Insel zu diesem Zeitpunkt noch einen gewissen Reiz auf uns ausübte (und uns wohl den zweiten Teil unseres Namens bescherte), war Italien - zumindest für mich - bereits damals das Maß aller Dinge!

Die Faszination Italien im Allgemeinen und Ultrá im Besonderen zieht sich konsequent durch unsere inzwischen dreißigjährige Gruppengeschichte. Angefangen beim "Forza Bochum" und/oder "Forza Ragazzi", das ich als Vorsänger seinerzeit regelmäßig anstimmen durfte, über Slogans wie "la storia siamo noi", "sempre e ovunque dal 1995" oder das heute omnipräsente "Bochum per sempre" zieht sich die Hommage an die Väter der Ultrábewegung jenseits der Alpen wie ein roter Faden durch unsere Gruppengeschichte.

Während unserer Findungsphase in den Jahren 1995 und 1996 gab es nicht nur ein reges Kommen und Gehen bei uns Fantastic Supporters, sondern auch etliche Mitglieder, deren große Liebe eher im Süden der Republik, als im tiefen Westen lag. "Geschuldet" war das dem Mann, der maßgeblich für die Gründung unserer Gruppe war... Ralf Schikora, den ich bereits einige Jahre zuvor als Macher des Bochum und Bayern Freundschaftszines FANTASTIC und Mitglied des Fanclubs Blau-Weiße Union kennen und schätzen gelernt hatte.

Relativ schnell kristallisierte sich jedoch heraus, dass wir (Blau-Weißen) unser primäres Augenmerkt ausschließlich und mit aller Leidenschaft dem VfL widmen wollten! Geblieben ist die historische und gerade in den ersten sieben acht Jahren unserer Gruppe annähernd brach liegende Freundschaft zum FC Bayern München. Mit den Jungs und Mädels von der Dachau City, die wie wir auch in dieser schweren Zeit an diesem besonderen Bündnis festhielten, stehen wir seit nunmehr fast dreißig Jahren Seite an Seite. Wiederbelebt durch die Ultras beider Vereine feierte die Freundschaft zwischen beiden Fanszene Gastspiel unserer Mannen an der Isar im Frühjahr 2023 ihr fünfzigjähriges Bestehen; und das auf einer Ebene, von der wir seiner Zeit nur geträumt hatten!

Die Ultras… ein guter Zeitpunkt den Bogen ins Jahr 1999 zu spannen. Mit uns und den drei Jahre später gegründeten Supreme Corps verfügten wir Bochumer bereits relativ früh über zwei Gruppen, die sich (zu diesem Zeitpunkt) als Ultragruppen verstanden. Nach anfänglichen Reibereien zwischen den jungen Wilden und uns Alten (blicken wir heute zurück, ist es schon lustig, wie seinerzeit „alt“ und „jung“ definiert wurde – heute, zwei oder drei Fangenerationen später, ist eine derartige Klassifizierung definitiv passender) merkten beide Seiten relativ schnell, dass wir unsere durchaus hochtragenden Ziele wohl nur gemeinsam erreichen würden. Um die Kräfte zu bündeln und etlichen gruppenlosen (zu diesem Zeitpunkt hatten wir schon längst Abstand von einem offenen Mitgliedersystem genommen; aufgenommen wurde nur noch, wer unsere Werte hundertprozentig teilte und auch menschlich zu unserem doch sehr speziellen Haufen passte) eine Heimat zu bieten, gründeten wir gemeinsam die Ultras Bochum.

Von diesem Zeitpunkt an stellten wir zumindest optisch unsere Gruppe in den Hintergrund; von der einen oder anderen kleinen Geburtstagsaktion mal abgesehen. Das Ziel einer großen Gruppe… nein, einer großen an einem Strang ziehenden Ostkurve hatte für uns inzwischen oberste Priorität. Alle Kräfte gebündelt zum Wohle unseres Vereins!

Halten wir beim Thema Gruppenjubiläen kurz inne; mit Ausnahme unseres fünfjährigen Bestehens sollten wir diese – wie auch heute – ausnahmslos in Liga zwei feiern… so prekär wie aktuell war die Situation rund um unseren Herzensvereins jedoch bis dato noch nie!

Über Höhen und Tiefen hatte ich auf unserer Feier vor zehn Jahren bereits gesprochen; so belasse ich es heute bei einem Rückblick auf die letzten zehn Jahre. Fangen wir mit den Tiefen an; der Ausgliederung, mit all ihren möglichen (bis heute glücklicherweise nicht eingetretenen) Konsequenzen (und Bedrohungen) folgte die Corona-Pandemie. Mal abgesehen von unterschiedlichen Meinungen zum Umgang mit dieser per se, zeigte sich der Profifußball und damit auch unser Verein von seiner hässlich(st)en Seite! Schade, dass genau in diese Zeit auch die langersehnte (aber eher ins Fabelreich abgestempelte) Rückkehr in die Beletage des Deutschen Fußballs fiel. Einen Aufstieg außerhalb des Stadions/der Stadien zu erleben (und zu feiern) ist mit Sicherheit nicht das, was wir Fans uns gewünscht haben. Glücklicherweise sollten uns nach der Rückkehr der Fans in die Stadien noch einige Spiele im Oberhaus bleiben; bleiben werden mit Sicherheit Erinnerungen an den genialen Sieg im Dortmunder Westfalenstadion (mit einhergehendem Klassenerhalt), der Sieg der aktiven Fanszene gegen den Investoreneinstieg in der DFL und/oder der irre Klassenerhalt in Düsseldorf.

Was mir in den letzten Jahren persönlich jedoch am besten gefallen hat, ist die Tatsache, dass sowohl wir als Fantastic Supporters als auch die Fan- und Ultraszene wieder enger zusammengewachsen ist, was sich insbesondere in etlichen gemeinsamen Aktion/Fahrten/Feiern zeigt.

Zu guter Letzt würde ich gerne noch einmal unseren aktuellen und ehemaligen Mitgliedern an Herz legen, nie die Werte unserer Gruppe, die definitiv ein wichtiges Puzzlestück der ersten Generation von Ultras in Deutschland war, aus den Augen zu verlieren. Denn auch ohne den Untertitel "Ultras Bochum 1995" leben viele von uns ihr Leben 24/7 für den VfL… und hier kommen wir zum bereits erwähnten roten Faden zurück: Bochum per sempre!

Dieser Text ist eine minimal abgewandelte "Sammlung meiner Gedanken" - niedergeschrieben in den frühen Morgenstunden des 11. Oktober 2025, dem Tag unserer (aufgrund der Länderspielpause um vier Tage verfrühten) 30-Jahre-Feier, hatte sich doch, wie schon vor zehn Jahren kein anderer Redner (FaBu wollte nur ein paar einleitende und organisatorische Worte an die Gäste richten) gefunden; letztendlich kamen außer mir im Rahmen der offiziellen Rede auch noch Ralf und ein Mitglied der Dachau City (mehr oder minder freiwillig) zu Wort. Über die Feier will und werde ich hier aber kein (weiteres) Wort verlieren; ich denke, dass alle Beteiligten einen durchaus unterhaltsamen Abend hatten... 😉