Freitag, 24. Oktober 2025

...führt uns noch einmal nach Europa, in den UEFA-Cup! Ein Blick zurück ins Jahr 1997

Für nostalgische Gefühle sorgte der Champions League Gegner unserer Münchner Freunde Club Brügge; in der Saison 1997/1998 trafen wir in der 2. Runde des UEFA-Cup auf die Belgier (zuvor hatten wir Trabzonspor dank eines fulminanten Sieges im Rückspiel - das Hinspiel am Schwarzen Meer hatten wir noch knapp verloren - aus dem Wettbewerb gekickt!). Da bietet es sich doch an, mal wieder das "Buch der Erinnerung" auszupacken...
Ob zuhause an der Casse oder beim Auswärtsspiel
unser ganzes Leben widmen wir nur Dir!
Wir träum'n vom Glanz der alten Tage und dreh'n am Rad!
Führt uns noch einmal nach Europa, in den UEFA-Cup!

21.10.1997 13.000 Zuschauer 1:0 
Nachdem man die erste Aufgabe im internationalen Geschäft gegen Trabzon mit Bravour gemeistert hatte, bescherte uns die 2. Runde den bis dato ungeschlagenen belgischen Tabellenführer Club Brügge. Das dies alles andere als mein Traumlos war, hat zwei Gründe. Erstens hatte ich den Ground bereits zwei Jahre zuvor gemacht, und zweitens wollte aufgrund der Nähe plötzlich jeder mitfahren. Glücklicherweise beschloss die Vereinsführung, die Trabzonfahrer bei der Kartenvergabe bevorzugt zu behandeln, womit das Kartenproblem schnell gelöst war...
Nach meinem Kurzaufenthalt in der Heimat (zuvor hatte ich am Freitag das Heimspiel gegen den 1.FC Köln besucht; am Samstag standen das Spiel der Zweitvertretungen von Fortuna Düsseldorf und dem KFC Uerdingen und das Gastspiel des ASV Dachau beim TV Düren in der Volleyball Bundesliga auf dem Programm, ehe das Wochenende mit dem Spiel unserer Amateure bei der Hammer Spielvereinigung abgeschlossen wurde), schließlich muss man sich seine Fußballspiele irgendwie finanzieren, ging es (am Montag) nach Arbeitsende wieder in Richtung Westen, wo mich Herr Knispel bereits sehnsüchtig erwartete. Die eh schon kurze Nacht wurde noch ein paar Stunden kürzer, da man sich noch zu einem kleinen Schlummertrunk ins Drugstore begab... Total gerädert hieß es dann um kurz nach halb sechs wieder aufstehen, musste man doch um sieben Uhr am Bochumer Hbf. sein. Nach und nach trafen dann auch alle Fantastic Supporters ein, nur ein gewisser Zinemacher aus Marl ließ bis zuletzt auf sich warten... Da die meisten Busse aber bis dahin schon voll waren, kamen wir in die Ehre, uns in einem Kleinbus breitmachen zu dürfen, womit einer gepflegten Anreise nichts mehr im Wege stand. In Brügge angekommen wurden alle Busse auf einen Parkplatz außerhalb des Zentrums geleitet, von wo aus es am späten Nachmittag geschlossen zum Stadion gehen sollte. Zusammen mit dem restlichen Troß Bochumer ging es in die wahrlich wunderschöne Brügger Innenstadt, die einem kleine mittelalterliche Häuser, einen alten Marktplatz, Schloßgärten, zahlreiche Kanäle und Pferdekutschen bot... (ich glaub' einen derartigen Satz würde ich heute so nicht mehr zu Papier bringen) Im Zentrum versammelten sich dann nach und nach alle mitgereisten Bochumer, darunter auch eine stattliche Abordnung der BO-City, unterstützt von einigen Berliner Freunden. Obwohl der Mob des öfteren in Bewegung kam, gab es vor dem Spiel meines Wissens keinen Feindkontakt mit den Kollegen von der East Side. Irgendwann kam man dann auf die Idee den Rathausturm mit unserer Fahne zu schmücken, was dann auch von Bo-Showman und mir in die Tat umgesetzt wurde. War zwar total sinnlos, aber irgendwie kam's doch genial... Danach wurde es dann Zeit, den Weg zum Stadion anzutreten, was sich unter massiver Polizeieskorte abspielte. Die Busse wurden dann in einer Seitenstraße hinter der Gästekurve geparkt, gut abgeschirmt von den belgischen Cops. Die Eingangskontrollen verliefen dann relativ harmlos, uns so brauchte sich keiner zu wundern, dass es zu Beginn des Spiels zum Einsatz diverser pyrotechnischer Erzeugnisse kam. Das Jan-Breydel-Stadion, das aus zwei doppelstöckigen Tribünen auf den Geraden und zwei unüberdachten Hintertortribünen besteht, war mit 13.000 Zuschauern bei weitem nicht ausverkauft, wodurch sich die Frage stellt, wieso nur 1.500 Karten nach Bochum gingen... Von belgischer Seite war, bis auf zeitweise lautstarken Support, nicht besonders viel zu hören, aber auch bei uns war die Stimmung nicht gerade toll. Lediglich die Hoolfraktionen auf beiden Seiten waren pausenlos am pöbeln , was in dem Austausch von Leuchtspurmunition in der Halbzeit gipfelte. Als man sich schon mit dem torlosen Unentschieden abgefunden hatte, fiel doch noch der Siegtreffer für die Gastgeber, was die Stimmung bei uns ein wenig drückte. Nach dem Spiel kamen dann unsere Spieler wie gewohnt in die Kurve, um sich bei uns zu bedanken. Erstaunt war man, dass man ohne Blocksperre aus dem Stadion geführt wurde. Bei den Bussen kam es noch zu einigen "Feindberührungen", wobei die Jungs von der East Side mit Flaschen und Steinen zu Werke gingen. Wie lange die Scharmützel dauerten, kann ich euch leider nicht sagen, da wir irgendwann in unseren Kleinbus verfrachtet wurden, und abermals mit Polizeischutz eskortiert wurden. Während es die anderen vorzogen, die Rückfahrt schlafend zu verbringen, wurden Knispel und ich noch Zeugen eines üblen Unfalls, bei dem ein Auto explodierte (eine Szene, die mich noch lange begleiten sollte; ein Lastwagen war ungebremst in ein Stauende gerast). In Bochum ging es dann hundemüde mit dem Taxi nach Kornharpen, wo mich mein Bett schon sehnsüchtig erwartete. Ganze vier Stunden später hieß es dann aber auch schon wieder aufstehen, wollte ich mich doch frühzeitig auf den Weg nach München machen... (wo am Abend noch das Champions League Gruppenspiel der Bayern gegen Paris Saint-Germain besucht werden sollte; unsere Freunde sollten das Spiel, das mit einer durchaus sehenswerten Europa-Choreographie eingeläutet wurde, letztendlich klar mit fünf zu eins für sich entscheiden) 
Diese Tour war zwar bei weitem nicht so genial wie Trabzon, wird aber dennoch mit Sicherheit zu den besten meiner Fankariere zählen.


5.11.1997 23.900 Zuschauer 4:1 Georgi Donkov (2), Sergej Juran und Dariusz Wosz
Die Ausgangslage war heute ähnlich wie gegen Trabzonspor, hatte man doch in Brügge eine knappe 0:1 Niederlage hinnehmen müssen... Mit gemischten Gefühlen machte ich mich nach getaner Arbeit auf den Weg zum Ruhrstadion, wo auch schon der Rest der Choreogruppe auf mich wartete. Hatte es beim letzten Versuch noch einige Lücken gegeben, erstrahlte heute die Südtribüne gänzlich in blau und weiß, während in der Ostkurve tausende von Luftballons ein wahrlich gutes Bild abgaben. Obwohl unsere Jungs bereits nach zehn Minuten in Führung gingen, und das Geschehen auf dem Rasen klar dominierten, stand es zur Halbzeit nur 1:1, was doch die ersten Zweifel hinsichtlich des Erreichens der 3. Runde weckte. Zu diesem Zeitpunkt waren die gut und gerne 1.600 Supporter aus Brügge noch am Feiern... Nach der Pause war es abermals Georgi Donkov, der nach 50 Minuten die abermalige Führung für die Bochumer erzielte. Als die Gäste bei einem Konter nur den Pfosten trafen, sank einem das Herz fast in die Hose, um nur drei Minuten später zu explodieren, scorte unser ukrainischer Büffel im Gegenzug zum 3:1, was die Massen wahrlich in Ekstase versetzte. Nachdem man noch einige brenzlige Situationen überstanden hatte, blieb es Darius Wosz vorbehalten mit seinem Tor kurz vor Ultimo den Sack endgültig zuzumachen. Unglaubliche Szenen spielten sich daraufhin im Ruhrstadion ab... fremde Menschen lagen sich in den Armen, Freudentränen allerorts... Während die Jungs von der Brügger East Side ihren Frust an den Stadionzäunen und an den Cops ausließen, machten wir uns auf den Weg ins Bermuda Dreieck, wo eine geniale Party abgezogen wurde. Eins ist klar, dieser Abend wird wohl kein Bochumer so schnell vergessen... Ach ja, einige Stunden nach dem Spiel soll es noch zu kleineren Boxereien zwischen den beiden Lagern gekommen sein, aber genaueres kann ich euch diesbezüglich nicht erzählen.


Die beiden Spielberichte stammen aus der zehnten Ausgabe der Red News, dem Vorgänger des (PF)LÄSTERSTEIN, und wurden von mir und Christian Knispel verfasst. Zum Heimspiel gegen den VfB Stuttgart drei Tage später präsentierten wir in unserer damaligen Heimat, dem Block A unsere Vorfreude auf den nächsten Europapokalgegner...

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