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Montag, 2. Mai 2022

30. April 2022 - Borussia Dortmund vs. VfL Bochum 3:4

Eins ist klar, ein Drehbuchautor hätte es nicht besser machen können... Nachdem ich den vergangenen Samstag ein wenig sacken lassen konnte - natürlich mit einem stetigen Grinsen im Gesicht - fühle ich mich nun endlich bereit, Euch an den Erlebnissen des Tages teil haben zu lassen.
Los ging es (voller Vorfreude, aber auch mit einer nicht zu leugnenden Anspannung/Nervosität) um späten Freitagabend. Erstes Ziel war München-Pasing, wo ich von der Straße auf die Schiene wechselte. Sieben Stunden später, die Uhr zeigte sieben Uhr neun, hatte ich die Perle Westfalens auch schon erreicht. Wirklich ausgeschlafen war ich jedoch nicht; keine Ahnung ob es an den "unbequemen Sitzen" (als Schlafmöglichkeit taugen die jedenfalls nur bedingt) lag oder dem stetig steigenden Derbyfieber (sorry liebe Nachbarn, ich weiß, Bochum ist kein Derby 😜) geschuldet war... Zusammen mit Fabu, der mich stilecht mit einem Mettbrötchen in Empfang nahm, ging es (zur Ablenkung) erst mal auf 'nen Trödelmarkt, ehe das "zweite Frühstück" auf uns wartete. War echt schön, mal wieder in Ruhe quatschen zu können! Da der Tag aber (außer unserem Gastspiel im Westfalenstadion noch) einiges zu bieten hatte, wurde bald schon wieder zum Aufbruch geblasen... nächstes Ziel das Bochumer Rathaus, schließlich wollten wir uns den Auszug der Bochumer Maischützen nicht entgehen lassen. Dass dieser Brauch einer Fehde gegen Dortmund aus dem Jahr 1388 entstammt (der Legende zufolge brachten die Bochumer das von den Dortmundern gestohlene Harpener Vieh zurück, da sie den Harpener Bauern im Falle eines Angriffes Hilfe versprochen hatten. "Junge, do kass di drop verloten!" soll der Schultheiß der Bochumer zum Sprecher der Harpener gesagt haben und daraufhin ein Dutzend Männer auf die Jagd nach den Dortmundern geschickt haben, die das Vieh zurückholen sollten), passt natürlich wie die Faust aufs Auge! Anschließend ging es einmal quer durch die Innenstadt zum Hauptbahnhof, wo sich nach und nach "etliche" Bekannte einfanden. Schön, dass auch unser Haufen mal wieder mit einer ordentlichen Anzahl vertreten war; aber auch außerhalb der Fantastic Supporters hatten sich heute unzählige Herrschaften eingefunden, die man schon ewig nicht mehr gesehen hatte... tja, da lag definitiv was in der Luft! Zusammen mit Ultras Bochum ging es mit dem ersten "Entlaster" in die Nachbarstadt, von wo aus es mittels Stadtbahn und letztendlich per pedes zum Westfalenstadion ging... Während sich die Materialkontrolle aus unerfindlichen Gründen ein wenig in die Länge zog, verliefen die "normale Einlasskontrolle" überraschend entspannt. Während Ultras Bochum noch damit beschäftigt waren, die Konstruktion für die "Vorwärts VfL Bochum" Zaunfahne (man hatte sich gegen Gruppenfahnen und für den Auftritt hinter dieser gemeinsamen Fahne entschieden; so kam auch nur der Schwenker mit dem Bochumer Stadtwappen zum Einsatz) aufzubauen, nutzte ich die Zeit, um dem einen oder anderen alten Weggefährten (den ich nicht schon zuvor auf der Anreise zu Gesicht bekommen hatte) zu begrüßen... Zum Einlaufen der Spieler erstrahlte der Gästeblock im roten Schein unzähliger Fackeln - in Kombination mit der monströsen Zaunfahne ein herrliches Bild! Acht Minuten später wähnte ich mich "im falschen Film", führte unsere Elf doch tatsächlich mit zwei zu null beim haushohen Favoriten; was jetzt im Gästeblock los war, kann sich bestimmt jeder von Euch denken (viele werden es ohnehin miterlebt haben). Zwei verwandelte Handelfmeter (beide mit "freundlicher Unterstützung" des Kölner Kellers) bescherten Dortmund ein eher glückliches Unentschieden zur Pause. Als Erling Haaland in Minute zweiundsechzig die Schwarz-Gelben erstmals in Führung brachte, sahen viele schon unsere Felle schwinden (die Südtribüne - bis dato nur sehr selten bei uns zu vernehmen - ließ uns nun wissen, wer die vermeintliche Nummer 1 im Pott sei), jedoch belehrte uns (und vor allem die Gastgeber) unsere Mannschaft in den verbleibenden zweiunddreißig Minuten eines Besseren! Dem Ausgleich in Minute einundachtzig (bereits hier zuckte der Gästeblock richtig aus) folgte nur vier Minuten später der Siegtreffer (diesmal brauchte der Schiedsrichter nicht die Hilfe aus Köln - zu klar war das Handspiel von Axel Witsel) durch den ehemaligen "Bayernbubi" Milos Pantovic. Was sich nun bei uns abspielte ist nur schwer (wenn überhaupt) in Worte zu fassen... kollektives Ausrasten, Tränen, Euphorie... von allem war eine gehörige Portion dabei. Dieser Sieg, der noch lange mit der kompletten Mannschaft (teils bei uns im Block, teils auf dem Zaun) gefeiert wurde, entschädigte für all die bitteren Momente seit dem Abstieg anno 2010! Ach ja liebe Dortmunder - die Nummer EINS im POTT sind WIR... Irgendwann wurden dann aber doch zum kollektiven Rückzug geblasen; für die aktive Szene ging es im Polizeikessel bis zur Stadtbahn, von wo aus wir mit zwei Sonderzügen zurück zum Hauptbahnhof gekarrt wurden (natürlich auch hier in Begleitung der heute doch zurückhaltend agierenden Ordnungshüter; da kann ich mich an andere Szenen bei Spielen im Westfalenstadion erinnern). Wenig später setzte sich dann der erste der beiden Entlastungszüge in Richtung Bochum in Bewegung. Dass hier ob des Sieges und des damit verbundenen Klassenerhalts ordentlich gefeiert wurde (die anlässlich des Maiabendfestes in der Innenstadt errichtete Bühne und die Eröffnung der "Freiluftsaison" im Bermudadreieck spielten der feierwütigen Masse natürlich in die Karten - geil auch, dass die Mannschaft sich hier abermals "unters Volk mischte"), brauch ich wohl nicht extra zu erwähnen...
Für mich hieß es leider um halb elf Abschied nahmen, schließlich sollte mein Zug um viertel vor Elf in Richtung Heimat aufbrechen - na ja, bekanntlich soll man immer dann gehen, wenn es am schönsten ist!
Vielen Dank an alle Beteiligten für diesen geilen Tag - Bochum per sempre!


Fotos vom Spiel findet Ihr hier: http://photomafia-bochum.blogspot.com/2022/05/bvb-dortmund-vs-vfl-bochum-1-bundesliga.html
Videos vom Spiel findet Ihr hier: https://www.youtube.com/c/VideosfL?app=desktop

Mittwoch, 27. November 2019

19. Dezember 2004 - Hellas Verona vs. Vicenza 5:3

Weil es so schön war, und ich auch überraschend viel positives Feedback bekommen hab, "krame" ich gleich nochmal im "Buch der Erinnerung"...
Die Zeit vor dem Tod des Polizisten Filippo Raciti beim sizilianischen Derby zwischen Catania und Palermo am 2. Februar 2007 (ein Datum das für mich gleichbedeutend steht mit dem Niedergang der Ultrabewegung in bella Italia) beschäftigt mich (und "notgedrungen" den einen oder anderen (ehemaligen) Weggefährten) aktuell besonders, so dass ich mich dazu entschieden hab, ein paar Zeilen über das Derby dell Veneto zwischen Hellas Verona und Vicenza Calcio anno 2004 zu verlieren...

Serie B Italien am 19.12.2004
Stadio Marcantonio Bentegodi Verona
Hellas Verona vs. Vicenza Calcio 5:3

Sowohl An- als auch Abreise sollten sich zumindest zwischen Dachau und Innsbruck recht abenteuerlich gestalten; schuld war ein Wintereinbruch in der Nacht von Samstag auf Sonntag. So musste ich am Zirler Berg (abenteuerlich an der ersten Nothaltebucht) notgedrungen Schneeketten aufziehen, da sich mein fahrbarer Untersatz auf den ersten Metern mehrmals selbständig gemacht hatte... für reichlich Adrenalin war also gesorgt! Ach ja, meine beiden Wiener Mitstreiter kamen so in den Genuss eines rund halbstündigen Aufenthalts am Innsbrucker Hauptbahnhof (na ja, manch langjähriger Wegbegleiter würde jetzt wohl sagen "ganz normal!"). Die restlichen zweihundertsiebzig Kilometer verliefen dann mehr oder weniger ereignislos... Schnell das Auto abgestellt, und rein ins Getümmel, das rund ums Stadio Marcantonio Bentegodi herrschte. Den Leuten war die Vorfreude aufs bevorstehende Derby deutlich anzusehen... Da die Staatsdiener den Bereich um den Gästeblock weiträumig abgesperrt hatte, war eine Konfrontation zwischen den verfeindeten Lagern mehr oder weniger ausgeschlossen... Knapp anderthalb Stunden vor dem Anpfiff ging es dann rein ins Oval, gerade rechtzeitig um die Ankunft der Vicentini mitzuerleben - rein in den Block und ein gepflegtes "Hellas, Hellas, vaffanculo!"... klar, dass die Antwort der Curva Sud nicht lange auf sich warten lies - bella Italia! Zum Einlaufen der Spieler kamen auf beiden Seiten Fähnchen (bei Hellas im blau-gelben Karomuster, bei Vicenza weiße und rote) zum Einsatz, bei den "Butei" untermalt mit Bengalen, bei den Gästen mit weißen und roten Rauchfackeln. Ach ja, die Gruppe"1 febbraio" auf der Haupttribüne hantierte ebenfalls mit etlichen Bengalen; zudem zeigte man ein Spruchband in Richtung der Gäste... Als zu Beginn der zweiten Halbzeit (zur Pause stand es null zu eins) der zweite Treffer für die Rot-Weißen fiel, schienen die Drops bereits gelutscht zu sein, da sich die Gastgeber bis dato definitiv nicht von ihrer Schokoladenseite zeigten. Eine Viertelstunde später hatte Hellas das Spiel gedreht; führte sagen und schreiben mit vier zu zwei... Spätestens jetzt glich das Bentegodi einem wahren Tollhaus - nicht das die Stimmung auf Seiten der Gastgeber bis dato schlecht gewesen wäre... ganz ehrlich, an diesem Nachmittag blieb keine der beiden Kurven etwas schuldig! Vicenza kam dann noch einmal heran, um in der Nachspielzeit den endgültigen Todesstoß zu erhalten. Wow, was für ein Spiel! Völlig geflasht vom gerade erlebten, beobachten wir noch ein wenig den Abtransport der Gäste, der - abgesehen vom Austausch verbaler Nettigkeiten - eher unspektakulär von statten ging... Auf der Heimreise dann ein ähnliches Bild wie schon am Morgen; bis Innsbruck verlief alles reibungslos, ehe mich auf den letzten hundertfünfzig Kilometern (glücklicherweise diesmal erst nach dem Zirler Berg) abermals die "Schneekeule" traf... teilweise ging es mit knapp fünfzig über die Autobahn - Schneetreiben ohne Ende und eine nicht geräumte Fahrbahn sorgten für "große Begeisterung" meinerseits...

Samstag, 27. April 2019

DER (PF)LÄSTERSTEIN Ausgabe 18...

...befindet sich im Druck. Erscheinungstermin laut Druckerei ist der 10. Mai!

Die überraschend große Nachfrage eurerseits hat eine Erhöhung der ursprünglich geplanten Auflage möglich gemacht (ganz ehrlich - ich bin immer noch hin und weg!). Wer noch Interesse an einem oder mehreren Exemplaren hat, kann sich gerne melden - noch sind genügend Hefte zu haben...


Eine weitere Erhöhung der Auflage sowie ein möglicher Nachdruck ist NICHT möglich!

Hier noch ein paar Einblicke in die achtzehnte Ausgabe (Fotos stammen aus dem Probedruck!):

Montag, 18. März 2019

Rezension: WIR SIND SCHON AUF DEM BRENNER Ausgabe 2


Wie auch schon bei der ersten Ausgabe blieb mir die "Präsentation" in den Räumen der Schickeria - Motto diesmal "notte italina", mit Pizza & Pasta, Gesprächsrunde über die Europapokalspiele in Italien, sowie Italo Sound & Specials - auch diesmal verwehrt; glücklicherweise war der Grund hierfür am vergangenen Samstag deutlich erfreulicher... An dieser Stelle ein fettes "Merci" an meinen "Boten" - der nächste Borghetti geht auf mich! So, genug Vorgeplänkel - rein ins hundertzweiundsiebzig Seiten Italien pur...
Neben den, meiner Meinung nach überaus informativen/interessanten Newssplittern (Rückrunde 2017/2018 sowie Hinrunde 2018/2019), mit "allen" wichtigen Informationen aus dem Mutterland unserer Bewegung, gibt es den zweiten Teil der Geschichte der Ultras (diesmal sind die 80er Jahre an der Reihe - die 90er folgen in Ausgabe 3), Streetart, Hintergründe zu den großen Derbys in Kalabrien und Ligurien (diese Reihe soll in Zukunft fortgesetzt werden - sollten die "großen" Derbys "abgearbeitete" sein, würde ich mich natürlich auch über die "kleinen", wie beispielsweise in Ligurien zwischen San Remo und Savona, Setri Levante und San Remo oder Virtus Entella und Spezia tierisch freuen), einen überaus interessanten Text über den "Calcio popolare" (un altro calcio e possible), der mit einem Spielbesuch (auswärts in der toskanischen "Pampa")  von Kai Tippmann bei Centro Storico Lebowski und seinen Ultimi Rimasti (zu lesen auch auf dessen Blog "altravita.com") abgerundet wird und der Fortsetzung der Rubrik "Lieder aus der Kurve" (diesmal aus der Curva Nord von Cagliari), gibt es diesmal zweiunddreißig Spielberichte (Februar 2018 bis Januar 2019 - von der Serie A bis zur Eccellenza ist alle dabei!)  mit massig Hintergrundinformationen - stolze neun davon erzählen von der Freundschaft zwischen "SAMB E MONACO" (gab es in Ausgabe eins noch eine Zusammenfassung der Geschehnisse rund um das Spiel in Vicenza, bei dem Luca von Staatsdienern ins Koma geprügelt wurde, so bekommt ihr diesmal den dazugehörigen Spielbericht geliefert... zum Glück ist Luca inzwischen auf dem Weg der Besserung!)...
Das Heft hat mich auch diesmal vollkommen begeistert/in seinen Bann gezogen; so sehr, dass ich es trotz heftiger "Nachwehen" vom Vorabend in einem Stück gelesen... nein... verschlungen hab! Für alle Italienliebhaber ein absolutes MUSS! 
Format: A5
Seiten: 172 Seiten - farbig
Preis: 5,00 Euro
Kontakt: www.suedkurve-muenchen.de

Freitag, 11. Januar 2019

2323 Kilometer - ein ganz normales Wochenende anno 2001

Unter weiter geht die Reise in die Vergangenheit! Heute blicke ich auf ein ganz normales Wochenende im November 2001 zurück. Nachdem ich am Freitag und Samstag in Bochum weilte, ging es am Sonntag noch schnell ins "gelobte Land" - aber lest selbst...

13. Spieltag 2. Bundesliga am 17.11.2001
Ruhrstadion Bochum
VfL Bochum vs. Arminia Bielefeld 0:0

Es war schon ein komisches Gefühl, als ich mich am Freitagabend ein letztes Mal mit meinem Corsamobil auf den Weg nach Bochum machte... Mein Gott, die unzähligen Kilometer, die wir auf unseren gemeinsamen Touren quer durch Europa bewältigt haben. All die Nächte, in denen ich auf deinen Sitzen mein Nachtlager aufgeschlagen habe. All dies bleibt mit Sicherheit unvergessen... Um kurz nach elf endete unser gemeinsamer Weg in Bochum-Gerthe… Nachdem ich mit Dani das Geschäftliche erledigt hatte... pass bloß gut auf meinen Kleinen auf... wurde erst mal das erste Dösken geleert, ehe wir... Cobi, Kai, Dani, Meike und ich... uns ans Fähnchenkleben für die morgige Choreographie machten... Obwohl wir uns redlich mühten, schafften wir in den nächsten fünf Stunden... in denen übrigens noch das eine oder andere Dösken geleert wurde... nur rund Hundertzwanzig der geplanten dreihundert blau-weißen Plastikfähnchen... Dank der tatkräftigen Mithilfe etlicher Damen und Herren aus dem Dunstkreis der Ultras Bochum, die sich am Samstagvormittag in den Räumlichkeiten des Fanprojekts eingefunden hatten, schafften wir es letztendlich doch noch, alle Fähnchen fertig zu stellen... Um kurz nach eins ging es dann gutgelaunt... und nicht mehr ganz nüchtern... weiter zum Ruhrstadion... Pünktlich zum Einlaufen der Mannschaften verwandelte sich die Ostkurve in ein Meer aus blau-weißen Fahnen. Zudem gab es einen überdimensionalen Doppelhalter, auf dem sich Darius Wosz mit Zepter und Umhang befand, und ein Transparent mit der Aufschrift "KNIET NIEDER VOR KÖNIG DARIUS IHR BAUERN". Eine passende Antwort auf die permanenten Pöbeleien der Ostwestfalen gegen unseren Kapitän... Die Stimmung am heutigen Nachmittag war weder bei den rund dreitausend mitgereisten Bielefeldern, noch bei uns in der Ostkurve sonderlich gut, was wohl nicht zuletzt am tristen Gebolze beider Mannschaften lag... Richtig laut wurde es eigentlich nur, wenn die Gäste mit dem allseits bekannten "Ostwestfalen Idioten..." bedacht wurden. Schade eigentlich... Letztendlich waren wohl die meisten der 13.244 Zuschauer froh, als der Schiedsrichter das Trauerspiel nach zweiundneunzig Minuten endlich beendete... Nach dem Spiel half ich noch ein wenig, unsere Utensilien aufzuräumen, ehe ich mittels Deutscher Bahn AG die knapp siebenstündige Heimreise antrat, während mein geliebtes Spaßmobil, das mir ja mittlerweile nicht mehr gehört, in Bochum blieb...



13. Spieltag Serie B am 18.11.2001
Stadio Alberto Braglia Modena
FC Modena vs. AC Reggina 3:1

Unmittelbar nach meiner Rückkehr aus Bochum trudelten auch schon Thorsten und Patrick, seines Zeichens Bayernfan aus Gammertingen ein. Nachdem sich die beiden noch ein wenig über meine Fotosammlung hergemacht hatten, hauten wir uns noch ein paar Minuten aufs Ohr... AUA... ehe wir gegen halb sechs in Richtung bella Italia starteten... Sechs Stunden später hatten wir unser erstes Etappenziel bereits erreicht. Vor dem Stadio Alberto Braglia trieben sich neben Polizia und Carabinieri, die gerade dabei waren, den Settore Ospiti weiträumig abzuriegeln, unzählige vermummte Modenesi, die die Gäste aus Süditalien wohl gebührend in Empfang nehmen wollten... Während Thorsten und Patrick sich alsbald auf die Haupttribüne des fünfzehntausend Zuschauer fassenden Stadio Alberto Braglia verzogen, machte ich noch schnell einen Abstecher in die Curva Nord, ehe ich es mir im Innenraum des Stadions bequem machte... Von wegen bequem... Da es mittlerweile wie aus Kübeln goss, war ich binnen kürzester Zeit patschnass... Während die Curva Nord zum Einlaufen der beiden Mannschaften lediglich ihre Schals, Doppelhalter und Schwenkfahnen präsentierten, hantierten die rund achthundert mitgereisten Gäste aus Kalabrien mit unzähligen roten, weißen und grünen Nebeltöpfen, sowie der einen oder anderen Bengale... Was beide Seiten in den folgenden neunzig Minuten supporttechnisch abzogen, konnte sich wahrlich sehen und hören lassen... Auf dem Spielfeld hatten die Gäste dem spielstarken Aufsteiger nur wenig entgegen zu setzen. Nach neunzig überaus unterhaltsamen Minuten konnten die Gastgeber weitere drei Punkte auf der Habenseite verbuchen... Kurz nach dem Schlusspfiff kehrten wir dem Stadio Alberto Braglia den Rücken, schließlich sollte in knapp vier Stunden das Derby zwischen Hellas und Chievo angepfiffen werden...


11. Spieltag Serie A am 18.11.2001
Stadio Marc Antonio Bentegodi Verona
Hellas Verona vs. Chievo Verona 3:2

Obwohl wir es recht ruhig angehen ließen, erreichten wir Verona rund eineinhalb Stunden später... Auf der Suche nach einem geeigneten Parkplatz wurden wir einmal mehr direkt hinter der Haupttribüne des Stadio Marc Antonio Bentegodi fündig... Während Thorsten und Patrick ihre bestellten Karten wenig später in Empfang nehmen konnten, war meine weit und breit nicht zu finden... Einfach umwerfend... Nachdem ich mir geschlagene fünfzig Minuten die Beine in den Bauch gestanden hatte, tauchte doch noch ein Offizieller mit meiner Karte auf. Wenig später machten wir es uns auf der Haupttribüne des WM-Stadions von 1990 bequem und harten der Dinge, die da kommen sollten... Letztendlich zog das erste Derby zwischen Hellas und Chievo in der Serie A rund fünfunddreißigtausend Zuschauer in seinen Bann. Unter ihnen gut und gerne achttausend Sympathisanten aus dem Stadtteil Chievo... Während die Curva Sud beide Mannschaften mit einer Schalparade und dem Spruchband "LA SQUADRA, LA STORIA, LA TRADIZIONE, HELLAS VERONA, ORGOGLIO E FEDELITA"... "DIE MANNSCHAFT, DIE GESCHICHTE, DIE TRADITION, HELLAS VERONA, STOLZ UND TREUE"... begrüßte, gab es seitens der North Side eine durchaus gelungene Choreographie, bestehend aus blauen und gelben Fähnchen, die eine überdimensionale Krone, auf der sich das Wappen von Chievo befand, umgaben. Des weiteren wurden unzählige blaue und gelbe Esel mit Flügeln mittels Seilen in Richtung Stadiondach gezogen. Hintergrund dieser Aktion war ein Spruchband der Curva Sud bei einem Derby in der Serie B vor einigen Jahren, auf dem man den Anhängern des Lokalrivalen mitteilte, dass der Esel, Wappentier von Chievo Verona, eher das Fliegen lernen würde, als dass Chievo in die Serie A aufsteigen würde... In den folgenden neunzig Minuten entwickelte sich ein munteres Spielchen, das die Gastgeber letztendlich mit drei zu zwei für sich entscheiden konnten, was deren Anhang gebührend zu feiern wusste. Überhaupt war die Stimmung auf beiden Seiten am heutigen Abend ganz ordentlich... Nach dem Schlusspfiff machten wir uns alsbald vom Acker, schließlich wollten wir nicht all zu lange im Abfahrtsstau stehen... Während der Sonntagsausflug nach bella Italia für mich um halb vier in Hebertshausen endete, mussten meine beiden Mitstreiter noch ein wenig durchhalten...

Samstag, 8. Dezember 2018

8. Dezember 2018 - FC Bayern vs. 1.FC Nürnberg 3:0

Weihnachtszeit - stade Zeit... mitnichten! Aktuell könnte mein Tag gut und gerne dreißig bis vierzig Stunden haben... sowohl in der Arbeit, als auch zu Hause - überall ist momentan die Hölle los. Dazu Endspurt bei meinem aktuellen Fußballprojekt; da bleibt der Blog (leider) auf der Strecke... Aber ich gelobe Besserung - schon allein, weil hier noch rund zwanzig Fanzines liegen und darauf warten, besprochen zu werden...
Jetzt aber zurück zum Spiel zwischen dem aktuellen und dem ehemaligen Rekordmeister (inzwischen trennen die beiden Vereine neunzehn Meisterschaften - die letzte Meisterschaft des Glubb resultiert übrigens aus dem Jahr 1968). Nach vier Jahren Zweitklassigkeit gastierten die Franken wieder in der Fröttmaninger Arena. Der Pulsschlag auf beiden Seiten erhöhte sich in den Tagen vor dem Spiel zunehmend - für zusätzliche Aufregung (auf Nürnberger Seite) sorgte das "Mützenverbot", ausgesprochen vom FC Bayern München (begründet mit Sicherheitsbedenken beim Verkauf/Verteilen vorm Eingang zur Arena). Letztendlich sollten die mitgereisten Franken jedoch - wie geplant - im einheitlichen "Kopflook" auftreten... Während sich die restlichen Dachauer bereits im Laufe des Vormittags auf den Weg in die Landeshauptstadt machten (unter anderem stand der obligatorische Besuch an Bonsais Grab auf dem Programm), ließ mein (Familien)Terminkalender eine Anreise vor halb zwei nicht zu... Somit viel ein Besuch am Steetworkbus, wo unter dem Motto "Südkurve hilft" für caritative Zwecke Südkurvenschals gegen eine Spende von mindestens zehn Euro den Besitzer wechselten,  für mich in Wasser...
Zum Einlaufen der beiden Mannschaften boten beide Seiten was fürs Auge. Während die Südkurve auf zwei großen Spruchbändern das Motto des Tages vorgab (FÜR UNS - FÜR EUCH - FÜR MÜNCHEN) - untermalt mir einer (dank der bereits erwähnten Schals einheitlichen) Schalparade und roten, weinroten und weißen Fahnen, präsentierten die rund fünftausend mitgereisten Nürnberger mittels Pappen den Fränkischen Rechen, flankiert mit roten und schwarzen Fähnchen. Zudem gab es ein Spruchband mit der Aufschrift "EINEN FRANKEN SOLLTE MAN SICH ZUM FREUND, ABER NICHT ZUM NACHBAR WÜNSCHEN"... In den ersten Minuten legten beide Seiten dann akustisch eine flotte Sohle aufs Parkett, wobei den Nürnbergern heute irgendwie die Durchschlagskraft fehlte - AJAX hat die Messlatte halt enorm hochgelegt!! Obwohl ich über weite Strecken des Spiels dem Gästeblock deutlich näher war als der Südkurve, gehörte den Gastgebern über weite Strecken die Stimmungshoheit. Geil fand ich den Moment, als der komplette Gästeblock Mitte der ersten Halbzeit mit dem Rücken zum Spielfeld am Hüpfen war - sah richtig gut aus! Zu Beginn der zweiten Halbzeit flogen aus der Südkurve zigtausend Papierrollen in Richtung Spielfeld, garniert von den bereits zum Einlaufen verwendeten Fahnen. Der Ordnungsdienst war in der Folgezeit ordentlich beschäftigt, um das Spielfeld wieder frei zu räumen ;-) Während die Roten (die von ihren Freunden aus Bochum, Jena und Hamburg unterstützt wurden) den Sieg gegen den fränkischen Rivalen nach dem Schlusspfiff ausgiebig feierten, zeigten die Franken (bei denen übrigens die Fahne der Curva Nord Brescia und die der Lords Rapid zu sehen war) eine feine Schalparade... 

Samstag, 10. November 2018

Damals 1997... Dortmund vs. VfL Bochum 5:2

Passend zum heutigen Spiel unserer roten Freunde bei den Schwarz-Gelben aus dem Randruhrgebiet habe ich mal wieder tief in der "Historienkisten" gekramt, und den Bericht von unserem Gastspiel anno 1997 herausgekramt - seinerzeit waren wir, was die Einflüsse aus bella Italia betrifft, mit Sicherheit eine "Hausnummer" im Pott. Der folgende Bericht entstammt der neunten Ausgabe der Red News (erschienen am 4. Oktober 1997)…

4. Spieltag 1. Bundesliga am 23.08.1997
Westfalenstadion Dortmund
Borussia Dortmund vs. VfL Bochum 5:2

Es war mal wieder soweit, das Derby (heute würde ich dazu nur noch Nachbarschaftsduell sagen - stehe diesbezüglich aber beinahe allein da... aber das einzig wahre Derby ist nun mal gegen Wattsche!) bei den ach so geliebten Dortmundern stand auf dem Programm. Wie auch schon bei unserem Gastspiel im letzten Jahr hatten wir in wochenlanger Kleinarbeit eine Choreographie (heute wäre das ne kleine Geschichte, für die damalige Zeit und unsere beschränkten Mittel aber eine richtige Hausnummer) geplant, entworfen und vorbereitet... Mit dem gewissen Derbyfeeling traf man sich am Bochumer Hauptbahnhof, von wo aus es wie gewohnt mit dem Sonderzug in die "verbotene" Stadt ging. Mit einer extrem harten Mischung versuchte man die Anspannung etwas abzubauen, was aber so gut wie nicht gelingen wollte. Wie gehabt warteten gut hundert grüngekleidete Herrschaften auf uns, um uns sicher ins Stadion zu geleiten. Hierbei hatte man mal wieder das Ultrà Feeling, als man singend zum Westfalenstadion marschierte (heute würde man wohl schreiben "singend zog man im Corteo zum Stadion")… Vor dem Stadion durften wir unsere Transparente vor den neugierigen Augen der Dortmunder Zivis entrollen, aber letztendlich durfte man alles bis auf die Stangen (stinknormale PVC-Rohre - heute Usus!) für die Fahne mit in den Block nehmen. Zum Glück wurden uns dann zwei Teleskopstangen überlassen, so dass einer perfekten Inszenierung nichts mehr im Wege stand. Zum Einlaufen der Gladiatoren... äh... Spieler präsentierten wir ein 2 1/2 Quadratmeter große Fahne, auf  der ein Henker (adaptiert aus Innsbruck, wohin wir zu dieser Zeit gute persönliche Kontakte pflegten) zu sehen war, sowie zwei Spruchbänder mit der Aufschrift "WIR KRIEGEN EUCH ALLE!". Abgerundet wurde dieses Intro mit einer Menge schwarzen und weißen Rauches (damals Standard in Deutschland - blau und weiß wäre natürlich rückblickend deutlich besser gewesen)… Die Dortmunder brachten, genau wie im letzten Jahr, einfach nichts auf die Beine. Nicht einmal als das Spiel schon klar zu Gunsten der Borussen entschieden war, kam bei den besten Fans der Liga (so wurden sie in den Medien zu dieser Zeit des Öfteren genannt) richtig Stimmung auf. Bei uns war der Support heute einmal mehr vom Feinsten (war wirklich geil, was die damals anwesenden Bochumer, trotz der klaren Niederlage gegen den amtierenden Champions League Sieger, an jenem Tag akustisch ablieferten), wobei mir persönlich das "You'll never walk alone" gegen Ende des Spiels am besten gefiel (fast jeder streckte hierbei seinen Schal in die Höhe - heute eher eine Seltenheit). Auf der Tribüne neben dem Gästeblock kam es noch zu einigen derben Hauereien zwischen beiden Lagern, wobei die Cops anfangs nicht viel Plan hatten... Wir machten uns dann geschlossen auf den Weg zur Straba, hatte man doch wenig Lust, sich ähnlich wie bei den letzten beiden Auftritten beim BVB von den Cops einkesseln zu lassen. Auf der Fahrt zum Dortmunder Hauptbahnhof sorgte Moppel noch für den einen oder anderen Lacher. Wer dabei war, weiß was ich meine! In Bochum ging es noch ins Haus "Otto", wo die erste (offizielle) Fanclubversammlung in unserer Geschichte anstand. Fraglich ist nur, ob hierbei besonders viel herausgekommen ist...
Das erste Bild findet Ihr auch in meinem Bildband "MOMENTAUFNAHMEN", das zweite ist von FaBu (PhotomafiA Bochum)

Freitag, 12. Oktober 2018

Gemischtes Doppel... September 2001

Da es mit dem dritten Teil meines Sammelbandes wohl noch ein Weilchen dauert - Prognosen will ich an dieser Stelle keine abgeben, zu voll ist der (virtuelle) Schreibtisch - werde ich Euch in den nächsten Tagen wenigstens einen kleinen Vorgeschmack geben. Ich starte mit zwei Berichten aus der sechzehnten Ausgabe des (PF)LÄSTERSTEINS. Da der VfL bereits am Freitag beim SSV Reutlingen angetreten war, stand einem "erlebnisreichen" Blick über den Tellerrand nichts im Weg. Mit dem Westderby zwischen Innsbruck und Salzburg (damals war die violette Fußballwelt noch in Ordnung und R** B*** diente im Fußballkontext einfach dazu, den Fahrer auf den unzähligen Touren wach zu halten - wobei ich schon damals in bella Italia einen kräftigen Espresso bevorzugte!) am Samstag und dem Duell zwischen Brescia und Bergamo hatten wir uns zwar keine neuen Ziele gesetzt, dafür aber zwei hochbrisante Begegnungen. So, genug der einleitenden Worte - hinein ins Geschehen...

13. Spieltag max-Bundesliga am 29.09.2001
Stadion Tivoli Neu Innsbruck
Wacker Innsbruck vs. Austria Salzburg 3:0
 
Da wir erst um kurz nach elf aus den Federn... na ja, Christian und Thorsten fielen wohl eher vom Sofa... krochen, wurde aus dem ausgiebigen Frühstück nicht... Also schnell 'ne Tasse Kaffee, uns schon saßen wir in meinem treuen Spaßmobil... Nach relativ kurzweiliger Fahrt erreichten wir die Olympiastadt von 1964 und 1976 rund eine Stunde vor Beginn des Spiels... Nachdem wir die bestellten Karten abgeholt hatten, verzogen wir uns auch schon auf die Haupttribüne des neuen Tivoli Stadions... Zum Einzug der Gladiatoren... äh... zum Einlaufen der Spieler bahnten sich unzählige Klorollen von der Nordtribüne aus ihren Weg in Richtung Spielfeld. Da die rund dreihundert mitgereisten Salzburger ihrerseits mit weißen und violetten Folien, sowie der einen oder anderen Rauchfackel hantierten, kann man getrost von einem gelungenen Intro sprechen... Zu Beginn der zweiten Halbzeit experimentierten die Verrückten Köpfe, Freaks & Co. dann noch mit etlichen Bengalen und orangen Nebeltöpfen, was ein klasse Bild abgab. Leider wurde durch den Einsatz eines übermotivierten Ordners die zuvor geworfenen Klorollen sowie das eine oder andere Spruchband... von denen gab es an diesem Nachmittag auf beiden Seiten reichlich... in Brand gesteckt, worauf hin sich ziemlich derbe Rauchschwaden ihren Weg 'gen Himmel bahnten... In den folgenden Tagen, Wochen und Monaten sollte der Vorfall noch für reichlich Wirbel sorgen... Während die Innsbrucker nach dem Schlusspfiff den überaus verdienten Derbysieg noch ausgiebig feierten, und die Salzburger eine knapp fünfzehnminütige Blocksperre über sich ergehen lassen mussten, machten wir uns auf den Weg hinter die Gegengerade, schließlich wollten wir uns den Abmarsch der Salzburger nicht entgehen lassen... Irgendwann kamen die Gäste dann geschlossen im Corteo anmarschiert. Da die zahlreich vertretenen Ordnungshüter den Zugang zur Nordtribüne abgeriegelt hatten, kam es rund ums Stadion nur zu verbalen Auseinandersetzungen. Ob es in der Innenstadt noch zu einem Aufeinandertreffen der verfeindeten Lager gekommen ist, entzieht sich meiner Kenntnis, da wir uns alsbald auf den Heimweg machten...
 
5. Spieltag Serie A Italien am 30.09.2001
Stadio Mario Rigamonti Brescia
Brescia Calcio vs. Atalanta Bergamo 3:3
 
Die Herrschaften aus Nordrhein-Westfalen... nach längerem hin und her hatten sich die beiden gegen den Besuch des oben genannten Spiels entschieden... hatten sich gerade auf den Heimweg gemacht, da trudelte auch schon Thorsten, der einen Rostocker im Schlepptau hatte, ein... Nachdem sich die Beiden meine unzähligen Fotoalben zu Gemüte geführt hatten, wurde noch ein wenig Augenpflege betrieben, ehe es um kurz nach sieben gegen bella Italia ging... Via Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck, Passo Brennero, Verona und Peschiera... einen Besuch im Salions durfte natürlich nicht fehlen... steuerte Thorsten seinen Fiat Uno, der bisweilen mit einer Plastikfolie gegen eindringendes Wasser geschützt werden musste, in gewohnt halsbrecherischer Manier nach Brescia... Nachdem wir in einer ruhigen Seitenstraße hinter der Curva Nord geparkt hatten, machtenwir uns auf den Weg zum Stadio Mario Rigamonti. Während wir auf unsere bestellten Karten warteten, wurden wir das eine oder andere Mal von einigen nicht gerade freundlich dreinblickenden Bresciani unter die Lupe genommen. Da wir aber weder aus Frankoforte, Zurigo oder Innsbruck waren, beließen es die Jungs jedoch dabei, uns über den einzig wahren Verein in bella Italia aufzuklären... Da die Bergamasci, die allesamt mittels Sonderzug nach Brescia gereist waren, mit den hübschen orangen Bussen und in Begleitung unzähliger Mannschaftswagen der Polizia direkt zum Settore Ospiti, der einmal mehr von den Staatsdienern weiträumig abgeriegelt worden war, kutschiert wurden, blieb es vor dem Spiel weitgehend ruhig. Der eine oder andere Stein flog natürlich in Richtung der Busse... Zum Einlaufen der beiden Mannschaften hantierten sowohl die Bergamasci als auch Vecchio CUCN & Co auf der Gegengerade mit Schwenkfahnen, Doppelhaltern und etlichen Bengalen, während die Curva Nord, in der auch heute wieder keine Fahnen hingen, lediglich mit einer Schalparade aufwarten konnte... oder besser gesagt wollte... In den folgenden neunzig Minuten war die Stimmung auf beiden Seiten mehr als genial... Ach ja, nach dem Seitenwechsel gab es auf der Gegengeraden noch eine Choreographie bestehend aus blauen und weißen Papptafeln... Unbeschreiblich die Szenen, die sich nach dem späten Ausgleich der Bresciani abspielten. Unter anderem lief der Trainer der Gastgeber, Carletto Mazzone, zum Settore Ospiti, um den mitgereisten Bergamasci ein paar nette Worte auf den Heimweg mitzugeben. Unglaublich... Während die verfeindeten Lager im Stadion noch ein paar Nettigkeiten... Bengalen, Steine und Sitzschalen... austauschten, befanden wir uns bereits auf dem Weg hinter den Settore Ospiti, schließlich wollten wir uns den Abtransport der rund zweitausend Gäste auf keinen Fall entgehen lassen... Zwar trieben sich in den Seitenstraßen unzählige vermummte Bresciani herum, zu einem Schlagabtausch mit den Bergamasci sollte es aufgrund der massiven Präsenz von Polizia und Carabinieri nicht kommen... So flogen wiederum nur ein paar Steine in Richtung der abfahrenden Busse... Kaum war der letzte Bus außer Sichtweite, da machten wir uns auch schon auf den Weg zu Thorstens Spaßmobil... Unser nächstes Etappenziel war der Bahnhof, da unser Fahrer noch unbedingt der Abfahrt des Sonderzugs beiwohnen wollte... Verhielten sich die Bergamasci vor der Abfahrt des Zuges noch weitgehend diszipliniert, so flog den zahlreich vertretenen Staatsdienern wenig später neben unzähligen Steinen auch das eine oder andere Zuginventar um die Ohren... Als ein Zuginsasse kurze Zeit später die Notbremse zog, bekamen Polizia und Carabinieri die Gelegenheit, sich zu revanchieren... Also Knüppel aus dem Sack und rein in den Zug... Irgendwann war der Spuk dann vorüber, und wir konnten endlich die Heimreise antreten... Während die Fahrt für mich um kurz nach eins in Hebertshausen endete, hatten meine beiden Mitstreiter noch ein paar Kilometer vor sich...

Mehr Fotos zu beiden Spielen findet Ihr in meinem Bildband MOMENTAUFNAHMEN - ZWÖLF JAHRE "ANALOG" UNTERWEGS... an dieser Stelle auch gleich der Hinweis, dass ich letztens beim Aufräumen noch ein paar Exemplare der zweiten Auflage gefunden hab - wer noch ein Exemplar möchte, sollte sich schnellstmöglich bei mir melden...
Hier findet Ihr noch einmal alle Infos zum Bildband:

https://derpflastersteinfanzine.blogspot.com/2017/12/zweite-auflage-momentaufnahmen-zwolf_30.html

Samstag, 25. November 2017

Italien im Herbst 2002... Sampdoria vs. Genoa, Bologna vs. Perugia, Atalanta vs. Brescia e Toro vs. Juve

Nachdem die Reisen in die Vergangenheit bis dato großes Interesse bei den Besuchern des Blog hervorgerufen hat, komme ich heute dem Wunsch eines österreichischen Freundes nach, und stelle eine Tour von Thorsten aus dem Herbst 2002 online, bei dem er unter anderem das Derby zwischen Atalanta und Brescia besucht hat. Erschienen ist der Bericht anno 2006 in der 17. und bisher letzten Ausgabe des (PF)LÄSTERSTEINS (ganz richtig ist das nicht, erschien doch 2007 noch eine Sonderausgabe, in der sich alles um die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland drehte).
 
12. Spieltag Serie B Italien am 15.112002
Stadio Luigi Ferraris Genoa
UC Sampdoria vs. FC Genoa 2:1
 
Endlich sollte sich mein langersehnter Wunsch, einmal das Genueser Derby zu sehen, erfüllen... Zusammen mit Achim und Polenuli startete ich am Freitagvormittag erneut nach Italien. In Freiburg komplettierte HSV-Patrick die Autobesatzung, und weiter ging es 'gen Süden... Während der Fahrt war allen Beteiligten die Vorfreude auf die bevorstehende Genueser Stadtmeisterschaft deutlich anzumerken... Frühzeitig erreichten wir die norditalienische Hafenstadt. Mittels diverser Documenti sicherten wir uns einen Parkplatz in unmittelbarer Nähe des Stadio Luigi Ferraris... Glücklicherweise konnte auch das Kartenproblem relativ früh gelöst werden. Mit vierzig Euro war man dabei... Als wir das Stadion rund anderthalb Stunden vor Beginn des Spiels betraten, kochte die Stimmung in beiden Kurven... äh... Hintertortribünen bereits über... Als beide Mannschaften das Spielfeld um zwanzig vor neun endlich betraten, verwandelte sich die Gradinata Nord mittels Tifofähnchen in ein weißes Meer, flankiert von roten und blauen Silberfolien. Im Zentrum der Geraden wurde zudem ein riesiger Greifvogel, Wappentier des FC Genoa,  an Seilen heraufgezogen. Ob  der "GENOA" Schriftzug wirklich links neben dem Greifvogel präsentiert werden sollte, bleibt wohl das Geheimnis der Ottavio Barbieri... In der Gradinata Sud gab es gleich zwei Aktionen zu bewundern. Während bei den Ultras Tito im Oberrang mittels Papptafelen den Schriftzug "ULTRAS" auf blau-weiß-rot-schwarzem Untergrund präsentierten... in der Mitte gab es zudem eine Blockfahne mit dem Logo der UTC... wurde im Unterang... Heimat der Fedelissimi... eine riesige Blockfahne, auf der ein Reiter den Greifvogel niederstach. Zudem befand sich Genoas berühmter Leuchtturm auf der Blockfahne... ORGASMO! Während die Stimmung zu Beginn des Spiels auf beiden Seiten mehr als genial war, wurde es in der Gradinata Nord mit zunehmender Spieldauer immer leiser, was wohl nicht zuletzt am Geschehen auf dem Spielfeld lag... Spätestens nach dem zweiten Tor Sampdorias gab es seitens der Ultras Tito und Fedelissimi kein Halten mehr... Hammergeile Schalparaden und markdurchdringende Gesänge ließen unsere Herzen vor Freude springen... Zu Beginn der zweiten Halbzeit kamen auf beiden Seiten auch heute wieder massig pyrotechnische Artikel zum Einsatz... Ich war echt traurig, als der Schiedsrichter das Spiel nach zweiundneunzig Minuten beendete, so geil war es... Nachdem wir noch rund eine halbe Stunde der Siegesfeier der Doriani beigewohnt hatten, machten wir uns langsam auf den Weg ins Centrum, wo wir den Abend in einer Bar ausklingen ließen... Genächtigt wurde übrigens im Mietwagen direkt am Meer... Als wir uns gerade schlafen legen wollten, flog uns ein Stein auf die Windschutzscheibe, was ein paar Risse zur Folge hatte...
 
10. Spieltag Serie A Italien am 16.11.2002
Stadio Renato dall' Ara Bologna
Bologna FC vs. AC Perugia 2:1
 
Am nächsten Morgen stellte sich glücklicherweise heraus, dass alles gar nicht so schlimm war, wie anfangs angenommen... Nachdem wir Polenuli, der weiter nach Cagliari wollte, am Bahnhof abgeliefert hatten, ging es weiter in Richtung Emilia Romagna... Obwohl wir es ganz gemütlich angehen ließen, erreichten wir Bologna rund drei Stunden vor Spielbeginn. Genug Zeit, um noch ein wenig fürs leibliche Wohl zu sorgen... Rund zwanzigtausend Spettatori wollten sich das Spiel zwischen Bologna und Perugia nicht entgehen lassen. Zu Beginn des Spiels kamen sowohl in der Curva Andrea Costa, als auch im Settore Ospiti ein paar Bengalen, sowie die obligatorischen Doppelhalter und Schwenkfahnen zum Einsatz... Stimmungstechnisch konnten weder die Gastgeber, noch die rund dreihundert mitgereisten Gäste... Ingrifati, Armata Rossa, Brigade Ultra & Co... überzeugen. Ich weiß schon, warum ich Spiele im Stadio Renato dall' Ara so liebe... Tja, aber was nimmt man nicht alles auf sich, um seine Mitfahrer zufrieden zu stellen? Ach ja, das überaus schwache Spiel konnte Bologna letztendlich mit zwei zu eins für sich entscheiden... Nach dem Schlusspfiff kehrten wir dem Ort des Grauens... nun ja, so schlimm war's nun auch wieder nicht... alsbald  den Rücken, schließlich musste noch ein geeignetes Nachtdomizil gefunden werden. Letztendlich wurden wir etwa auf  halber Strecke zwischen Bologna und Bergamo fündig...
 
10. Spieltag Serie A Italien am 17.11.2002
Stadio Atleti azzuri d' Italia Bergamo
Atalanta Bergamo vs. Brescia Calcio 2:0
 
Am nächsten Morgen war die Vorfreude auf die beiden Spiele bereits riesengroß... Da wir Bergamo bereits am späten Vormittag erreichten, blieb noch genügend Zeit, um die historische Altstadt genauer unter die Lupe zu nehmen. Anschließend zog es uns noch in eine nette Pizzeria, ehe wir uns langsam aber sicher auf den Weg zum Stadio Atleti azzuri d' Italia machten... Leider befanden sich die rund zweitausend Bresciani bei unserer Ankunft bereits im hermetisch abgeriegelten Settore Ospiti... Nun gut. Schnell die bestellten Karten abgeholt und hinein ins Getümmel... Als beide Mannschaften das Spielfeld um kurz vor drei endlich betraten verschwand die Curva Pisani erst in einem Meer aus weißen Papptafeln. Wenig später wurden diese gewendet und es entstand ein schwarz-blaues Streifenmuster auf dem in weißen Lettern das Gründungsjahr von Atalanta Bergamo befand. Zudem wurde in der Mitte der Curva Pisani eine Blockfahne präsentiert, auf der sich die "Dea" befand. Über dieser prangte folgendes Spruchband "1907 L' ANNO DEL DEA"... "1907 DAS JAHR DER GÖTTIN"... Im Settore Ospiti kamen derweil Doppelhalter, blaue und weiße Luftballons, sowie etliche blaue Rauchfackeln und die eine oder andere Bengale zum Einsatz... Unmittelbar nachdem die Papptafeln in der Curva Pisani verschwunden waren, schwebte über dieser, an blauen und schwarzen Gasballons befestigt,  ein riesiges blaues Schwein mit dem Logo von Brescia Calcio und der Zahl "1911". Darunter stand "L' ANNO DEL MAIALE"... "DAS JAHR DES SCHWEINS"... Alles in allem ein absolut geniales Intro der Gastgeber! In Sachen Stimmung legten beide Seiten los wie die Feuerwehr, doch irgendwie verflachte diese mit zunehmender Spieldauer... Zu Beginn der zweiten Halbzeit hantierten beide Seiten übrigens noch ein wenig mit diversen pyrotechnischen Erzeugnissen... Nach dem Schlusspfiff ging es schnellen Schrittes zu unserem Mietwagen, schließlich wollten wir in Torino nichts verpassen...
 
10. Spieltag Serie A Italien am 17.11.2002
Stadio Delle Alpi Torino
Torino Calcio vs. Juventus FC 0:4
 
Da wir relativ zügig voran kamen... Forza Bleifuß ale... erreichten wir die Hauptstadt des Piemont rund eine Stunde vor Beginn des Spiels... Knapp über fünfzigtausend Spettatori fanden sich letztendlich im Stadio Delle Alpi ein, wobei sich beide Lager ungefähr die Waage hielten... Auch heute heizten sich die Kurven mittels Spruchbändern und Schmähgesängen gegenseitig auf... Zum Einlaufen der beiden Mannschaften wurde in der Mitte der Curva Nord... Heimat der Ultras Granata, Ragazzi della Maratona, Granata Korps & Co.... eine goldene Blockfahne, auf der sich in rot die Initialen "TC"... TORINO CALCIO... befanden, präsentiert. Links davon kamen rote Folien zum Einsatz, rechts silberne... In der Curva Sud kam ebenfalls eine Blockfahne, auf der sich das Wahrzeichen der Stadt, la Mole Antonelliana, und zwei Männer... ich denke es handelte sich um Vater und Sohn... mit einer Fahne der Black & White Fighters befanden. Umrandet wurde diese mit gelben Papptafel. Des weiteren gab es Wunderkerzen im Oberrang und ein Spruchband mit der Aufschrift "HASTA AL VITTORIA!" im Mittelrang... War die Stimmung in der ersten Halbzeit noch auf beiden Seiten mehr als genial, wurde es in der Curva Nord mit zunehmender Spieldauer immer leiser. Im Gegensatz zur Curva Sud, die die Demontage des Lokalrivalen natürlich lautstark feierte... Letztendlich waren die Gastgeber mit dem null zu vier noch mehr als gut bedient... Ach ja, zu Beginn der zweiten Halbzeit brannten beide Kurven ihr obligatorisches Feuerwerk ab, jedoch kam keine der beiden Seiten an die mehr als geniale Pyroshow der Curva Nord in der vergangenen Saison heran... Nicht unerwähnt bleiben soll die geklaute Fahne der Fighters, die während des Spiels von den Granata Korps nebst eines netten Spruchbandes präsentiert wurde, und die Tatsache, dass die Gastgeber von ihren Gemellati aus Firenze und Nice unterstützt wurden... Überaus zufrieden kehrten wir dem Stadio Delle Alpi wenige Minuten nach dem Schlusspfiff den Rücken. Die anschließende Heimfahrt verlief ohne besondere Vorkommnisse, und so erreichten wir in den frühen Morgenstunden  heimatliche  Gefilde. Was für eine geile Tour!
 
Fotos von dieser Tour kann ich Euch leider keine bieten, da Thorsten zu diesem Zeitpunkt mit der Videokamera Material für unsere erste (PF)LÄSTERSTEIN-DVD (ursprünglich als VHS-Kassette erschienen, wurde diese später noch auf DVDs gebrannt - bis dato ist eine weitere DVD erschienen, eine dritte und letzte Ausgabe ist aktuell noch geplant) gesammelt hat. Dafür gewähre ich Euch einen Blick in den (PF)LÄSTERSTEIN Nr. 17...