Ich kann mich auch täuschen, aber gefühlt hab ich in den weit über dreißig Jahren, die ich inzwischen "aktiv" ins Stadion gehe, gegen keinen Verein mehr internationale Bayernspiele gesehen... was ich aber sicher sagen kann ist, dass Real Madrid für mich einer, wenn nicht sogar der unsympatischste Verein außerhalb Deutschlands ist!
Nachdem die Bayern seit dem Sieg im Elfmeterschießen im Estadio Bernabéu anno 2012 (was gleichzeitig den Einzug ins "Finale dahoam" bedeutete) sich in vier "Endrundenduellen" (dreimal im Halbfinale, einmal im Viertelfinale) nicht mehr gegen die Königlichen hatten durchsetzen können, sollte es dieses Jahr endlich wieder klappen; mit dem knappen aber verdienten Sieg (2:1) im Hinspiel hatten sich die Mannen von Vinvent Kompany eine durchaus gute Ausgangs-lage für das Rückspiel erarbeitet.
Voller Vorfreude (die Möglichkeit, dass sich unsere Freunde heute aus dem internationalen Wettbewerb verabschieden würden, kam mir zumindest vor dem Spiel nicht in den Sinn... die Mannschaft der Bayern wirkt gerade in den letzten Monaten enorm gefestigt, hat - soweit ich das als Außenstehender beurteilen kann - einen richtig guten Spirit und spielt einfach einen mega attraktiven und vor allem mitreißenden Fußball; schön, dass wir so aus dem "Zweitligarumpel-fußball" der eigenen Equipe auch mal ausbrechen dürfen!) ging es um kurz nach sieben in Richtung Fröttmaning. Nach einem (oder zwei) Dösken in geselliger Runde (auf dem Hinweg war ich diesmal mit ein paar ganz alten Fußballfreunden unterwegs; insbesondere mit einem von ihnen hatte ich meine ersten Fußballtouren bestritten - Momente die mich durchaus geprägt haben) sollte es rund vierzig Minuten vor Anpfiff endlich in Stadion gehen. Nachdem ich zum Einlaufen der beiden Mannschaften die durchaus imposante Choreo-graphie der Südkurve noch aus dem Oberrang der Nordkurve betrachtet hatte, gesellte ich mich in der Folgezeit zu Red Fanatic, ehe ich mich in der Halbzeitpause weiter in die Mitte der Südkurve "durchkämpfte". War die Stimmung in der ersten Halbzeit (wahrscheinlich dem nervenaufreibenden Spielverlauf geschuldet) bisweilen noch durchwachsen (okay, das ist jetzt eher Jammern auf hohem Niveau; aber wenn die Kurve es schaffte, das restliche Publikum mitzunehmen, war bereits zu diesem Zeitpunkt klar, was hier und heute möglich wäre), so war der zweite Durchgang in meinen Augen nahe am Optimum (aber wie gesagt, das ist meine Wahrnehmung - besser beurteilen können das wahrscheinlich diejenigen, die ihren Platz nicht im Herzen der Südkurve hatten). Spätestens nach dem drei zu drei durch Luiz Díaz kurz vor Ende der regulären Spielzeit explodierte die Arena; Michael Olise ließ mit dem Siegtreffer in Minute vierundneunzig endgültig alle Dämme brechen... sowohl unter den 75.000 Zuschauern (sofern sie es mit dem Deutschen Rekordmeister hielten) als auch bei den Bayernspielern (die nach dem Schlusspfiff ausgiebig vor und mit der Südkurve feierten) herrschte Ekstase pur!
DER (PF)LÄSTERSTEIN
- von der gegenwart in die vergangenheit und (vielleicht) zurück -
Donnerstag, 16. April 2026
15. April 2026 - Bayern München vs. Real Madrid 4:3
Montag, 23. März 2026
18. März 2026 - Bayern München vs. Atalanta Bergamo 4:1
Nach der "notte magica" von Bergamo, in der unsere Münchner Freunde wohl einen der besten Auftritte ihrer Mannschaft bejubeln durften, sollte im Rückspiel gegen die "Dea" wohl nichts mehr anbrennen. Dennoch machte ich mich voller Vorfreude zusammen mit den Jungs von der Dachau auf den Weg in Richtung Fröttmaning (von wo aus wir dank des erneuten Streiks im öffentlichen Nahverkehr das zweite Mal in diesem Jahr zum Stadion laufen durften), was wohl nicht zuletzt an den (trotz Debakel im Hinspiel) zahlreich mitgereisten Gästen aus der Lombardei lag. Zum ersten Mal sollte die sagenumwogene Curva Nord (wobei ja seit dem Jahr 2006 mit Forever Atalanta auch eine Ultrágruppe in der Curva Sud beheimatet ist) "ihre Zelte" in München aufschlagen.
Gruppen wie die legendäre Brigate Neroazzurre, Wild Kaos und Nomadi zogen mich bereits Mitte der 1990er in ihren Bann (ich erinnere mich noch heute an mein erstes Spiel im alt-ehrwürdigen Stadio Atleti Azzuri d'Italia, das nach seiner Eröffnung 1928 übrigens mit Mario Brumana den Namen eines italienischen Faschisten trug, ehe es nach dem zweiten Weltkrieg in Stadio Comunale umbenannt wurde; zu Gast war am 9. März 1997 mit Sampdoria Genua ein weiteres Schwergewicht der italienisch Ultrábewegung - eröffnet wurde das Spiel mit einer farbenfrohen Pyroshow in der Mitte der Curva Nord, zu Beginn der zweiten Halbzeit verschwand selbige unter einer riesigen schwarz-blau-gestreiften Blockfahne. Die 1.500 mitgereisten Gäste rund um die Ultras Tito Cucchiaroni hatten "nur" ihre schon damals charakteristischen Schwenkfahnen im Gepäck. Am meisten blieb mir jedoch der mehr als geniale Tifo beider Kurven in Erinnerung; seinerzeit war das für uns Ultras der ersten Generation für die eigene Kurve ein schier unerreichbar scheinender Wunschtraum!). Seit dieser Zeit verfolge ich (nicht nur) die Geschichte der Ultras von Atalanta Bergamo... die Auflösung des WKA und der BNA Anfang der 2000er, der Zusammenschluss aller Ultras unter dem Namen "Curva Nord Bergamo 1907" (federführend war hier zweifelsohne ein gewisser Claudio "Bocia" Galimberti - an dieser Stelle möchte ich Euch allen den Dokumentarfilm "A guardia di una fede" ans Herz legen, wobei ich vermute, dass die meisten Leser diesen bestimmt schon gesehen haben - aufgewaschen mit beziehungsweise in der BNA, später Gründer der Nuova Guardia - die jedoch nicht lange "überleben" sollte - und 1998 der Atalanta Supporters, die sich später in besagte Curva Nord Bergamo 1907 umbenennen sollte) bis hin zu deren Ende im Jahr 2021 (als Hauptgrund wurde in einem letzten Comunicato die schier unglaubliche Repressionswelle, der man sich über Jahre konfrontiert sah, genannt). Inzwischen haben sich mit Millenovecentosette (entstanden aus einem losen Zusammenschluss, der bereits zuvor unter dem Motto "Per chi non piò esserici" (Für diejenigen, die nicht dabei sein können), Ultras Tanto Torno und der Vecchia Guardia neue Gruppen in der Curva Nord etabliert. Im Süden hat neben der bereits angesprochenen Gruppe Forever Atalanta (gegründet von ehemaligen Mitgliedern der BNA) auch noch Agitati Bergamo (hauptsächlich bestehend aus ehemaligen Mitgliedern des WKA) eine neue Heimat gefunden.
Genug der Exkursion und zurück zum Achtelfinalrückspiel der diesjährigen Champions League. Konnte man die mitgereisten Bergamaschi vor dem Spiel noch das ein oder andere Mal im Herzen der Südkurve vernehmen, so war spätestens mit Spielbeginn nichts mehr von den Schwarz-Blauen zu vernehmen, sangen sich unsere Freunde doch gerade in den ersten fünfundzwanzig Minuten (beginnend mit dem Europapokalklassiker "Ich hab geträumt von dir") in einen wahren Rausch; ja Leute, dass hat gescheppert und wirklich richtig Bock gemacht. Leider war nach dem ersten Eingreifen des VAR (wann wird dieser Stimmungskiller, von dem man inzwischen ja hinlänglich weiß, dass er auch nicht für mehr Gerechtigkeit auf dem Spielfeld sorgt, endlich wieder abgeschafft?) ein deutlicher Abfall spürbar. Zwar konnte nach dem Seitenwechsel (die Ultras der Göttin hatten nach einem Schlagabtausch mit dem USK - zuvor soll es wohl schon zu "Unstimmigkeiten" untereinander gekommen sein - teils den Block verlassen) der Stimmungspegel wieder gesteigert werden, an die Anfangsphase sollte man jedoch nicht mehr herankommen. Richtig laut wurde es erst nach dem Schlusspfiff, als man die Mannschaft schon einmal auf den kommenden Gegner einstimmte... Madrid, Madrid, wir scheißen auf Madrid! Ring frei für die Runde der letzten acht... 😉
Freitag, 23. Januar 2026
21. Januar 2026 - Bayern München vs. Union Saint-Gilloise 2:0
Nach der Auslosung der Ligaphase der Champions League hätte ich gesagt, dass dieses Spiel sowohl sportlich als auch fantechnisch eher zu den uninteressanteren Begegnungen zählen würde; aber bekanntlich kommt es manchmal anders als man denkt.
Die UEFA hatte die Bayern nach der Pyroaktion gegen Sporting Lissabon Anfang Dezember (wie zu erwarten) mit einer Teilsperrung der Südkurve belegt, die die Verantwortlichen aus freien Stücken auf den kompletten Unterrang der Kurve ausweitete (und somit annähernd verdoppelte). Dass die aktive Fanszene sich dieser unverhältnismäßigen Kollektivstrafe (die in meinen Augen einzig und allein darauf abzielt, Uneinigkeit in der Kurve zu säen, um so ein gewünschtes Verhalten zu erzwingen - ich weiß, dass gerade das Thema Pyrotechnik innerhalb der Fanszene durchaus unterschiedlich gesehen wird, was ja auch vollkommen legitim ist) nicht beugen würde, war wohl jedem, der sich mit der Fan-/Ultrabewegung hierzulande beschäftigt, klar. Letztendlich sollten sich die aktiven Gruppen in den Blöcken 318 bis 322 im Oberrang der Südkurve einfinden. Während über den verwaisten Stehplätzen ein Spruchband mit der Aufschrift "GEGEN KOLLEKTIVSTRAFEN - FÜR EINE LEBENDIGE FAN-KULTUR" prangte, stand auf einem zweiten im Oberrang "WIR SIND IMMER HIER - DIE KURVE DAS SIND WIR"... selbstredend erschallte das ent-sprechende Lied kurz vor dem Anpfiff! Die durchaus emotionsgeladene Stimmung in den folgenden neunzig Minuten bewies eindrucksvoll, dass die "Strafenpolitik" der UEFA und des FC Bayern problemlos ad absurdum geführt werden konnte (die Stellungnahme der Südkurve München zum Spiel gegen Union Saint-Gilloise findet ihr hier). Nachdem ich die erste Halbzeit bei den Freunden der Dachau City (die sich ihre Plätze heute mit MRP "teilten") verbracht hatte, zog ich mit dem Halbzeitpfiff ein paar Blöcke weiter... sprich ins Zentrum der Kurve. Das Spiel konnten die Bayern letztendlich mit zwei zu null für sich entscheiden, wobei man sich lange Zeit unerwartet schwer gegen den - vor diesem Spieltag - 27. der sechsunddreißig teilnehmenden Vereine tat. Positiv überrascht war ich übrigens vom zahlreich vertretenen Gästeanhang aus Brüssel, der einen durchaus bleibenden Eindruck hinterließ.
Mittwoch, 10. Dezember 2025
9. Dezember 2025 - Bayern München vs. Sporting Lissabon 3:1
Und so musste ich gestrigen Dienstag (trotz Bergen von Arbeit) in der Kanzlei relativ früh die Segel streichen, damit ich pünktlich um fünf abfahrtsbereit war. Die frühe Anstoßzeit hatte nicht nur den Vorteil, dass man relativ früh wieder zu Hause ist, sondern auch, dass sich die Parkplatzsuche in Garching-Hochbrück durchaus entspannt gestaltete. Im Stadion zog es mich alsbald in Richtung Vorsängerpodest, wo neben den üblichen Verdächtigen der Schickeria mit FaBu ein weiterer Fantastic Supporter begrüßt werden konnte (dieser wollte endlich mal wieder ein "normales" Spiel in der Kurve erleben; tja, hast Dir den Platz auf der Haupttribüne ja (quasi) selbst ausgesucht mein Lieber... 😏 Aufgrund der doch eher unschönen Polizeiübergriffe auf Fußballfans im Europapokal gab es zu Beginn große Spruchbänder in Richtung Europäischer Union und UEFA (GET YOUR SHIT TOGETHER - PROTECT AWAY FANS FROM ARBITRATY MEASURES AND POLICE VIOLENCE!). War die Stimmund (soweit ich das von meinem Platz aus beurteilen konnte) in den ersten dreißig Minuten richtig gut, so flachte diese in der Folgezeit leider spürbar ab. Nach dem Seitenwechsel gab es seit längerer Zeit wieder eine Pyroshow in der Südkurve, bestehend aus roten und weißen Bengalen, die über die komplette Breite gezündet wurden. Da unsere Freunde nach dem Achtelfinal-Hinspiel gegen Bayer Leverkusen in der vergangenen Saison mit einer Bewährungsstrafe seitens der UEFA belegt wurden, darf man gespannt auf deren (idiotische) Reaktion respektive Sanktion warten. Ach ja, auch die mitgereisten Gäste aus der portugisischen Hauptstadt hantierten das ein oder andere Mal mit pyroteschnischen Erzeugnissen; ob der Einsatz von Böllern hierbei unbedigt sein musste, stelle ich mal in Frage (ein überaus lauter sorgte kurzzeitig für Irritaion - vor zwanzig Jahren hätten sich in diesem Moment wohl weitaus weniger Leute Gedanken gemacht). Ach ja, das Spiel konnten die Bayern, die nach Kimmichs Eigentor in der 54. Minute in Rückstand geraten waren, letztendlich hochverdient mit drei zu eins für sich entscheiden. In punkto Tifo konnte der Münchner Anhang in Durchgang zwei an die gute Anfangsphase anknüfen, so dass man letztendlich von einem richtig guten Auftritt sprechen kann.
Freitag, 21. November 2025
Rezension: WIR SIND SCHON AUF DEM BRENNER Ausgabe 5
Über zwei Jahre mussten die Italiennerds auf die fünfte Ausgabe des "Wir sind schon auf dem Brenner" warten; wenn ich das mit meiner eigenen Postille vergleiche, eine definitiv noch tragbare Wartezeit... 😅
Mit dem "späten Erscheinen" hadert Pompo im Vorwort, stellt aber auch klar, dass das nichts mit einem möglichen zurückgegangenen Interesse der Autoren am Mutterland der Ultras zu tun hat - hätte mich ehrlich gesagt mehr als gewundert, wenn nicht sogar schockiert! Ferner stellt er die Frage, ob sich ein Heft, dass sich nur mit einem einzigen Themenschwerpunkt beschäftigt, auf Dauer Sinn macht. Wenn ich mir im Gegenzug überlege, wie oft ich von diversen Personen aller möglichen Vereine und durch alle Altersschichten (es gab mal Zeiten, an denen ich das Gefühl hatte, Italien wäre gerade für die jüngeren Generationen nicht mehr das "Maß aller Dinge") hindurch, nach dem Erscheinen des neuen "Wir sind schon auf dem Brenner" gefragt werde, dann kann ich kurz und knapp mit "Nein" antworten!
Den einleitenden Worten folgen zwei geballte Blöcke mit Spielbesuchen (wenn ich mich nicht verzählt habe, wurden im Jahr 2023 sage und schreibe fünfunddreißig Spiele besucht, im Jahr 2024 waren es derer "nur" fünfundzwanzig 😉). Unterwegs waren die Autoren auf dem kompletten Stiefel, von der Serie A bis hinunter in die Promozione dürfte für jeden etwas dabei sein. Müsste ich mich auf drei Highlights festlegen, so würde ich mich (nach langem Überlegen) auf die Spiele Barletta vs. Cavese (allein wenn ich an die zum Bericht gehörenden Bilder denke, wird mir augenblicklich warm ums Herz!), Sampdoria vs. Bari und Catanzarao vs. Bari festlegen. Zwischen den Spiel- und Erlebnisberichten der beiden Jahre findet der geneigte Leser neben einem achtseitigen Streetart-Part den fünften Teil der "Geschichte der Ultras"; diesmal beschäftigt man sich mit den Jahren 2010 bis 2020, einer für die Ultrabewegung definitiv nicht gerade einfachen Zeit. Nach dem Tod des Polizisten Filippo Raciti im August 2009 sieht sich die Bewegung auf dem Stiefel mit der Einführung der Tessera del Tifosi konfrontiert; ein Instrument das bei den Ultras für breite Ablehnung stieß. Dies führte dazu, dass "normale" Auswärtsspiele erstmal der Geschichte angehören sollten. Um zu "überleben" sollten nach und nach viele Kurven den Widerstand jedoch aufgeben, um jungen Mitgliedern das "Erlebnis Auswärtsspiel" zu ermöglichen. Ein paar Kurven/Gruppen blieben bezüglich der Ablehnung jedoch konsequent, unter anderem waren das Sampdoria, Bergamo, Cagliari und Lecce. In die Epoche fielen auch das Ende einiger historischer Gruppen wie beispielsweise das Collettivo Autonomo Viola (2011) oder die Vigilantes Vicenza (2012). Ein positiver Moment der doch eher tristen Epoche war der Besuch einer Abordnung von Ultras von fünfundzwanzig Vereinen im Senat, wo durchaus konstruktiv diskutiert wurde. Knapp ein Jahr später sollte die Tessera offiziell abgeschafft werden, was für einen sichtbaren Aufschwung sorgen sollte. Am Ende des 224 Seiten umfassenden Heftes beschäftigt man sich noch (einmal) ausführlich mit den Freundschaften zu Samb und Empoli (denen man bereits in den regulären Spielberichten das ein oder andere Mal "über den Weg" gelaufen ist); die Freundschaft zu den Ultras Empoli wurde übrigens am 25.02.2023 anlässlich des Heimspiels des Empoli Football Club gegen die Società Sportiva Calcio Napoli "offiziell" gemacht (sprich, es hing zum ersten Mal die Fahne der Schickeria über der der Ultras Empoli). Abgerundet wird das überaus lesenswerte (und nicht minder informative) Heft mit einem weiteren Kapitel der "Lieder der Kurve"; diesmal geht es um die Version des "Bella Ciao" der Curva Sud Siberiano.
Anstatt diese Rezension jetzt wieder mit einer (gerechtfertigten) Lobhudelei zu beenden, zitiere ich ein paar Zeilen aus Pattis Bericht vom Spiel zwischen dem FC Südtirol und dem Genoa Cricket and Football Club... "[...] u.a. über das neue Blickfang Ultra und die Generationeninterviews gelabert. Wobei mir persönlich hier Union und Erfurt mit ihren Antworten am meisten zugesagt haben. Ich gönne mir hier thematisch dann auch schnell einen Exkurs zu meiner eigenen Meinung: Ich sehe das mittlerweile entspannt. Weitergeben von Einstellungen, Werten etc. ist wichtig und wenn es nach meinen Wünschen gehen würde, gäbe es bei Einstellung, Stil etc. eine hohe Konstanz für die nächsten 20 Jahre. Aber wenn man das will, muss man halt dabei bleiben, Präsenz zeigen und dafür einstehen. Klar sollten junge Leute Respekt davor haben, was in den letzten 20-25 Jahren in Deutschland gegen viele Widerstände aufgebaut wurde. Sie sollten verstehen wie anstrengend es teilweise ist, sich ob eines gewissen Alter noch für die Gruppe und Kurve einzusetzen und natürlich darf man Verständnis für veränderte Lebensumstände einfordern (bestes Beispiel Kinder - ohne sterben wir nämlich aus [...] Gleichzeitig bleibt die Zeit nicht stehen, Rahmenbedingungen wandeln sich ständig, die Bewegungen wandeln sich ständig, die Bewegung wächst schnell, nimmt (sozial-)medial einen ganz anderen Raum ein. Viele Gruppen können so wahrscheinlich nur schwerlich hinterher, den Nachwuchs vernünftig zu integrieren und wenn man da dann nur noch selten an Treffpunkten auftaucht und falls dort vor allem mit dem eigenen Bezugskreis Bierchen trinkt, dann ist es für die jungen Leute auch nicht unbedingt leicht mitzubekommen, was man denn in der Vergangenheit so gemacht hat und wieso man manche Veränderung so schlecht findet. Man kann irgendwann nicht mehr erwarten, dass jede und jeder den Knicks vor dem Geleisteten macht. [...] Eine Sichtweise, über die sich so mancher "Alte" Gedanken machen sollte; und vielleicht muss(te) ich diesbezüglich auch mal vor der eigenen Tür kehren.
Format: A5
Seiten: 224 Seiten - farbig
Preis: 6,00 Euro
Kontakt: www.suedkurve-muenchen.de
Montag, 10. November 2025
vom Inn an die Donau... österreichische Woche im November 2025
In Österreich treibe(n) ich/wir mich/uns ja bekanntermaßen des Öfteren herum; zwei (sehenswerte) Spiele (insbesondere was das Geschehen auf den Rängen betrifft) innerhalb von fünf Tagen sehe ich aber inzwischen eher selten.
Zum Auftakt meiner österreichischen (Fußball)Woche hatte ich mir das Gastspiel des FC Wacker Innsbruck in Kufstein auserkoren. Der zehnmalige Österreichische Meister scheint sich nach dem Konkurs 2002 (kurz zuvor hatte man als FC Tirol Innsbruck - unter diesen Namen hatte der FC Wacker nach der Ausgliederung der Profiabteilung im Jahr 1993 die wohl erfolgreichsten Jahre der "jüngeren" Vereinshistorie bestritten, dabei aber einen immensen Schulden-berg angehäuft) und dem Sturz in die fünftklassige Tiroler Liga im Jahr 2022 (abgesehen von der Saison 2002/2003 war man nach dem Konkurs des FC Tirol und der Neugründung des FC Wacker immer in den zwei höchsten Spiel-klassen beheimatet) inzwischen wieder gefangen zu haben; so steht man aktuell nach sechzehn Spieltagen (das Gastspiel beim FC Kufstein schon mit eingerechnet) mit dreiundvierzig von achtundvierzig möglichen Punkten nicht nur auf dem ersten Platz der drittklassigen Regionalliga West, sondern auch vor der Rückkehr in die 2. Liga. Mit einem Zuschauerschnitt von 4.730 Besuchern bei Heimspielen am Tivoli (seit dem letzten Spieltag der Saison 2024/2025 steht die aktive Fanszene wieder auf der angestammten Nordtribüne - die Rückkehr wurde übrigens vor rund 4.000 Zuschauern Zusehern stilecht mit einer Choreographie zelebriert) liegt man deutlich vor der Wattener Sport-gemeinschaft Tirol, die seit dem Aufstieg in die Bundesliga ebenfalls das Tivoli Stadion als Heimspielstätte nutzt. Rund eine Stunde vor Spielbeginn sollte ich die Kufstein-Arena betreten; da es wie aus Kübeln goss, nahm ich das Angebot der Gastgeber, doch noch ein wenig in der Kantine zu verweilen, dankend an. Knapp zehn Minuten vor Anpfiff machte ich es mir auf der kleinen überdachten Tribüne auf der Gegengeraden direkt gegenüber den etwa siebenhundert mitgereisten Innsbruckern gemütlich (na ja, aufgrund des teils heftigen Windes sollte das Dach über mir nur bedingt den Regen von mir fern halten). Diese legten über die kompletten neunzig Minuten eine überaus flotte Sohle aufs Parkett; gesangstechnisch wurden neben einigen neue(re)n Liedern auch alle Klassiker gesunden. Auch wenn die Vorsänger sich augenscheinlich das ein oder andere Mal noch etwas mehr Einsatz gewünscht hatten, so war ich vom Auftritt der Tivoli Nord durchaus begeistert. Nachdem ich mich in der Halbzeitpause mit Mike (Unterland) ein wenig ausgetauscht hatte, so folgte ich nach dem Seitenwechsel seiner Einladung, und verfolgte das Spiel fortan inmitten der Gäste. Richtig laut wurde es dann spätestens mit dem vielumjubelten Führungstreffer des FC Wacker, der sich gegen den aufopferungsvoll kämpfenden Tabellenletzten lange schwer tat, was wohl nicht zuletzt am schwer zu bespielenden Platz (war schon krass zu sehen, wie das Geläuf von Minute zu Minute mehr in Mitleidenschaft gezogen wurde; der Platzwart dürfte bisweilen Tränen in den Augen gehabt haben) lag. Als drei Minuten später auch noch das zweite Tor fiel, war die Messe defacto gelesen; und so feierten die Schwarz-Grünen die letzten zwanzig Minuten ausgelassen die Herbstmeisterschaft. Für eine kurze Schrecksekunde sorgte ein paar Minuten vor dem Abpfiff ein Spieler der Innsbrucker, als er bei einem Klärungsversuch einen kleinen Jungen, der mit seinen Eltern im unteren Bereich des Gästeanhangs stand, regelrecht abschoss... zum Glück ging es dem Kleinen nach dem Schlusspfiff schon wieder besser, und so durfte er sich nicht nur mit den Spielern vorm Gästeanhang feiern lassen, sondern bekam auch noch das Trikot des "Übeltäters". Während die Gruppen der Tivoli Nord ihr Material einpackten, wechselte ich noch ein paar Worte mit dem einen oder anderen Bekannten, ehe ich (nach dem Abmarsch der Gäste) noch einmal kurz die Kantine aufsuchte...
Mittwoch, 29. Oktober 2025
28. Oktober 2025 - FC Augsburg vs. VfL Bochum 0:1 (DFB-Pokal)
Nachdem sich der VfL während unseres Urlaubs in Apulien im Sportforum Hohenschönhausen nur mit Mühe gegen den BFC Dynamo durchsetzen konnte (1:3 nach Verlängerung; den Führungstreffer der Weinroten konnte Noah Loosli fünf Minuten vor Ende der regulären Spielzeit egalisieren), bescherte uns das Los für die zweite Runde ein Gastspiel beim FC Augsburg. Im Gegensatz zu den Jungs und Mädels, die sich aus dem Pott auf den Weg machten (Rückkehr in Bochum im Optimalfall in den frühen Morgenstunden), fand ich das Los durchaus attraktiv. Dies lag nicht nur an der kurzen Anreise, sondern auch an der Tatsache, dass wir bis dato fünf Gastspielen drei gewinnen konnten (zudem gab es ein Unentschieden, sowie die Niederlage in der letzten Saison), und sich die Augsburger darüber hinaus in einer sportlichen Talfahrt befanden.
Da die Bayern erst am heutigen Mittwoch beim 1. FC Köln um den Einzug ins Achtelfinale kämpfen, bescherte uns nicht nur zahlreiche Unterstützung durch die Gruppen der Südkurve, sondern mir auch eine überaus entspannte Anreise als Mitfahrer... 😉 An dieser Stelle vielen Dank an Tobi für den Hol- und Bringservice! Für etwas Spannung sorgte die Info einer bereits vor uns eingetroffenen Münchner Autobesatzung bezüglich Römische Augsburger Späher am vereinbarten Treffpunkt mit Ultras Bochum und dem Ruhrstadtkollektiv. Nach einigem Hin und Her sollte es dann noch einmal in Richtung Autobahn gehen, um von dort aus gesammelt mit den Ultras beider Vereine geschlossen den (ursprünglich anvisierten) Parkplatz in Stadionnähe anzusteuern. Von hier aus zogen wir dann geschlossen weiter in Richtung Gästeblock (natürlich nicht ohne die zu erwartende Begleitung diverser Staatsdiener). Hier wurde erst einmal der Rest der heute anwesenden Fantastic Supporters sowie etliche weitere Bekannte begrüßt, ehe es langsam aber sicher Zeit wurde, seinen Platz (etwas oberhalb der "jungen Wilden") einzunehmen. Während unsere Mannschaft von der ersten bis zur letzten Minute alles in die Waagschale warf, benötigte der Gästeblock ein paar Minuten, um auf Temperatur zu kommen. Danach war es aber ein solider Auftritt mit einigen Ausreißern nach oben; meine beiden persönlichen Highlights waren "Katherine, Katherine" (Wir träum'n vom Glanz der alten Tage...) und "Mein VfL" am Ende eines denkwürdigen Pokalabends, das wir dank Gerrit Holtmanns Treffer in der vierzigsten Minute durchaus verdient für uns entscheiden konnten. Der Traum von Berlin darf somit (nach zwei Erstrundenniederlagen in den vergangenen Spielzeiten) noch etwas weiter geträumt werden. Ach ja, das Ruhrstadtkollekiv zeigte noch ein Gedenkspruchband für die (vor rund zehn Jahren) verstorbenen Augsburger Ultras Max und Dani; nach dem bei unserem letzten Gastspiel von den Augsburgern im Gästeblock befestigten Spruchband für Tobi und Demski eine mehr als tolle Geste... Ultras sterben nie!
Nachdem die Feierlichkeiten im Gästeblock beendet und das Material wieder eingepackt war, machte sich unser Tross auf den Rückweg zu den Autos respektive Neunern; letztendlich sollte es bis zur Abfahrt dann noch ein wenig dauern... dafür ging es aber im Konvoi mit Blaulicht bis zur Autobahn.
Schuss, Tor, Hurra - wir holen den Pokal... 😊









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