Samstag, 12. Januar 2019

Oldschool... Städtisches Stadion Erding

Eigentlich wollte ich Euch die Bilder von diesem wunderbaren Oldschool Ground schon ewig zeigen - aber irgendwie hab ich's immer wieder vergessen...
Entstanden sind die Fotos bei meinem Besuch am 19. August 2018 - der FC Erding empfing am 6. Spieltag der Bezirksliga Oberbayern Nord den SV Manching. Das Spiel endete trotz unzähliger hundertprozentiger Chancen auf beiden Seiten torlos null zu null.

Freitag, 11. Januar 2019

2323 Kilometer - ein ganz normales Wochenende anno 2001

Unter weiter geht die Reise in die Vergangenheit! Heute blicke ich auf ein ganz normales Wochenende im November 2001 zurück. Nachdem ich am Freitag und Samstag in Bochum weilte, ging es am Sonntag noch schnell ins "gelobte Land" - aber lest selbst...

13. Spieltag 2. Bundesliga am 17.11.2001
Ruhrstadion Bochum
VfL Bochum vs. Arminia Bielefeld 0:0

Es war schon ein komisches Gefühl, als ich mich am Freitagabend ein letztes Mal mit meinem Corsamobil auf den Weg nach Bochum machte... Mein Gott, die unzähligen Kilometer, die wir auf unseren gemeinsamen Touren quer durch Europa bewältigt haben. All die Nächte, in denen ich auf deinen Sitzen mein Nachtlager aufgeschlagen habe. All dies bleibt mit Sicherheit unvergessen... Um kurz nach elf endete unser gemeinsamer Weg in Bochum-Gerthe… Nachdem ich mit Dani das Geschäftliche erledigt hatte... pass bloß gut auf meinen Kleinen auf... wurde erst mal das erste Dösken geleert, ehe wir... Cobi, Kai, Dani, Meike und ich... uns ans Fähnchenkleben für die morgige Choreographie machten... Obwohl wir uns redlich mühten, schafften wir in den nächsten fünf Stunden... in denen übrigens noch das eine oder andere Dösken geleert wurde... nur rund Hundertzwanzig der geplanten dreihundert blau-weißen Plastikfähnchen... Dank der tatkräftigen Mithilfe etlicher Damen und Herren aus dem Dunstkreis der Ultras Bochum, die sich am Samstagvormittag in den Räumlichkeiten des Fanprojekts eingefunden hatten, schafften wir es letztendlich doch noch, alle Fähnchen fertig zu stellen... Um kurz nach eins ging es dann gutgelaunt... und nicht mehr ganz nüchtern... weiter zum Ruhrstadion... Pünktlich zum Einlaufen der Mannschaften verwandelte sich die Ostkurve in ein Meer aus blau-weißen Fahnen. Zudem gab es einen überdimensionalen Doppelhalter, auf dem sich Darius Wosz mit Zepter und Umhang befand, und ein Transparent mit der Aufschrift "KNIET NIEDER VOR KÖNIG DARIUS IHR BAUERN". Eine passende Antwort auf die permanenten Pöbeleien der Ostwestfalen gegen unseren Kapitän... Die Stimmung am heutigen Nachmittag war weder bei den rund dreitausend mitgereisten Bielefeldern, noch bei uns in der Ostkurve sonderlich gut, was wohl nicht zuletzt am tristen Gebolze beider Mannschaften lag... Richtig laut wurde es eigentlich nur, wenn die Gäste mit dem allseits bekannten "Ostwestfalen Idioten..." bedacht wurden. Schade eigentlich... Letztendlich waren wohl die meisten der 13.244 Zuschauer froh, als der Schiedsrichter das Trauerspiel nach zweiundneunzig Minuten endlich beendete... Nach dem Spiel half ich noch ein wenig, unsere Utensilien aufzuräumen, ehe ich mittels Deutscher Bahn AG die knapp siebenstündige Heimreise antrat, während mein geliebtes Spaßmobil, das mir ja mittlerweile nicht mehr gehört, in Bochum blieb...

13. Spieltag Serie B am 18.11.2001
Stadio Alberto Braglia Modena
FC Modena vs. AC Reggina 3:1

Unmittelbar nach meiner Rückkehr aus Bochum trudelten auch schon Thorsten und Patrick, seines Zeichens Bayernfan aus Gammertingen ein. Nachdem sich die beiden noch ein wenig über meine Fotosammlung hergemacht hatten, hauten wir uns noch ein paar Minuten aufs Ohr... AUA... ehe wir gegen halb sechs in Richtung bella Italia starteten... Sechs Stunden später hatten wir unser erstes Etappenziel bereits erreicht. Vor dem Stadio Alberto Braglia trieben sich neben Polizia und Carabinieri, die gerade dabei waren, den Settore Ospiti weiträumig abzuriegeln, unzählige vermummte Modenesi, die die Gäste aus Süditalien wohl gebührend in Empfang nehmen wollten... Während Thorsten und Patrick sich alsbald auf die Haupttribüne des fünfzehntausend Zuschauer fassenden Stadio Alberto Braglia verzogen, machte ich noch schnell einen Abstecher in die Curva Nord, ehe ich es mir im Innenraum des Stadions bequem machte... Von wegen bequem... Da es mittlerweile wie aus Kübeln goss, war ich binnen kürzester Zeit patschnass... Während die Curva Nord zum Einlaufen der beiden Mannschaften lediglich ihre Schals, Doppelhalter und Schwenkfahnen präsentierten, hantierten die rund achthundert mitgereisten Gäste aus Kalabrien mit unzähligen roten, weißen und grünen Nebeltöpfen, sowie der einen oder anderen Bengale... Was beide Seiten in den folgenden neunzig Minuten supporttechnisch abzogen, konnte sich wahrlich sehen und hören lassen... Auf dem Spielfeld hatten die Gäste dem spielstarken Aufsteiger nur wenig entgegen zu setzen. Nach neunzig überaus unterhaltsamen Minuten konnten die Gastgeber weitere drei Punkte auf der Habenseite verbuchen... Kurz nach dem Schlusspfiff kehrten wir dem Stadio Alberto Braglia den Rücken, schließlich sollte in knapp vier Stunden das Derby zwischen Hellas und Chievo angepfiffen werden...

11. Spieltag Serie A am 18.11.2001
Stadio Marc Antonio Bentegodi Verona
Hellas Verona vs. Chievo Verona 3:2

Obwohl wir es recht ruhig angehen ließen, erreichten wir Verona rund eineinhalb Stunden später... Auf der Suche nach einem geeigneten Parkplatz wurden wir einmal mehr direkt hinter der Haupttribüne des Stadio Marc Antonio Bentegodi fündig... Während Thorsten und Patrick ihre bestellten Karten wenig später in Empfang nehmen konnten, war meine weit und breit nicht zu finden... Einfach umwerfend... Nachdem ich mir geschlagene fünfzig Minuten die Beine in den Bauch gestanden hatte, tauchte doch noch ein Offizieller mit meiner Karte auf. Wenig später machten wir es uns auf der Haupttribüne des WM-Stadions von 1990 bequem und harten der Dinge, die da kommen sollten... Letztendlich zog das erste Derby zwischen Hellas und Chievo in der Serie A rund fünfunddreißigtausend Zuschauer in seinen Bann. Unter ihnen gut und gerne achttausend Sympathisanten aus dem Stadtteil Chievo... Während die Curva Sud beide Mannschaften mit einer Schalparade und dem Spruchband "LA SQUADRA, LA STORIA, LA TRADIZIONE, HELLAS VERONA, ORGOGLIO E FEDELITA"... "DIE MANNSCHAFT, DIE GESCHICHTE, DIE TRADITION, HELLAS VERONA, STOLZ UND TREUE"... begrüßte, gab es seitens der North Side eine durchaus gelungene Choreographie, bestehend aus blauen und gelben Fähnchen, die eine überdimensionale Krone, auf der sich das Wappen von Chievo befand, umgaben. Des weiteren wurden unzählige blaue und gelbe Esel mit Flügeln mittels Seilen in Richtung Stadiondach gezogen. Hintergrund dieser Aktion war ein Spruchband der Curva Sud bei einem Derby in der Serie B vor einigen Jahren, auf dem man den Anhängern des Lokalrivalen mitteilte, dass der Esel, Wappentier von Chievo Verona, eher das Fliegen lernen würde, als dass Chievo in die Serie A aufsteigen würde... In den folgenden neunzig Minuten entwickelte sich ein munteres Spielchen, das die Gastgeber letztendlich mit drei zu zwei für sich entscheiden konnten, was deren Anhang gebührend zu feiern wusste. Überhaupt war die Stimmung auf beiden Seiten am heutigen Abend ganz ordentlich... Nach dem Schlusspfiff machten wir uns alsbald vom Acker, schließlich wollten wir nicht all zu lange im Abfahrtsstau stehen... Während der Sonntagsausflug nach bella Italia für mich um halb vier in Hebertshausen endete, mussten meine beiden Mitstreiter noch ein wenig durchhalten...

Sonntag, 6. Januar 2019

Tirol im August 2018...

Vor die Arbeit wieder ruft, noch schnell einen Blick zurück in den August des vergangenen Jahres - ursprünglich schaute die Tagesplanung für den 18. August 2018 wie folgt aus: 12:00 Uhr TSV Fulpmes Reserve vs. SV Fritzens Reserve, 15:00 FC Natters vs. SV Telfs, 17:00 FC Wacker Innsbruck vs. SKN Sankt Pölten und 19:15 FC Vomp Reserve vs. SV Weerberg Reserve... aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt... Aus unerfindlichen Gründen kam ich nicht wirklich in die Pötte - gemütlich nen Kaffee trinken auf dem Balkon, schnell noch ein zwei weitere Seiten in einem der unzähligen Fanzines... Letztendlich machte ich mich erst um kurz nach elf auf den Weg in Richtung Tirol, womit das erste Spiel des Tages nicht mehr im Bereich des Machbaren lag - na ja, in Fulpmes wird bestimmt noch öfter gespielt... 

3. Spieltag Tiroler Liga am 18.08.2018
Sportplatz Natters
FC Natters vs. SV Telfs 3:2

Da ich unterwegs noch einen kurzen Stopp am Walchensee eingelegt hatte, erreichte ich den Sportplatz Natters erst drei Minuten vor dem Anpfiff. Der Aufsteiger in die Tiroler Liga verfügt über eine kleine überdachte "Tribüne" auf einer der Geraden, sowie eine sehr individuelle "Sitzecke", auf der ich mich dann auch niederlies. In einem äußerst kampfbetonten Spiel konnten sich die Gastgeber knapp aber verdient mit drei zu zwei gegen den SV Telfs durchsetzen. Unmittelbar nach dem Schlusspfiff saß ich schon wieder im Auto, schließlich sollte das Spiel zwischen dem FC Wacker und dem SKN Sankt Pölten bereits vierzehn Minuten später angepfiffen werden...

4. Spieltag Bundesliga am 18.08.2018
Tivolistadion Innsbruck
FC Wacker Innsbruck vs. SKN Sankt Pölten 0:2

Letztendlich sollte es - dank Glück bei der Parkplatzsuche - eine Punktlandung werden. Exakt 4.321 Zuschauer hatten sich bei sommerlichen Temperaturen im Tivolstadion eingefunden. Während mich die gerade einmal zweiunddreißig Gäste rund um die Wolfbrigade nicht weiter verwunderten, war ich doch ob der nur spärlich gefüllten Nordtribüne doch ein wenig enttäuscht. Nach dem Aufstieg hatte ich ehrlich gesagt mit deutlich größerem Zulauf/Interesse gerechnet. Apropos Aufstieg - seit der Rückkehr in die Bundesliga hat man auf der Nord zwei Vorsängerpodeste im unteren Bereich installiert, um den Tifo künftig noch besser zu koordinieren... Stimmungstechnisch hat mir der Innsbrucker Anhang an jenem Samstag trotz (oder gerade aufgrund) der schwachen Resonanz durchaus begeistert, und das, obwohl die eigenen Mannschaft das Spiel trotz bester Chancen verlor - sehr zur Freude der mitgereisten Gäste... Nach dem Spiel wollte ich ja, wie eingangs erwähnt, sofort weiter nach Vomp, aber "leider" lief mir Mike hinter der Nord über den Weg. "Kimmscht no kurz mit zum Container?" - na ja, so wurde aus "dann halt (ausnahmsweise) nur eine Halbzeit" schnell "für a Halbzeit fahr i ned nach Vomp"... Dafür wurde in den nächsten zwei Stunden mit den anwesenden Bekannten (respektive nun neuen Bekannten) über Gott und die Welt geplaudert - doof nur, dass ich noch fahren musste...

Eine Woche zuvor weilte ich übrigens ebenfalls bei unseren Tiroler Nachbarn... Nachdem ich mit unserer Kleinen nachmittags auf dem Unterberghorn in Kössen weilte (puh, meine Oberschenkel waren zehn Tage nach dem Abstieg immer noch lädiert) - alternativ wäre auch ein Besuch beim FC Kössen möglich gewesen, aber irgendwie siegte das Gipfelfieber (und außerdem wollte ich ja zusammen mit Sebi die Kaiserwinkel Arena "kreuzen"), ging es am späten Nachmittag nach Münster, wo der SV Münster nicht nur auf den SV Langkampfen traf, sondern ich mich auch mit Sammy verabredet hatte. Der Sportplatz des SV Münster verfügt über eine durchwegs nette Tribüne - unten die Kabinen, oben Sitzplätze und Kantine... kann definitiv was"! Das Nachbarschaftsduell konnten die Münsteraner klar mit drei zu null für sich entscheiden; sehr zur Freude der heimischen Fans (die sehr irgendwie wie ein Abklatsch der Innsbrucker Nordtribüne wirkte). Nach dem Spiel ging es noch auf nen "Sprung" (na ja, letztendlich waren es fast drei Stunden - aber wenn die Mädels so schön miteinander spielen, können die Väter besten Gewissens über die "gute alte Zeit" plaudern) mit zu Sammy, ehe es via Achen- und Tegernsee wieder heimwärts ging...

Montag, 31. Dezember 2018

Mit einem Blick zurück in den Mai 2001 verabschiede ich mich aus dem Jahr 2018...

Zum Ende des - irgendwie durchwachsenen - Jahres werfe ich noch einmal einen Blick zurück... diesmal entführe ich Euch in den Mai 2001, der wohl den meisten Ultras, Fans und Sympathisanten des FC Bayern ewig in Erinnerung bleiben wird - ich sag nur Milano, San Siro, 23. Mai 2001! Ich hole jedoch etwas weiter aus, war doch damals einiges los in meinem Fußballkosmos...

34. Spieltag 1. Bundesliga am 19.05.2001
Ulrich-Haberland-Stadion... äh... BayArena Leverkusen
Bayer Leverkusen vs. VfL Bochum 1:0

Da es nach dem Gastspiel der Bochumer in Leverkusen mit dem Zug weiter nach Genova gehen sollte, wo am Sonntagnachmittag das Spitzenspiel der Serie B zwischen Sampdoria Genova und Venezia Mestra stattfinden sollte, machte ich mich bereits am Freitagabend mittels Deutscher Bahn AG auf den Weg nach Bochum... Als ich um kurz vor zwei am Bochumer Hauptbahnhof aus dem Inter City fiel... scheiß Alkohol... wurde ich bereits sehnsüchtig von einer Autobesatzung Ultras erwartet. Nachdem mir die Jungs offenbart hatten, dass bis dato keine einzige, der für das morgige Gastspiel in Leverkusen geplanten Plastikfähnchen fertig wäre, und wir darüber hinaus noch keine Räumlichkeiten... wie bereits erwähnt war es kurz vor zwei... hätten, um doch noch ein paar Fähnchen fertigzustellen. Letztendlich landeten wir um zwanzig nach drei in Ennos Bude... zuvor hatten wir Enno auf einer Studentenparty so lange genervt, bis er sich endlich bereit erklärt hatte, uns Unterschlupf zu gewähren... wo wir uns erst einmal ein Tässchen Bacardi Cola genehmigten, ehe wir uns endlich an die Arbeit machten... Um kurz nach acht verließen wir, völlig übermüdet und leicht verkatert, Ennos Bude mit rund vierhundert blauen und weißen Fähnchen im Gepäck... Nachdem wir im Stadtpark ein wenig Augenpflege betrieben hatten, zogen wir weiter in den Dorfbrunnen, wo sich nach und nach etliche Bekannte einfanden... Während die meisten Ultras den Weg nach Leverkusen erst um kurz nach eins mit dem Sonderzug antraten, machte ich mich bereits eine Stunde früher mit Fabian, der einmal mehr das ganze Material an Bord hatte, auf den Weg ins Rheinland... Obwohl die Eingangskontrollen zum Gästeblock einmal mehr ein wenig übertrieben waren... jeder zweite Bochumer musste seine Schuhe ausziehen... schafften es einige Herrschaften pyrotechnische Erzeugnisse mit ins Stadion zu nehmen... Zum Einlaufen der beiden Mannschaften siegen auf Leverkusener Seite schwarze, rote und weiße Luftballons 'gen Himmel. Des weiteren bahnten sich unzählige Wurfrollen den Weg in Richtung Spielfeld... Auf unserer Seite kamen die bereits erwähnten blauen und weißen Fähnchen, sowie die in den Block geschmuggelten pyrotechnischen Erzeugnisse zum Einsatz, was die sonst so übermotivierten Ordner nicht im geringsten tangierte... Während die Stimmung unter den zweitausend mitgereisten Bochumern über weite Strecken des Spiels mehr als ordentlich... bisweilen sogar genial... war, brachten die Leverkusener nicht sonderlich viel zu Stande... Leider vergaben unsere Herren Profis auch heute wieder viel zu viele Chancen, und so wurde es letztendlich nichts mit einem Punktgewinn im letzten Bundesligaspiel... Als auf der Anzeigetafel der Führungstreffer des Hamburger Sport Verein gegen die Bayern vermeldet wurde, herrschte im Gästeblock völlige Stille... Schalke Deutscher Meister - einfach grauenhaft... während der Jubel der restlichen zwanzigtausend Zuschauer im annähernd ausverkauften Ulrich-Haberland-Stadion... äh... der annähernd ausverkauften BayArena keine Grenzen kannte... Als wenig später der Ausgleich der Bayern in allerletzter Minute vermeldet wurde, pogte der Pöbel im Gästeblock übelst ab. Nicht etwa, weil die Bayern Meister geworden waren, sondern weil dem ach so geliebten Nachbarn aus Gelsenkirchen die schon sicher geglaubte Meisterschaft doch noch entrissen worden war... Nachdem wir uns bis um kurz vor sechs im Gästeblock herumgetrieben hatten, machten wir uns langsam auf den Weg zum Bahnhof Leverkusen-Mitte. Aufgrund der sommerlichen Temperaturen verspürte der eine oder andere Bochumer unterwegs Durst, woraufhin ein nahegelegener Kiosk überfallen... äh... aufgesucht wurde... Eine Stunde später verabschiedete ich mich in Köln von den Bochumer Zugfahrern, schließlich sollte es wenig später mit dem Zug via Karlsruhe, wo sich der Nürnberger Klaus zu mir gesellen wollte, und Basel nach bella Italia gehen...

35. Spieltag Serie B Italien am 20.05.2001
Stadio Luigi Ferraris Genova
US Sampdoria vs. Venezia Mestre FC 4:1

Leider klappte nicht alles wie geplant... Der Zug, für den ich mich entschieden hatte, bestand bis Karlsruhe nur aus Schlaf- und Liegewägen. Da diese erstens unbezahlbar waren... in meinem Geldbeutel herrschte bereits seit Wochen Ebbe... und zweitens sowieso restlos ausverkauft waren, blieb mir nichts anderes übrig, als einen späteren Zug zu nehmen, was zur Folge hatte, dass wir erst zwanzig Minuten vor Spielbeginn am Piazza Principe in Genova ankamen... Obwohl wir den Taxifahrer, der uns zum Stadio Luigi Ferraris bringen sollte, anspornten, sämtliche Verkehrsregeln zu missachten, erreichten wir unser Ziel erst sieben Minuten nach dem Anpfiff... Am Eingang zum Settore Ospiti wurden wir bereits sehnsüchtig von Tommaso erwartet, der sich freundlicherweise bereit erklärt hatte, uns Eintrittskarten zu organisieren... in Italien schließen die Kassenhäuschen meist unmittelbar nach Spielbeginn... Als wir uns wenig später zu den rund fünfhundert mitgereisten Arancioverdi gesellten, führten die Gastgeber bereits mit zwei zu null... Merda! Obwohl die Mannen aus der Lagunenstadt gegen die topmotivierten Genueser auf dem Spielfeld klar den Kürzeren zogen... womit der Kampf um den Aufstieg in die Serie A wieder spannend wurde... war die Stimmung im Settore Ospiti… sieht man einmal von den Vecchi Ultra ab, die Mitte der zweiten Halbzeit das Stadio Luigi Ferraris verließen... mehr als genial. Von den Gastgebern, die drei Wochen zuvor in Siena einen bleibenden Eindruck hinterließen, war ich mehr als enttäuscht, da es lediglich nach den vier Toren richtig laut wurde. Seit sich die Ultras Tito... die übrigens Besuch aus Marseille hatten... in den Oberrang der Curva Sud zurückgezogen haben, ist die Stimmung bei Heimspielen der Genueser eher mau... Nach dem Schlusspfiff mussten wir noch eine zwanzigminütige Blocksperre über uns ergehen lassen, ehe wir das Stadion endlich verlassen durften. Während sich Ultras Unione, Rude Fnas & Co. mit Bussen zum Bahnhof befördert wurden, trieben wir uns noch ein wenig rund ums Stadio Luigi Ferraris herum, ehe wir uns auf den Weg zum Hafen machten, schließlich wollte mein Begleiter, der bis dato noch nicht in Genova weilte, noch ein wenig Sightseeing betreiben. Um kurz vor sieben traten wir dann wieder die Heimreise an...

Finale Champions League am 23.05.2001
Stadio Guiseppe Meazza Milano
Bayern München vs. Valencia CF 6:5 n.E.

Am Dienstagnachmittag startete ich zusammen mit Nobber, Marco, Nils, Kathi, Sonja, Thomas und Bomber in Richtung Italien, wobei ich ein Kribbeln in der Magengegend nicht leugnen konnte... Um kurz nach acht hatten wir unser erstes Etappenziel, Bardolino am Lago di Garda erreicht. Nachdem wir unsere Zelte... nun ja, es war eigentlich nur ein Zelt, da Marco und ich es vorzogen, unter freiem Himmel zu schlafen, während Nils und Sonja im Kofferraum ihrer Familienkutsche nächtigen wollten... aufgebaut hatten, zog es uns ins Zentrum von Bardolino, wo wir zunächst unsere hungrigen Mägen in einer Pizzeria füllten, ehe wir den Abend bei einigen Cocktails in einer gemütlichen Gelateria am Ufer des Lago di Garda ausklingen ließen... Aus unerfindlichen Gründen erwachte ich am nächsten Morgen mit heftigen Kopfschmerzen... Nach ausgiebigem Frühstück und erquickender Dusche machten wir uns um kurz nach neun via Peschiera del Garda, wo wir vom Auto in den Zug umstiegen, auf den Weg nach Milano... Knapp zweieinhalb Stunden später saßen wir bereits beim Schotten... tja, wenn der Hamburger nur tausend Lire kostet... in unmittelbarer Nähe des Hauptbahnhofes. Anschließend zogen wir weiter in die Innenstadt... Nachdem wir das rege Treiben am Domplatz... wo die Spanier, die permanent Böller zündeten, klar in der Überzahl waren... ein wenig auf uns wirken gelassen hatten, zog es uns zunächst ins Innere des Mailänder Doms, ehe wir selben per pedes bestiegen... Weiter ging es durch die Galleria Vittoria Emanuele zur weltberühmten Mailänder Scala, bevor wir uns in einem überaus gemütlichen Cafe in einer Seitenstraße ein wenig erholten... Um kurz nach drei machten wir uns dann mittels Straßenbahn auf den Weg zum Stadio Guiseppe Meazza… Vor dem Stadion tummelten sich bereits unzählige Fans... und solche, die sich dafür halten... des deutschen Rekordmeisters. Die nächsten Stunden verbrachten wir in geselliger Runde, ehe wir uns vierzig Minuten vor Öffnung der Stadiontore vor diesen einfanden. Hier wurden wir Zeugen, wie zwei Italiener über die nicht gerade niedrige Stadionumzäunung kletterten. Tja, an derartige Szenen hab ich mich in bella Italie mittlerweile gewöhnt... Wenig später durften auch wir das schönste Stadion Europas betreten, jedoch erst nachdem die Ordner unsere Eintrittskarten genau unter die Lupe genommen hatten. Wie wir später erfuhren, waren trotz der aufwendigen Sicherheitsmerkmale täuschendechte Fälschungen im Umlauf... In der Curva Sud, die heute den Anhang der Münchner Bayern beheimatete, herrschte bereits eineinhalb Stunden vor dem Anpfiff überaus gute Stimmung... Stimmungsfördernd war übrigens der Auftritt der Spider Murphy Gang, was man von der Opernsängerin, die wenig später ihren großen Auftritt hatte, nicht sagen konnte... Zum Einlaufen der Spieler erstrahlte in der Curva Sud der Europapokal der Landesmeister, umrahmt vom heutigen Datum. Des weiteren prangte am Mittelrang ein riesiges Transparent, auf dem aller Welt mitgeteilt wurde, dass heute ein guter Tag wäre, um Geschichte zu schreiben... In der Curva Nord, in der sich die Spanier breit gemacht hatten, kamen lediglich orange Papptafeln, sowie zwei kleine Blockfahnen zum Einsatz... Wenig später hatten die Pyromanen beider Lager ihren ersten großen Auftritt. Alles in allem ein mehr als genialer Auftakt... Was sich in den folgenden Stunden im Stadio Guiseppe Meazza abspielte, ist nur schwer in Worte zu fassen... Bereits in der dritten Minute der erste Schock für die Bayern... Führungstreffer für Valencia dank eines unberechtigten Elfmeters... Der zweite Schock folgte vier Minuten später, als Canizares den von Mehmet Scholl geschossenen Elfmeter halten konnte... In der fünfzigsten Minute war die rot-weiße Fußballwelt wieder in Ordnung... Stefan Effenberg konnte per Elfmeter ausgleichen... Da keiner der beiden Mannschaften ein weiterer Treffer gelingen wollte... weder in der regulären Spielzeit, noch in der Verlängerung... musste letztendlich das Elfmeterschießen über Sieg oder Niederlage entscheiden. Der vierzehnte Elfmeter... bis dato hatten Paulo Sergio und Patrik Andersson, sowie zwei Spanier verschossen... brachte letztendlich die Entscheidung zugunsten der Münchner Bayern... Durchgeschwitzt und mit den Nerven völlig am Ende sackte ich Sekunden später in mich zusammen. Erst Minuten später nahm ich den Jubel um mich herum bewusst war... Während die rund dreißigtausend Münchner ihre Helden in der Folgezeit ausgiebig feierten, zogen die Spanier mit gesenkten Köpfen von dannen. Eine Stunde nach dem Schlusspfiff kehrten wir der Stätte des Triumphs langsam den Rücken... Mit der Metro machten wir uns dann auf den Weg nach Milano Lambrate, wo um kurz vor  vier unser Zug zurück nach Peschiera del Garda abfahren sollte. Gegen sechs waren wir letztendlich wieder am Campingplatz in Bardolino, wo wir alsbald ins Reich der Träume entschwanden...

Hinspiel Finale Coppa Italia am 24.05.2001
Stadio Ennio Tardini Parma
AC Parma vs. AC Fiorentina 0:1

Während sich Nobber, Kathi, Marco... der mich eigentlich nach Parma begleiten wollte, es sich dann aber doch anders überlegt hatte... Bomber und Thomas wenige Stunden nach unserer Rückkehr aus Milano bereits in Richtung Heimat verabschiedeten, nutzten Nils, Sonja und ich den Vormittag, um unsere völlig leeren Akkus wieder aufzufüllen... Um kurz nach zwei brachte mich Nils dann zum Bahnhof nach Peschiera del Garda, wo sich unsere Wege trennten... Knapp viereinhalb Stunden später stand ich bereits vor dem Stadio Ennio Tardini. Gut zwei Stunden vor dem Anpfiff war hier noch nicht sonderlich viel los. Lediglich Polizia und Carabinieri waren bereits eifrig damit beschäftig, den Gästeblock hermetisch abzuriegeln... Nachdem ich die bestellte Karte abgeholt hatte, verzog ich mich alsbald ins Innere des knapp dreißigtausend Zuschauer fassenden Stadio Ennio Tardini… Während die Parmigiani das Hinspiel im Finale des Coppa Italia sowohl in der Kurve... die Boys Parma präsentierten neben ihrer Blockfahne ein Transparent mit der Aufschrift "NOI CON LA VOCE - COI CON IL CUORE - VINCEREMO"... "WIR MIT DER STIMME - IHR MIT DEM HERZEN - DANN GEWINNEN WIR"... als auch auf der Gegengeraden... neben blauen und gelben Folien hantierten die Parma Clubs mit einer Italienfahne auf der sich das Wort "VITTORIA"... "SIEG" befand... mit einer durchaus sehenswerten Aktion einläuteten, gab es seitens der rund fünftausend Gäste lediglich eine Schalparade. Die Jungs und Mädels aus der Toskana schienen mal wieder... oder noch immer... zu streiken, da sie ihre Zaunfahnen... bis auf eine Ausnahme... nicht mit nach Parma genommen hatten. Obwohl sich beide Mannschaften nicht gerade ein Bein ausrissen, war die Stimmung unter den knapp zwanzigtausend Zuschauern ganz ordentlich... Als ich mich bereits mit einem torlosten Unentschieden abgefunden hatte, gelang den Gästen in der Nachspielzeit doch noch der vielumjubelte Siegtreffer... Nach dem Schlusspfiff statte ich den Boys Parma... die sich gerade mit Bengalen und Steinen für die dritte Halbzeit eindeckten... noch einen kurzen Besuch ab, ehe ich mich per pedes auf den Weg zum Bahnhof machte... Hier durfte ich dann live miterleben, wie die Gäste von den Carabinieri in den bereitstehenden Sonderzug getrieben... äh... geprügelt wurden. Als Dankeschön flogen den Staatsdienern bei der Abfahrt des Zuges diverse Wurfgeschosse um die Ohren... Da ich die nächsten zwei Tage bei meinen Eltern, die mal wieder in der Nähe von Ravenna Urlaub machten, verbringen wollte, diese mich aber erst am nächsten Morgen vom Bahnhof in Cervia… etwa dreißig Kilometer südlich von Ravenna... abholen wollten, hatte ich das zweifelhafte Vergnügen, mir die Nacht in überfüllten Zügen um die Ohren zu schlagen...

36. Spieltag Serie B Italien am 27.05.2001
Stadio Pierluigi Penzo Venezia
Venezia Mestre FC vs. Chievo Verona 2:1

Um kurz nach sieben kutschierte mich mein alter Herr zum Bahnhof nach Cervia… wie bereits erwähnt, hatte ich den Freitag und Samstag zusammen mit meinen Eltern verbracht... Mit dem Zug ging es weiter nach Venedig. Da ich in Modena meinen Anschlusszug knapp verpasste, erreichte ich die Lagunenstadt erst um kurz vor zwei... Da das nächste Schiff nach S. Elena erst zehn Minuten später abfahren sollte, machte ich mich per pedes auf den Weg zum Stadio Pierluigi Penzo… Fünf Minuten vor dem Anpfiff passierte ich letztendlich die Stadiontore… Zum Einlaufen der beiden Mannschaften präsentierten die Ultra Unione, die auch heute wieder von ihren Gemellati aus Modena und Wien unterstützt wurden, zwei Schwenkfahnen, ein paar Doppelhalter und die eine oder andere Bengale, sowie ein Transparent mit der Aufschrift "ALL ASSALTO FINO ALL VITTORIA", was sinngemäß "KÄMPFT BIS ZUM SCHLUSS" heißt, während die Gäste aus Verona mit blauen und gelben Rauchfackeln hantierten... Knapp neuntausend Zuschauer sahen in den folgenden neunzig Minuten ein kampfbetontes Spiel, das die Gastgeber letztendlich für sich entscheiden konnten... Während die Arancioverdi den Sieg gegen den Tabellenführer ausgiebig feierten, machte ich mich alsbald auf den Weg zum Bahnhof...

32. Spieltag Serie A Italien am 27.05.2001
Stadio Mario Rigamonti Brescia
Brescia Calcio vs. Vicenza Calcio 2:1

Weiter ging es nach Brescia, wo um halb neun das zweite Spiel des Tages angepfiffen werden sollte. Da ich in Brescia geschlagene zwanzig Minuten auf ein Taxi warten musste, erreichte ich das Stadio Mario Rigamonti erst eine viertel Stunde nach dem Anpfiff... Während die Bresciani ihre Mannschaft bedingungslos nach vorne trieben, war von knapp vierhundert Gästen aus Vicenza nicht sonderlich viel zu hören… Als die Spieler das Spielfeld nach dem Seitenwechsel wieder betraten, versank die Curva Nord in einem Meer aus Wunderkerzen, während die Vecchio CUCN auf der Gegengerade mit Schwenkfahnen, Doppelhaltern und Bengalen hantierten... Spätestens nach dem zweiten Treffer der Gastgeber kannte der Jubel im Stadio Mario Rigamonti keine Grenzen mehr, schließlich war der Klassenerhalt nun zum Greifen nahe... Mehr als der Anschlusstreffer sollte den Gästen aus Vicenza an diesem Abend nicht mehr gelingen, womit der Sturz in die Serie B nur noch schwer abzuwenden ist... Unmittelbar nach dem Schlusspfiff kehrte ich dem bunten Treiben den Rücken, schließlich hatte ich bis zur Abfahrt meines Zuges nur noch eine knappe Stunde Zeit... Da ich rund ums Stadio Mario Rigamonti kein Taxi auftreiben konnte, blieb mir nichts anderes übrig, als die Beine in die Hand zu nehmen, und die nicht gerade kurze Strecke zum Bahnhof per pedes zu bestreiten. Letztendlich erreichte ich den Bahnhof drei Minuten vor der Abfahrt meines Zuges... Nicht auszudenken, was gewesen wäre, wenn ich den Zug verpasst hätte...

Wenn ihr Euch auch noch die letzten beiden Saisonspiele der Fioi (so der Spitzname des Venezia Mestre FC), in denen sie die Rückkehr in die Serie A perfekt machten, eine Vorstellung der inzwischen leider aufgelösten Vigilantes Vicenza, sowie unzählige weitere Spiele aus dem Mutterland der Ultras (vom VfL Bochum und den Münchner Bayern ganz zu schweigen) zu Gemüte führen wollte, dem lege ich den dritten Teil des (PF)LÄSTERSTEIN-Sammelbandes ans Herz, der für den Frühjahr 2019 geplant ist. Zudem soll es noch das eine oder andere "Gedruckte" aus dem Hause (PF)LÄSTERSTEIN im kommenden Jahr geben...
Jetzt wünsche ich Euch aber erst mal einen guten Rutsch und einen guten Start ins neue Jahr!

Solltet Ihr auf Geschichten und Bilder aus längst vergangenen Zeiten stehen, kann ich Euch die letzten Exemplare der zweiten Auflage meines Bildbandes "MOMENTAUFNAHMEN - ZWÖLF JAHRE "ANALOG" UNTERWEGS" wärmstens empfehlen!
Hier findet Ihr noch einmal alle Infos zum Bildband:

Samstag, 29. Dezember 2018

27. November 2018 - FC Bayern vs. Benfica Lissabon 5:1 (Champions League)

So, heute noch einen kleinen Nachtrag zur Champions League Gruppenphase der Bayern - damit wenigstens die Heimspielberichterstattung hier komplett ist...
Als unmittelbar nach der Auslosung der Gruppen die WhatsApp-Chats heiß liefen, kristallisierte sich schnell heraus, dass die meisten meiner Freunde Benfica als den "unattraktivste" Gegner einschätzen. Ich persönlich habe guter Erinnerungen an das Gastspiel des sechsunddreißigfachen portugiesischen Meister und zweimaligen Gewinner des Europapokals der Landesmeister  im November 1995 im  alt-ehrwürdigen Münchner Olympiastadion. Von der Haupttribüne (ich sag nur Eine-Mark-Ordner!) aus wurden wir Zeugen, wie die No Name Boys (damals mit Sicherheit eine der ganz großen Nummern in Europa) eine kleine aber feine Pyroshow boten, bei der jedoch auch eine ihrer Zaunfahnen in Mitleidenschaft gezogen wurde. Die Südkurve zeigte sich an jenem nasskalten Abend - mal abgesehen vom Haufen Supportwilliger, der sich damals im unteren Teil des Block "S" in der Südkurve breitmachte - nicht gerade von ihrer besten Seite, und das obwohl die Roten die Gäste klar mit vier zu eins abfertigten. Skurril waren die "zieht den Bayern die Lederhosen aus"-Gesänge im Gästeblock zu Beginn des Spiels - auch die rund hundert mitgereisten No Name Boys schauten sich irritiert um (tja, augenscheinlich tummeln sich in der bayrischen Landeshauptstadt zahlreiche Portugiesen)… Das Rückspiel in Lissabon (die Bayern gewannen übrigens erneut - eins zu drei hieß es nach neunzig Minuten) nutzte die Bayernszene, um ihrerseits ordentlich mit Fackeln zu hantieren. Unvergessen bleibt in diesem Zusammenhang ein gewisser Herr Hoeneß, der mit hochrotem Kopf und wild gestikulierend vor dem Gästeblock aufmarschiert ist...
Jetzt aber zurück zum hier und jetzt (na ja, besser gesagt zurück in den November) - No Name Boys (mit erschreckend wenigen Leuten) und Diabos Vermelhos standen mit gehörigem Abstand voneinander im optisch gut gefüllten Gästeblock (wobei sich die Mitmachquote definitiv nur auf die Mitglieder beider Gruppen beschränkte - diese hatten jeweils zwei große Zaunfahnen, jeweils der der eigentlichen Gruppenfahne nachempfunden im Gepäck... NN: E PLURIBUS UNUM - DV:SPORT LISBOA E BENFICA), was für die Stimmung beileibe nicht förderlich war. Na ja, viel Grund zur Freude hatten die Jungs und Mädels an jenem Abend eh nicht, ging ihre Mannschaft gegen die krisengeschüttelten Bayern mit eins zu fünf unter. Ausgelassene Stimmung in der Südkurve und (Wunder oh Wunder) auch in weiten Teilen der Arena... Klassiker des Tages zweifelsohne Jürgen Drews Song "Wieder alles im Griff"! - wieder alles im Griff, auf dem sinkenden Schiff. Keine Panik auf der Titanic. Land in Sicht, wir sterben nicht... ;-)

Aus der Kiste der Erinnerung... zwei Tage bella Italia!

So um die Weihnachtstage schwelgt man eh des Öfteren in Erinnerungen... ich weiß nicht warum, aber heute morgen geisterte aus unerfindlichen Gründen die Tour mit zwei Dachauer Freunden zum Champions League Spiel des ASV Dachau (Volleyball) bei Sisley Treviso in meinem Kopf umher. Jetzt - am Nachmittag - sitze ich hier, nachdem ich mal wieder meine alten Hefte durchforstet habe, und tippe Euch meinen damaligen Bericht ab...

4. Spieltag Volleyball Champions League am 05.02.1997
Palaverde Treviso
Sisley Treviso vs. ASV Dachau 3:0

Ursprünglich sollte uns diese Tour zum Champions League Spiel des ASV nach Treviso, sowie zum Freundschaftsspiel der Bayern in Bologna führen. Doch leider machte uns der italienische Verband einen Strich durch die Rechnung, musste Bologna an eben diesem Tag das, zwei Wochen zuvor ausgefallene Pokalspiel in Vicenza nachholen. Die Verantwortlichen der Bayern vereinbarten daraufhin ein Freundschaftsspiel am Dienstag in Perugia, was sich aber mit dem Spiel der Dachauer überschnitt. Nach kurzen Diskussionen entschlossen wir uns für das überaus wichtige Spiel des ASV und gegen eine gehörige Portion Spaß beim Spiel der Bayern in Perugia... Nicht nur, dass man Bonsai am Dachauer Bahnhof traf, nein, über zwanzig Bayernsupporter gaben uns auf dem Weg über den Brenner Geleitschutz, befanden sie sich doch auf dem Weg nach Umbrien. Logische FOlge war natürlich ein ziemlich feucht-fröhlicher Abend, der dermaßen ausartete, dass ich mich genötigt fühlte, mein Abendessen auf Herrn Freynicks Füße zu verteilen. Halb tot verabschiedeten wir uns in Verona von den Anderen, da wir von hier aus über Castelfranco, wo wir in einen Bummelzug umsteigen mussten, weiter nach Treviso fuhren. Um kurz nach neun hatten wir unser Ziel erreicht. Nun hieß es erst mal Geld wechseln, ehe wir uns nach dem Weg zur Halle erkundigten, um dort eventuell unsere Spieler zu treffen. Leider wurde daraus nichts, da an der Halle alles abgesperrt war. So ging es zurück in die echt wunderschöne City, wo man vor einer Mädchenschule (So ein Zufall aber auch! - der Tipper) erst einmal ein herrliches Frühstück , bestehend aus Semmeln, Dosenwurst und Bacardi Cola, zu sich nahm. In der Touristeninformation holten wir uns die Adresse eines echt günstigen Hotels nahe des Palaverde, bevor wir uns auf die Suche nach einer Pizzeria machten. Nachdem wir die eine oder andere Mafiatorte geschlachtet hatten, machten wir uns auf den Weg zu unserem Hotel, wo noch ein paar Minuten Augenpflege betrieben wurde, ehe es frischen Mutes zur Halle ging. Dort trafen wir bereits auf die ersten Dachauer, die per Bus angereist waren. Während die Anderen noch auf ihre Karten warteten, verschafften wir uns auf die übliche Weise Zutritt ins knapp fünftausend Zuschauer fassende Palaverde, das einen echt guten Eindruck hinterließ. Zum Anpfiff waren dann enttäuschende achthundert Leute in der Halle, darunter gut und gerne sechzig Dachauer, die heute für gute Stimmung sorgten. Auf Seiten der Gastgeber waren die zweihundertfünfzig, meist weiblichen "Supporter Orogranata" ununterbrochen am Singen, was echt gut rüberkam. Nicht vorzustellen, was hier los ist, wenn der Hassgegner aus Modena zu Gast ist... Unsere Halbgötter hatten heute aber nicht den Hauch einer Chance, und wurden in etwas mehr als einer Stunde gradewegs demontiert, was vor allem einem gewissen Herrn Freynick so auf die Nieren schlug, dass er sein Heil im Alkohol suchte. Nach dem Spiel sah man besagten Herrn, tiefdeprimiert und halb im Delirium, mit einer Sitzschale vor der Halle stehen, was einfach der Kult war. Ehe uns Bruno zum Hotel kutschierte, laberte man noch ein bisschen mit den Spielern (an dieser Stelle sei erwähnt, dass die damalige Mannschaft des ASV Dachau größtenteils aus Amateuren bestand, die nach den Spielen ausnahmslos noch mit den Treusten der Treuen auf ein oder zwei Bier im Vereinsheim saßen), während unsere Made versuchte, des Trainers Tochter mit dummen Sprüchen anzumachen, was dieser aber nicht zuzusagen schien. Wie komisch! Endlich zurück im Hotel beschloss "das am Boden zerstörte Etwas" sich im Bett abzulegen, aber nicht ohne, in Shorts und mit Pogon Stettin T-Shirt auf dem Balkon stehend, einer Nutte gute Nacht (!?!) zu sagen. Wie beiden Anderen ließen den Abend gemütlich bei nem Bierchen in der Hotelbar ausklingen, ehe uns der Sandmann auch ins Reich der Träume beförderte...
Hinspiel Halbfinale Coppa Italia am 06.02.1997
Stadui Romeo Menti Vicenza
Vicenza Calcio vs. Bologna FC 1:0

Irgendwann öffnete auch ich meine Äuglein wieder, und musste feststellen, dass die Anderen bereits voll auf der Höhe des Geschehens waren. Schnell raus aus den Federn und rein ins Bad, wo man dank einer eiskalten Dusche den Körper wieder in Schwung brachte. Dass dabei das halbe Zimmer unter Wasser gesetzt wurde liegt einzig und allein an der Dummheit des Installateurs, der anscheinend einen Knick in der Optik hatte... Aber halt, was hat das eigentlich noch mit Fußball zu tun? In der Innenstadt gönnten wir uns noch ein gepflegtes Frühstück und erfreuten uns an den weiblichen Schönheiten Trevisos, ehe es mit dem Zug nach Vicenza ging. Da wir unser Ziel erst nachmittags erreichten, hatten wir ein Problem bezüglich der Nahrungsaufnahme, hatten doch alle Pinten bereits dicht gemacht. So musste der italienische Bruder des Schotten herhalten, bevor wir uns, nach einem längeren Stadtbummel, auf den Weg zum Stadio Romeo Menti machten, das etwas außerhalb des Zentrums liegt. Hier traf man bereits auf die ersten Münchner, die sich dieses Spiel auch nicht entgehen lassen wollten. Im Stadioncafe, das sich unterhalb der Gegengerade befindet, machten wir es uns bequem, schließlich waren es noch etliche Stunden bis zum Kick Off. Irgendwann trafen dann auch die Sauerländer Jens & Pia-Maria ein, mit denen man sich gut unterhielt Während sich der Rest in die Kurven verzog begaben wir uns auf die Pressetribüne. Zu Beginn des Spiels zogen die "Vigilantes" eine geniale Show ab. So brannten am Zaun etliche Feuerwerkskörper, dazu präsentierten einige Ultras auf dem Spielfeld vor der Kurve ein riesiges Spruchband. Die rund tausendzweihundert Ultras aus Bologna hantierten mit einigen Bengalen, die irgendwann einfach auf den Platz flogen, Was das in Deutschland wohl für Folgen hätte? Das Spiel war dann typisch für Italien, so dass man mit einem eins-zu-null-Sieg für die Hausherren überaus zufrieden sein konnte. Einfach edel war der Support des Heimpublikums, das von der ersten bis zur letzten Minute am Pogen war. Da es sich bei diesem Match erst um das Hinspiel handelte, fiel heute keine Entscheidung, was dem Ganzen noch die Krönung gegeben hätte (bisweilen war mein Schreibstil damals schon ein bisschen wirr). Um nach dem Spiel zum zuvor vereinbarten Treffpunkt zu gelangen, mussten wir einen großen Umweg durch einige Seitenstraßen machen, hatten die Carabibieri den Bereich hinter der Gästekurve weiträumig abgesperrt, was wohl eine Reaktion auf das letzte Aufeinandertreffen beider Teams war, bei dem die Ultras aus Bologna übelst in der Innenstadt gewütet hatten. Wir wurden dann Zeuge, mit welcher Brutalität die italienischen Cops vorgehen, knüppelten sie doch die Busfahrer regelrecht in die Busse. Anschließend trieb man uns noch in ein Hotel, um uns vor den Zugfahrern, bei denen man einige üble Gestalten (mit der einen oder anderen dieser "Gestalten" hab ich inzwischen bestimmt schon mal ein Birra im "A Skeggia", in der Curva Andrea Costa oder sonstwo getrunken) ausmachen konnte, zu schützen. Jens brachte uns anschließend noch zum Bahnhof, so dass wir unseren Zug nach Verona ohne jegliche Sprinteinlage erreichten. Um kurz vor sieben war man dann endlich wider in München, wo man beschloss, zum Abschluss einer überaus gelungenen Tour, in Dachau noch gepflegt frühstücken zu gehen.

Freitag, 28. Dezember 2018

Rezension:SOGENANNTE FANS - Die Chronik zu 18 Jahren Ultras Dynamo

18 Jahre Ultras Dynamo, das sind 18 Jahre Geschichten und unvergessliche Momente. Einige dieser Momente haben wir nun versucht zu ordnen, zu bündeln und daraus ein Buch entstehen zu lassen um diese Eindrücke festzuhalten. Für uns selbst, aber auch für jeden anderen Dynamo-Fan. Entstanden ist ein hochwertiger Bildband mit insgesamt 652 Seiten und über 800 Bildern. Dazu gibt es zahlreiche Geschichten zu 18 Saisons und viele Anekdoten zu Themen, die die Gruppe bewegten.
Soweit die Ultras Dynamo zu ihrem Bildband. Ich muss schon sagen, der Wälzer ist aller Ehren wert - gerade die vielen Fotos aus den Anfangsjahren der Gruppe sind echt der Hammer. Wahnsinn, wie sich die Dresdner Szene im Allgemeinen und die Ultras Dynamo im Besonderen entwickelt haben. Neben unzähligen Fotos - mir als Nicht-Dresdener fehlen hier definitiv die Spielpaarungen als Bildunterschriften - gibt es zu jeder Spielzeit ein paar einleitende Wort (die Entwicklung der Gruppe spielt hier die zentrale Rolle), sowie Informationen zu dem einen oder anderen Thema, das Ultras Dynamo bewegt (hat). Zudem wird sowohl den Rivalen (Halle, Chemnitz, Magdeburg, Lok Leipzig, Aue und Rostock) als auch den Freunden (Zwickau und Sarajevo) respektive ehemaligen Freunden (Katowice und Gera) Platz eingeräumt. Natürlich dürfen Streetartfotos ebensowenig fehlen, wie das eine oder andere Mobfoto. Einen bitteren Beigeschmack für mich hat natürlich die Rubrik "Fanclub Diebische Elster" - tja, auch heute schmerzt der Verlust unserer ersten und wichtigsten Fahne immens! Dennoch kann ich das Buch jedem, der sich mit Fan-/Ultrakultur (auch nur im Entfernten)beschäftigt wärmstens empfehlen - für diejenigen, die noch "ohne" sind, kann ich nur hoffen, dass es eine zweite Auflage des Mammutwerkes gibt...
SOGENANNTE FANS - DIE CHRONIK ZU 18 JAHREN ULTRAS DYNAMO
Herausgeber: Forza Dynamo e.V.
Seiten: 652 - farbig
Preis: 39,90 Euro