Nach der "notte magica" von Bergamo, in der unsere Münchner Freunde wohl einen der besten Auftritte ihrer Mannschaft bejubeln durften, sollte im Rückspiel gegen die "Dea" wohl nichts mehr anbrennen. Dennoch machte ich mich voller Vorfreude zusammen mit den Jungs von der Dachau auf den Weg in Richtung Fröttmaning (von wo aus wir dank des erneuten Streiks im öffentlichen Nahverkehr das zweite Mal in diesem Jahr zum Stadion laufen durften), was wohl nicht zuletzt an den (trotz Debakel im Hinspiel) zahlreich mitgereisten Gästen aus der Lombardei lag. Zum ersten Mal sollte die sagenumwogene Curva Nord (wobei ja seit dem Jahr 2006 mit Forever Atalanta auch eine Ultrágruppe in der Curva Sud beheimatet ist) "ihre Zelte" in München aufschlagen.
Gruppen wie die legendäre Brigate Neroazzurre, Wild Kaos und Nomadi zogen mich bereits Mitte der 1990er in ihren Bann (ich erinnere mich noch heute an mein erstes Spiel im alt-ehrwürdigen Stadio Atleti Azzuri d'Italia, das nach seiner Eröffnung 1928 übrigens mit Mario Brumana den Namen eines italienischen Faschisten trug, ehe es nach dem zweiten Weltkrieg in Stadio Comunale umbenannt wurde; zu Gast war am 9. März 1997 mit Sampdoria Genua ein weiteres Schwergewicht der italienisch Ultrábewegung - eröffnet wurde das Spiel mit einer farbenfrohen Pyroshow in der Mitte der Curva Nord, zu Beginn der zweiten Halbzeit verschwand selbige unter einer riesigen schwarz-blau-gestreiften Blockfahne. Die 1.500 mitgereisten Gäste rund um die Ultras Tito Cucchiaroni hatten "nur" ihre schon damals charakteristischen Schwenkfahnen im Gepäck. Am meisten blieb mir jedoch der mehr als geniale Tifo beider Kurven in Erinnerung; seinerzeit war das für uns Ultras der ersten Generation für die eigene Kurve ein schier unerreichbar scheinender Wunschtraum!). Seit dieser Zeit verfolge ich (nicht nur) die Geschichte der Ultras von Atalanta Bergamo... die Auflösung des WKA und der BNA Anfang der 2000er, der Zusammenschluss aller Ultras unter dem Namen "Curva Nord Bergamo 1907" (federführend war hier zweifelsohne ein gewisser Claudio "Bocia" Galimberti - an dieser Stelle möchte ich Euch allen den Dokumentarfilm "A guardia di una fede" ans Herz legen, wobei ich vermute, dass die meisten Leser diesen bestimmt schon gesehen haben - aufgewaschen mit beziehungsweise in der BNA, später Gründer der Nuova Guardia - die jedoch nicht lange "überleben" sollte - und 1998 der Atalanta Supporters, die sich später in besagte Curva Nord Bergamo 1907 umbenennen sollte) bis hin zu deren Ende im Jahr 2021 (als Hauptgrund wurde in einem letzten Comunicato die schier unglaubliche Repressionswelle, der man sich über Jahre konfrontiert sah, genannt). Inzwischen haben sich mit Millenovecentosette (entstanden aus einem losen Zusammenschluss, der bereits zuvor unter dem Motto "Per chi non piò esserici" (Für diejenigen, die nicht dabei sein können), Ultras Tanto Torno und der Vecchia Guardia neue Gruppen in der Curva Nord etabliert. Im Süden hat neben der bereits angesprochenen Gruppe Forever Atalanta (gegründet von ehemaligen Mitgliedern der BNA) auch noch Agitati Bergamo (hauptsächlich bestehend aus ehemaligen Mitgliedern des WKA) eine neue Heimat gefunden.
Genug der Exkursion und zurück zum Achtelfinalrückspiel der diesjährigen Champions League. Konnte man die mitgereisten Bergamaschi vor dem Spiel noch das ein oder andere Mal im Herzen der Südkurve vernehmen, so war spätestens mit Spielbeginn nichts mehr von den Schwarz-Blauen zu vernehmen, sangen sich unsere Freunde doch gerade in den ersten fünfundzwanzig Minuten (beginnend mit dem Europapokalklassiker "Ich hab geträumt von dir") in einen wahren Rausch; ja Leute, dass hat gescheppert und wirklich richtig Bock gemacht. Leider war nach dem ersten Eingreifen des VAR (wann wird dieser Stimmungskiller, von dem man inzwischen ja hinlänglich weiß, dass er auch nicht für mehr Gerechtigkeit auf dem Spielfeld sorgt, endlich wieder abgeschafft?) ein deutlicher Abfall spürbar. Zwar konnte nach dem Seitenwechsel (die Ultras der Göttin hatten nach einem Schlagabtausch mit dem USK - zuvor soll es wohl schon zu "Unstimmigkeiten" untereinander gekommen sein - teils den Block verlassen) der Stimmungspegel wieder gesteigert werden, an die Anfangsphase sollte man jedoch nicht mehr herankommen. Richtig laut wurde es erst nach dem Schlusspfiff, als man die Mannschaft schon einmal auf den kommenden Gegner einstimmte... Madrid, Madrid, wir scheißen auf Madrid! Ring frei für die Runde der letzten acht... 😉
Montag, 23. März 2026
18. März 2026 - Bayern München vs. Atalanta Bergamo 4:1
(die Fotos stammen diesmal aus den Weiten des WWW)
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