Mittwoch, 15. April 2020

Trainingslager des VfL Bochum in Seefeld (und ein bissl mehr) - Sommer 1998

Nachdem es gerade aus Bochum überaus positives Feedback über die "jüngste Zeitreise" gegeben hatte, lege ich heute noch einmal nach... Die Reise führt uns diesmal in den Sommer des Jahres 1998; der VfL bereitete sich in Seefeld auf die Saison 1998/1999 vor - klar, dass wir Fantastic Supporters (zumindest bei den Spielen) nicht fehlen durften...

Nachdem es den VfL Bochum in den letzten Jahren zur Vorbereitung ins Saarland gezogen hatten, entschied man sich in diesem Sommer für ein Trainingslager im österreichischen Seefeld... Leider schaffte ich es nicht, meinen Brötchengeber davon zu überzeugen, dass ich drei Wochen Urlaub bräuchte, und so musste ich halt zu den Spielen in der ersten Woche jeweils von Dachau aus anreisen. Nach kurzem Überlegen entschlossen sich die Herrschaften Knispel und Schlune, sich bei mir breit zu machen... Da ich ja bekanntlich in den ersten Tagen nicht besonders viel Zeit hatte, erklärte sich Andrea bereit, sich um die beiden Bochumer zu kümmern. So trieben sich die drei am Mittwoch in und um München herum, ehe wir uns um halb sechs in Forstenried trafen, schließlich stand heute der erste Tag des Gurgetal-Cup in Imst auf dem Programm...

1. Tag Gurgltal-Cup am 15.07.98
Stadion des SC Sparkasse Obi Gurgltalstadion Imst
FC Banik Ostrava vs FC Tirol Innsbruck 2:2
VfL Bochum vs. Galatasaray Istanbul 2:2

Da sowohl auf der Autobahn als auch in Garmisch überraschend wenig los war, schafften wir es, kurz nach der Halbzeit des ersten Spiels im Stadion des SC Sparkasse Obi Imst einzutreffen. Weil wir keine Lust hatten, dem geldgierigen Ausrichter unser hart verdientes Geld in den Rachen zu werfen, griffen wir einmal mehr in die Trickkiste. Positiv überrascht war ich vom neuerbauten Stadion, das eine überdachte Haupttribüne, sowie Stahlrohrtribünen auf Gegengerade und hinter einen Tor vorweisen kann. Enttäuscht war ich hingegen von den Verrückten Köpfen, die sich trotz der geringen Entfernung nicht blicken ließen. So verbrachte man zusammen mit den restlichen zehn Bochumern die Zeit bis zum zweiten Spiel am Bier-, respektive Dönerstand... Beachtliche 3.600 Zuschauer fanden sich letztendlich ein, wovon die meisten wohl türkischer Abstammung waren. Erstaunlicherweise schafften wir es, uns ab und an gegen diese Übermacht durchzusetzen, was jedoch ziemlich auf unsere Stimmbänder schlug. Unsere Herren Profis sicherten sich mit einer ansprechenden Leistung noch alle Chancen auf den Turniersieg, da auch das andere Spiel unentschieden endete. Nach dem Schlusspfiff machten wir uns sofort auf den Heimweg, schließlich musste ich ja am nächsten Morgen wieder früh aus den Federn...

________________________________________________________

2. Tag Gurgltal-Cup am 17.07.98
Stadion des SC Sparkasse Obi Gurgltalstadion Imst
VfL Bochum vs. FC Banik Ostrava 2:4
FC Tirol Innsbruck vs. Galatasaray Istanbul 1:2

Während ich mich am Donnerstag in der Arbeit herumärgen durfte, statteten die beiden Ruhrpottler zusammen mit Andrea und Netty dem Märchenschloss König Ludwigs II. in Neuschwanstein einen Besuch ab. Den Abend schlugen wir uns dann zusammen mit Made um die Ohren. Kein Wunder, dass ich am nächsten Morgen mit ziemlich heftigen Kopfschmerzen aufwachte... Mehr schlecht als recht saß ich meine letzten sechs Stunden (zumindest für die nächsten zwei Wochen) bei meinem Brötchengeber ab, ehe es endlich wieder nach Österreich gehen konnte. Für meine bessere Hälfte, der leider überraschend ein Termin dazwischenkam, sprang kurzerhand unsere allseits beliebte Made als vierter Mann ein... Bis Garmisch verlief alles nach Plan, sieht man mal vom Stau vor Farchant ab, doch dann meinte irgend ein Bauer, er müsse seine Kühe quer durch den Ort treiben. Unsere Reaktionen könnt ihr euch sicher denken, schließlich war die Zeit bis zum Anpfiff eh schon sehr knapp bemessen. Letztendlich schafften wir es wenigstens bis zur Halbzeit in Imst einzutreffen, wo wir schon von den feixenden Kameraden empfangen wurde... naja, wenigstens wurde der Serienriss verhindert. Das Spiel der Bochumer gegen Banik Ostrava war im Grunde genommen bereits zu unseren Ungunsten entschieden, nicht nur, dass man seit der zehnten Minute mit einem Mann weniger auskommen musste, nein, man lag dazu noch mit 0:2 zurück. Wenigstens gelang es unseren Jungs, die zweite Halbzeit offenzuhalten... Nach dem Spiel gab es noch mal schnell 2.000 Schilling von Klaus Hilpert, die wir auch gleich in Flüssignahrung investierten. Zum zweiten Spiel hatten sich diesmal gar 4.500 Zuschauer eingefunden, schließlich ging es für Galatasaray noch um den Turniersieg. Da sich auch heute keinen bekannten Innsbrucker eingefunden hatten, supporteten wir kurzerhand die Tiroler, womit wir uns seitens der Türken nicht gerade viele Freunde machten. Das Ganze endete letztendlich in einem kleinen Handgemenge, woraufhin Made aus dem Stadion flog... unfassbar! Nach dem Spiel verabschiedeten wir uns von Ralf, für den das Trainingslager mit diesem Spiel endete, ehe wir uns auf die Suche nach ‘ner Übernachtungsmöglichkeit für Philipp und Knispel machten... Anschließend machte ich mich zusammen mit Made und der zweiten Autobesatzung, auf den Weg nach München, wo ich Andrea gegen Made eintauschte... Am nächsten Morgen holten wir die beiden Bochumer ab, und schon ging es weiter nach Italien. Kurz hinter der Grenze organisierten wir uns erst einmal ‘ne Gazetta della Sport, um die genaue Anstoßzeit für das UI-Cup-Spiel in Bologna zu erfahren. Weiter ging es via Verona in die Hauptstadt der Emilia Romana, wo wir am späten Nachmittag total durchgeschwitzt ankamen. Leider gestaltete sich die Hotelsuche als ein nicht nur scheinbar, sondern tatsächlich (!) aussichtsloses Unterfangen, und so setzten wir Philipp und Knispel vorm strahlend hell erleuchteten Stadio Renato Dall’Ara ab, während wir in dunkler Nacht (in Gunnar sah’s echt finster aus...) unsere Herbergssuche fortsetzten... - ein Weihnachtswunder erlebten wir dabei aber nicht, höchstens ein blaues, denn die Suche endete schließlich nicht in einem edlen Hotelzimmer, sondern in einer italienischen Pizzeria, wo wir uns mit einem letzten Fünkchen Freude dem Vino Rosso widmeten. Irgendwann gesellten sich auch Philipp und Knispel wieder zu uns beiden Turteltauben, und dann wurde es ein klein wenig peinlich, da die beiden Herren aus dem Pott meinten, es ausnahmsweise einmal mit Kultur versuchen und an unserem Rotwein "nippen" zu müssen - was ihnen ein wenig zu Kopfe stieg und dem Kellner ein kleiner Dorn im Auge war. Einen Dorn - oder vielleicht eher ein Streichholz - im Auge hätte wenig später auch ich gut gebrauchen können: Nachdem wir beschlossen hatten, dem wenig gastfreundlichen Bologna den Rücken zu kehren, saßen wir wenig später wieder im Auto Richtung Dolomiten, wo wir in freier Natur nächtigen wollten. Weil ich Andreas nächtliche Bergtauglichkeit doch eher stark anzweifelte, quälte ich mich eine Serpentine um die andere die steilen Berge rauf und runter, um dann schließlich kurz vor sechs Uhr morgens völlig erledigt kurz hinter Cortina anzuhalten. Die freie Natur, die wir wenig zuvor noch als Ort zum Heiamachen auserkoren hatten, erwies sich zu diesem Zeitpunkt bereits als wenig gemütlich - bei fünf Grad trieb es nur noch Knispel und Philipp aus dem warmen Corsa, was die beiden später bitter bereuen sollten. Während wir, die im Auto noch ein paar Stunden geschlafen hatten, einen herrlich sonnigen Tag mit toller Aussicht genießen konnten, verpennten die beiden "Naturfreaks" (nein, Philipp, frische Luft ist nicht giftig) sogar das tolle Frühstück in St. Kassian. Erst drei Stunden später - inzwischen hatten wir bereits die schönsten Pässe hinter uns gelassen - kehrte wieder Leben in die verschlafenen Gemüter ein. Auch von Rotwein-Kater war nichts mehr zu spüren: Die Seilbahnfahrt auf den Lagazoi überstanden alle ohne größere Unglücke und Knispel konnte sich sogar dazu aufraffen, mit mir auf den nur wenige Meter entfernten Gipfel zu kraxeln (was tut man nicht alles für ein schönes Bild mit Fahne). Nach ein paar dösigen Stunden machten wir uns wieder auf die leidige Suche nach einem - vor allem preislich - geeigneten Hotel, und, siehe da, wir hatten in der Tat mehr Glück als im sonnigen Italien. Nach der langersehnten Dusche konnten sich kaum noch einer aufraffen, zum Essen zu gehen, allein der Hunger trieb uns an. Nach einer zünftigen Südtiroler Mahlzeit (und damit mein’ ich nicht das obligatorische Wiener Schnitzel von Philipp und Knispel) fielen wir im Hotel förmlich ins Bett. Am nächsten Tag machten wir uns dann auf Umwegen - schließlich wollten wir noch ein bisschen was von den Bergen sehen - auf den Weg nach Untermieming, wo das Spiel...


Vorbereitungsspiel am 20.07.98
Sportplatz des FC Untermieming
VfL Bochum vs. AC Sparta Praha 0:1

...auf dem Programm stand. Nach kurzen Orientierungsproblem erreichten wir - den Cops sei dank - den Sportplatz des FC Untermieming eine knappe Stunde vor dem Anpfiff, wo sich bereits Olgas Autobesatzung herumtrieb. Da weder Andrea noch ich Bock auf das sinnlose Gebolze vor gerade mal 100 Leuten hatte, machten wir uns auf der Terasse der Stadionpinte breit... Als ich mich nach dem Spiel, das angeblich kaum zu ertragen war, um meine Fahne kümmerte, machten sich ein paar Eingeborene einfach an unserem Tisch breit. Klar, dass man sich das nicht einfach gefallen ließ, und als uns diese Individuen auch noch als Schmarotzer bezeichneten, wäre es fast rund gegangen... die spinnen, die Österreicher! Irgendwann hatten wir dann endgültig genug, und so machten wir uns langsam auf den Heimweg. In Penzberg legten wir noch einen kleinen Zwischenstopp ein, meldeten sich doch unsere Mägen immer lauer zu Wort... Nach köstlichem Mahl beim Griechen schafften wir es, mittlerweile nonstop singend, auch noch die letzten Kilometer nach Dachau zu bewältigen. Den Dienstagvormittag verbrachten wir größtenteils schlafend, schließlich waren unsere Akkus nach den Strapazen der letzten Tage ziemlich leer... Am Nachmittag zog es uns dann für ein paar Stunden an einen Baggersee, ehe am Abend ein kleines aber feines Racletteessen auf dem Programm stand. Dies hatte es dann aber in sich, wurde doch nicht nur übelst dem Alkohol gefrönt, sondern auch zwischenmenschliche Beziehungen vertieft (nicht wahr Meister Knispel), wobei das Ganze recht sonderbar verlief... jedoch möchte ich hier auf Details nicht näher eingehen . Tatsache ist, dass dieser Abend einige Folgen nach sich zog... nicht was ihr jetzt schon wieder denkt, ihr alten Schweine! Jedenfalls leckten wir am folgenden Morgen alle unsere Wunden, wobei Andrea, Philipp und ich lediglich mit üblen Kopfschmerzen zu kämpfen hatten, während bei unserem Kornharpener die Module verrückt spielten... Beim abendlichen Biergartenbesuch gaben wir ein reichlich komisches Bild ab, stand doch vor jedem von uns eine Maß Spezi (Bäh, seid ihr abartig! - der angewiderte Tipper). Am nächsten Morgen durfte ich erst einmal Geschenke auspacken und meinen Geburtstagskuchen anschneiden, ehe wir uns auf den Weg nach Volpertshausen machten, das sich in den letzten Jahren immer als Kultstation der Vorbereitungsspiele erwiesen hatte...


Vorbereitungsspiel am 23.07.98
Sportplatz des SV Volpertshausen
SC Waldgirmes vs. VfL Bochum 1:8

Etwa vierzig Minuten vor dem Anpfiff hatten wir den Sportplatz des SV Volpertshausen erreicht, wo sich schon zahlreiche Bekannte herumtrieben. Nicht nur das war heute ein Unterschied zu den letzten Jahren, nein, auch unsere "weibliche Begleitung" scheint das zeitliche gesegnet zu haben... Irgendwann traf dann gar die Ratte ein, die es aus irgendwelchen dubiösen Gründen zu diesem Spiel verschlagen hatte. Die Freundschaft lebt! Während sich vor allem der Nachwuchs bemühte, wenigstens ab und an für ein wenig Stimmung zu sorgen, machte es sich der größte Teil der älteren Garde auf diversen Bierbänken bequem, nicht ohne das eine oder andere Bier seiner Bestimmung zuzuführen. Nach dem Schlusspfiff ging es dann weiter nach Bochum, wo wir uns für die nächsten Tage im Hause "Knispel" einquartierten, schließlich standen am Wochenende zwei weitere Vorbereitungsspiele der Bochumer auf dem Programm. Den Abend ließen wir dann feucht fröhlich im Bermuda Dreieck ausklingen... 
________________________________________________________

Vorbereitungsspiel am 25.07.98
Georg-Melches-Stadion Essen
Rot-Weiß Essen vs. VfL Bochum 1:2

Heute stand ohne Zweifel das wichtigste Spiel der diesjährigen Saisonvorbereitung auf dem Program, ging es doch zum Nachbarschaftsduell nach Essen... und dass ich gegen die Herrschaften von der Hafenstraße einiges habe, dürfte wohl hinlänglich bekannt sein. Nach ausgiebigem Frühstück machten wir uns auf den Weg an die Castroper Straße, von wo aus es mit dem Auto weiter nach Essen ging. Als wir gut zwei Stunden vor dem Anpfiff am Georg-Melches-Stadion eintrafen, wurden wir erst einmal mit Freikarten versorgt. Da die Verantwortlichen der Essener es nicht für nötig hielten, den Gästeblock zu öffnen, machten wir es uns auf der Haupttribüne bequem. Zum Spielbeginn brachten wir es auf gut und gerne vierzig Leute der Bochumer Ultra Szene, womit wir mindestens ein Viertel des Gästeanhangs ausmachten. Echt traurig, was momentan in Bochum abläuft... Rot-Weiß Essen mühte sich auch heute wieder, ein paar Mark am Fiskus vorbeizuschmuggeln, wurden doch offiziell nur 4.000 Zuschauer angegeben, obwohl sogar ein Blinder mit Holzauge gesehen hätte, das mindestens 2.000 Leute mehr im Stadion weilten. Während die Stimmung unseres Haufens ganz annehmbar war, war das Gebolze unserer Herrn Profis fast nicht zu ertragen. Der Sieg war heute wirklich mehr als schmeichelhaft... Kurz vor dem Ende des Spiels kamen dann ein paar ältere Essener zu uns, um ein Date mit uns klar zu machen, was wir aber dankend ablehnten. Froh war ich, als wir die ungastliche Stätte endlich wieder verlassen konnten. Während sich die meisten von uns auf den Weg zu Knispels machten, wo heute ‘ne kleine Grillparty steigen sollte, zog es den einen oder anderen (gell Olga) noch zu ‘nem Turnier der Amateure.

________________________________________________________

Vorbereitungsspiel am 26.07.98
Stadion Niederrhein Oberhausen
Rot-Weiß Oberhausen vs. VfL Bochum 2:2

Da weder Andrea noch ich Bock hatten, bereits Stunden vor dem Spielbeginn in Oberhausen ‘rumzugammeln, machten wir uns, im Gegensatz zu den restlichen Herrschaften, erst ‘ne gute Stunde vor dem Anpfiff auf den Weg... Im Stadion Niederrhein, das mittlerweile fertig umgebaut ist, fanden sich heute keine 3.000 Leute ein, was wohl nicht zuletzt an den subtropischen Temperaturen lag... Auf unserer Seite hatten sich so ziemlich die gleichen Leute wie auch schon gestern in Essen eingefunden. Absoluter Höhepunkt des heutigen Nachmittages war mit Sicherheit die zwanzigminütige Army, die den meisten Herrschaften das Letzte abverlangte. Ich für meinen Teil war danach erst einmal fix und fertig. So zog es mich erst einmal an den Bierstand, schließlich mussten die Stimmbänder wieder geölt werden. Wie auch schon am Vortag war die Vorstellung unserer Kicker unter aller Sau, so dass zumindest Andrea und ich den Ort des Grauens zehn Minuten vor dem Ende verließen, schließlich hatten wir ja auch noch ein paar Kilometer vor uns...

________________________________________________________

Hinspiel Viertelfinale UEFA-Intertoto-Cup am 18.07.98
Stadio Renato Dall’Ara Bologna
Bologna FC vs. FC National Bukarest 2:0

Am Stadionparkplatz verabschiedeten wir uns von Andrea und Gunnar, die weiter nach einer Übernachtungsmöglichkeit suchen wollten, ehe wir es uns mittels der bestellten Karten auf der Haupttribüne des Stadio Renato Dall’Ara breitmachten. Gerade einmal 12.000 Zuschauer hatten sich am heutigen Samstagabend eingefunden, darunter knappe zwanzig Gäste aus Bukarest. Enttäuscht war ich von den Ultras Bologna, die lediglich zwei große Zaunfahnen, sowie drei Schwenkfahnen präsentierten, ansonsten aber blass blieben... Als nach knapp einer halben Stunde der Strom ausfiel, machte sich bei uns die Panik breit. Nach fünf bangen Minuten wurde der Fehler jedoch behoben, und so konnte das Spiel weitergehen. Dieses beherrschten die Bolognesen nach Strich und Faden, so daß der Sieg vollauf in Ordnung ging. Kurz vor dem Schlusspfiff verließen wir den Ground in Richtung der Pizzeria, in die sich unsere beiden Begleiter mittlerweile verzogen hatten...
(Christian Knispel)

Samstag, 11. April 2020

Trainingslager des VfL Bochum in El Saler/Spanien anno 1999

Eigentlich sollte ich mich jetzt mit meinen Liebsten in Eppan an der Weinstraße auf das bevorstehende Osterfest freuen (oder einen Bericht vom Gastspiel des FC Obermais in Lana "zu Papier" bringen), aber leider hat uns die Coronapandemie einen Strich durch die Rechnung gemacht. Seit Wochen ist nichts mehr, wie es bis dato war; Ausgangsbeschränkungen, Grenzschließungen - kurzum, es ist eine "nicht gerade alltägliche Situation" in der wir uns gerade befinden.
Nun ja, und jetzt sitz ich hier vor meinem Laptop, hab ein "Dösken" in der Hand und schwelge in Erinnerung. Beim "Durchklicken" alter - inzwischen digitalisierter - Papierbilder bin ich über unseren Trip anno 1999 ins Wintertrainingslager des VfL in die Nähe von Valencia gestolpert. Kurz überlegt, und schon hatte ich die externe Festplatte mit den alten Heften aus der Schreibtischschublade geholt... fasten your seatbelts - die Reise in die Vergangenheit startet jetzt!

Samstag, 30. Januar 1999
Nach wochenlangen Planungen bezüglich der Anreise (Flugzeug, Zug, Auto, Fahrrad... - der Tipper), entschlossen wir uns für die Route München respektive Düsseldorf - Barcelona - Valancia... Während sich Ralf und Yvonne bereits auf dem Weg nach Barcelona befanden, kroch ich frohen Mutes unter der kuschligen Bettdecke hervor. Schnell noch unter die Dusche, Zähne geputzt, die letzten Sachen eingepackt, und schon befand ich mich auf den Weg zum Flugh... stop, so schnell ging es dann auch wieder nicht. Erst einmal wartete noch ein ausgiebiges Frühstück auf Andrea und mich, schließlich sollten wir uns die nächsten neun Tage nicht zu Gesicht bekommen. Um kurz nach halb zehn machten wir uns auf den Weg zum Flughafen, und knapp zwei Stunden später startete ich mittels Lufthansa in Richtung Süden... Wie verabredet wurde ich bei meiner Ankunft in der katalanischen Hauptstadt bereits sehnsüchtig erwartet. Nach einem kurzen Blick in Spaniens führende Sportzeitung Marca stand fest, dass wir noch ein paar Stunden, bis zum Anpfiff des Spiels zwischen den zweiten Mannschaften von Barca und Mallorca, Zeit hatten. So wurde kurzer Hand beschlossen, dem Estadi Olímpic de Barcelona einen Besuch abzustatten. Vor allem die antik gehaltene Fassade der Haupttribüne, sowie der Glockenturm am Haupteingang wussten gut zu gefallen. Anschließend machten wir uns langsam auf den Weg zum Areal des Club de Futbol Barcelona...

22. Spieltag Segunda Division Spanien am 30.01.99
Mini-Estadi Barcelona
CF FC Barcelona B vs. RCD Mallorca B 1:2

Während Ralf und Yvonne gut zwanzig Mark für diese Partie abdrücken mussten, betrat ich das 16.500 Zuschauer fassende Mini-Estadi wesentlich kostengünstiger. Leider war man so gezwungen, die folgenden neunzig Minuten getrennt zu verbringen... Etwa 2.500 Leute fanden heute den Weg ins Stadion, darunter etwa 50 Herrschaften der Boixos Nois. Obwohl diese ihre Mannschaft nach Leibeskräften unterstützten, gingen die Gäste letztendlich als verdienter Sieger vom Platz. Während ich mich auf der Haupttribüne langweilte, nutzte Ralf die Pause, um den Boixos Nois einige Collagen und Fanzines abzukaufen. Nach dem Spiel machten wir uns auf die Suche nach einem preisgünstigen Hotel, was sich zu einer wahren Odyssee entwickelte... Dass es ein solches in Barcelona und Umgebung anscheinend nicht gibt, mussten wir nach gut dreistündiger Suche feststellen. Während ich nun darauf drängte, im Hotel Opelino zu nächtigen, bestanden meine Mitstreiter auf ein vernünftiges Bett. Letztendlich quartierten wir uns für schlappe sechzig Mark in einem Nobelhotel in Sant Boi de Llobregat ein. Wir haben’s ja... Den Abend ließen wir dann mit Bier, Schnaps, Wein... äh ich meine natürlich mit einem gepflegten Kartenspiel ausklingen.


Sonntag, 31. Januar 1999 
Da wir unbedingt in die Kirche wollten... oder war es nicht doch irgendein sinnloses Fußballspiel, läutete der Wecker bereits um halb acht. Nach ausgiebiger Körperpflege labten wir uns noch in aller Ruhe am Frühstücksbüffet... Knapp zwei Stunden später standen wir vor dem Estadio Camp Nou, schließlich durfte ein Besuch im Museum des Club de Futbol Futbol Club Barcelona nicht fehlen. Hier erfährt man einfach alles über die Geschichte des katalonischen Vorzeigeclubs, die ja bekanntlich von unzähligen Erfolgen geprägt wird. Anschließend machten wir uns auf den Weg zum Spiel...

22. Spieltag Segunda Divison B Grupo 3 Spanien am 31.01.99
Parc de Migdia Barcelona
RCD Espanyol de Barcelona B vs. CD Benidorm 2:2

Trotz einiger Orientierungsprobleme erreichten wir den Parc de Migdia, der außer einer kleinen Sitzplatztribüne nichts zu bieten hat, vierzig Minuten vor dem Anpfiff. Positiv überrascht war ich vom Zuschauerinteresse, fanden sich doch gut und gerne 1.000 Zuschauer zu diesem Drittligaspiel ein. Während auf dem Rasen ein überaus spannendes Spiel im Gange war, wurde uns in Sachen Support nichts geboten. Einzig und allein eine Frau älteren Semesters konnte sich ab und an in Szene setzten... Nach dem Spiel ist vor dem Sp... äh... nach dem Spiel betrieben wir noch ein klein wenig Sightseeing - unter anderem genoss man die grandiose Aussicht vom 220 Meter hohen Montjuc auf Barcelona - ehe wir uns abermals auf den Weg zum Estadio Camp Nou machten.

22. Spieltag Primera Division Spanien am 31.01.99
Estadio Camp Nou Barcelona
CF FC Barcelona vs. Real Racind Club Santander 3:2

Nachdem wir die eine oder andere Peseta an den unzähligen Souvenirständen ausgegeben hatten, wurde es auch schon Zeit, unsere Plätze auf der Haupttribüne einzunehmen. Zum heutigen Spiel fanden sich 75.000 Zuschauer ein, für Barcelona eine recht bescheidene Zahl, für unsereins eine Wahnsinnskulisse... Total enttäuscht war ich von der schwachen Stimmung, denn bis auf die 500 Boixos Nois, sowie eine Gruppe von 200 Supportern im gegenüberliegenden Oberrang bemühte sich niemand um Stimmung. Lediglich nach dem zweiten Treffer der Hausherren verwandelte sich das Nou Camp für ein bis zwei Minuten in einen wahren Hexenkessel. Nach dem Schlusspfiff zog es uns noch in die Katakomben, schließlich wollten wir uns die Pressekonferenz nicht entgehen lassen. Da wir jedoch des Spanischen nicht mächtig sind, und zudem noch die Weiterfahrt nach Valencia auf dem Programm stand, trollten wir uns alsbald. Da wir keinen Bock hatten, die spanischen Autobahngesellschaften zu subventionieren, wählten wir für unsere nächtliche Reise fas ausschließlich Landstraßen. Ach ja, wusstet ihr, dass es in jedem noch so kleinen Nest zwischen Barcelona und Valencia mindestens einen Puff gibt? Um kurz nach vier beschlossen wir, ein wenig Augenpflege zu betreiben, und so wurde kurzerhand der nächste Parkplatz angesteuert...

Montag, 1. Februar 1999
Nicht ganz fünf Stunden später nahmen wir, mehr oder weniger ausgeschlafen, die letzten Kilometer nach Valencia in Angriff. Die nächsten 1½ Stunden versuchten wir mal wieder eine günstige Schlafstätte zu finden, was uns, man höre und staune, sogar gelang. Für knappe zwanzig Mark quartierten wir uns im schmucken Hostal de Rincon ein... Nun ja, bis auf die Tatsache, dass es im Zimmer weder Toilette, noch Dusche gab, und die Handtücher bei bloßer Berührung zerfielen, war die Absteige in Ordnung. Nach ausgiebiger Körperpflege machten wir uns daran, die Innenstadt Valencias zu erkunden, wobei ein Besuch beim Schotten eben so wenig fehlen durfte, wie ein Abstecher zum Estadio Mestalla. Durch Zufall erfuhren wir, dass am Abend das spanische Pokalfinale im Basketball stattfinden würde. Schnell stand fest, dass wir den Abend im Pabellón Fuente de S. Luis verbringen würden... 

Finale Copa del Rey Spanien (Basketball) am 01.02.99
Pabellón Fuente de S. Luis Valencia
Caja San Fernando vs. Tau Ceramica 61:70

Als wir knapp zwei Stunden vor dem Anpfiff am Pabellón eintrafen, herrschte bereits reges Treiben. Bedauerlicherweise interessierte sich an diesem Abend niemand für die drei deutschen Pressevertreter, die einzig und allein für dieses Match angereist waren. So mussten wir wohl oder übel dreißig Mark für eine Eintrittsberechtigung auf den Tresen des Kartenschalters legen. Doch diese Investition sollte sich lohnen... Die Stimmung in der mit gut 8.000 Zuschauern ausverkauften Halle war einfach gigantisch, was nicht zuletzt am zahlreich vertretenen Anhang beider Teams lag. Letztendlich konnten die Mannen von Trainer Sergio Scariolc das lange Zeit ausgeglichene Spiel für sich entscheiden, sehr zur Freude der rund tausend mitgereisten Supporter. Während diese nach der Siegerehrung noch kräftig am Feiern waren, machten wir uns schön langsam auf den Heimweg...

Dienstag, 02. Februar 1999
Am nächsten Morgen ging zuerst die Sonne auf und dann wurde es hell... oder war es etwa umgekehrt? Auf jeden Fall gelang es ihr sogar bis in unsere Sweaten vorzudringen (Wie sie das wohl geschafft hat? - der Tipper) und uns wach zu kitzeln. Nach erquickender Dusche... man könnte auch sagen, nach eiskalter Dusche, was aber vielmehr am fehlenden warmen Wasser, als an unserem Abhärtungswahn lag, wurde noch schnell ein halbes Baguette zwischen die Kiemen geschoben, ehe wir uns auf den Weg zum Strand machten. Während sich ein paar Einheimische todesmutig in die Fluten stürzten, beließen wir es bei einem ausgedehnten Strandspaziergang. Anschließend machten wir uns auf den Weg nach El Saler, schließlich sollten unsere Herren Profis am heutigen Nachmittag ihr erstes Training absolvieren... Den meisten Spieler war die Überraschung deutlich anzusehen, als sie uns sahen, aber nur wenige hielten es für nötig, uns zu begrüßen. Zusammen mit Günther Pohl, der uns mit allen wichtigen Terminen versorgte, gaben wir uns das erste Trainingsspiel, dass die von mir favorisierten "Gelbhemden" leider verloren. Wenig später befanden wir uns bereits auf dem Weg nach Madrid...

Rückspiel Achtelfinale Copa del Rey Spanien am 02.02.99
Estadio Vincente Calderon Madrid
Atletico de Madrid vs. Real Sosiedad San Sebastian 0:1

Obwohl wir eine gute Stunde durch Madrid irrten, erreichten wir das Estadio Vincente Calderon zwanzig Minuten vor dem Anpfiff... Während der Block der Frenete Atletico Ultras Fondo Sur schier aus allen Nähten platzte, blieb der Rest der 57.000 Plätze größtenteils leer. Dafür war die Stimmung am heutigen Abend echt genial, da bisweilen 20.000 Zuschauer am Singen waren. Zwar dominierte Atletico über weite Strecken das Geschehen auf dem Rasen, jubeln durften jedoch nur die knapp 100 Supporter aus San Sebastian. Letztendlich feierten jedoch die Madrilenen, da sie aufgrund der mehr erzielten Auswärtstore in die nächste Runde einzogen. Wir kehrten der spanischen Hauptstadt alsbald den Rücken, schließlich stand uns noch eine mehrstündige Fahrt bevor. Total erschöpft erreichten wir um kurz nach drei Valencia, wo unsere Betten schon sehnsüchtig warteten...



Mittwoch, 03. Februar 1999
Aus unerfindlichen Gründen machten wir uns am folgenden Morgen erst fünf Minuten vor Trainingsbeginn auf den Weg nach El Saler. Hier erwarteten uns sage uns schreibe fünfzig Kiebitzte. Ob diese einzig und allein des Bundesligisten wegen gekommen waren, möchte ich doch stark bezweifeln, schließlich richtete sich ihr Augenmerk erst auf den Platz, als die Bochumer den Platz für die Spieler des FC Valencia geräumt hatten... Da uns wiederum der Tabellenzweite der Primera Division nicht sonderlich interessierte, machten wir uns alsbald vom Acker. Die nächsten Stunden nutzten wir, um unsere stark dezimierten Nahrungsvorräte aufzufüllen. Als wir uns um kurz nach drei wieder auf den Weg nach El Saler machten, roch es im Auto verdächtig nach Barcardi... Während Klaus Toppmöller seine Mannen ordentlich schwitzen ließ, droschen wir, mehr oder weniger motiviert, auf einen wehrlosen Ball ein. Die anschließende Fahrt nach Villareal nutzte ich zur intensiven Ausnüchterung... äh Augenpflege...

Rückspiel Achtelfinale Copa del Rey Spanien am 03.02.99
Estadio El Madrigal Villareal
Villareal CF vs. Real Madrid CF 0:2

Da wir das Estadio El Madrigal bereits eine gute Stunde vor dem Anpfiff erreichten, blieb noch genügend Zeit, dem Fanshop, sowie den zahlreichen Souvenirständen einen Besuch abzustatten. Obwohl die Gastgeber das Hinspiel in Madrid klar verloren hatten, war das Stadion am heutigen Abend mit 17.000 Zuschauern restlos ausverkauft. Nach dem Führungstreffer der Königlichen, die von abgezählten sechzehn Fans begleitet wurden, verstummten die Heimfans, die sich bis dato ganz gut in Szene setzten konnten, schlagartig. Irgendwie verständlich, erloschen doch spätestens in diesem Moment alle Hoffnungen auf eine Sensation... Kurz nach dem Schlusspfiff befanden wir uns bereits auf dem Weg nach Valencia, das wir um kurz nach halb zwei endlich erreichten. Keine zehn Minuten später gingen bei mir die Lichter aus...

Donnerstag, 04. Februar 1999
Überraschend früh kroch ich an diesem Morgen aus den Federn. So kam ich wenigstens in den Genuss einer lauwarmen Dusche und eines ausgiebigen Frühstücks, ehe wir uns auf den Weg nach El Saler machten... Während die Spieler munter ihre Runden drehten, unterhielten wir uns mit den anwesenden Journalisten über das am Nachmittag stattfindende Spiel gegen die Slowakei. Anschließend zog es uns zwecks Nahrungsaufnahme wieder in die Innenstadt Valencias, wo wir beinahe versumpft wären...

Vorbereitungsspiel am 04.02.99
Hoteltraingsplatz El Saler
VfL Bochum vs. Slowakei 0:3

Bereits zwanzig Minuten... äh Sekunden waren gespielt, als wir den Sanddune-Stand im Estadio Parador de El Saler betraten.  Glücklicherweise wurde der berühmt-berüchtigte slowakische Mob bereits bei der Ankunft in Valencia in Polizeigewahrsam genommen... So ging wenigstens das Duell auf den Rängen mit drei zu null an uns. Über die Geschehnisse auf dem Platz hülle ich an dieser Stelle lieber den Mantel des Schweigens, so peinlich war der Auftritt unserer Helden. Nach dem Spiel trollten wir uns alsbald wieder in Richtung Valencia. Den Abend verbrachten wir nicht nur in einer urigen Pinte, nein, auch ein Billardsalon musste dran glauben... 


Freitag, 05. Februar 1999
Der Freitag stand ganz im Zeichen der Erholung... So nutzten wir beispielsweise den trainingsfreien Vormittag, um endlich einmal richtig auszuschlafen. Gut erholt machten wir uns um kurz nach zwölf auf den Weg in die Innenstadt, schließlich sollten unsere Mägen auch zu ihrem Recht kommen... Anschließend bummelten wir noch ein wenig, ehe wir uns auf den Weg zum Nachmittagstrainig machten. Während die Spieler ihre Ballfertigkeit beim Fußball-Tennis unter Beweis stellten, konnten wir uns endlich zum Postkartenschreiben durchringen. Lange hat’s gedauert... Am Abend war dann großes Paellaessen angesagt. Aus unerfindlichen Gründen landeten alle Garnelen auf meinem Teller... Danach zogen wir noch ein wenig um die Häuser, ehe wir uns um kurz vor Mitternacht das Hostal de Rincon ansteuerten.

Samstag, 06. Februar 1999
Am nächsten Morgen ging zuerst die Sonne auf... aber lassen wir das. Nach ausgiebigem Frühstück machten wir uns ein letztes Mal auf den Weg nach El Saler. Dort wurden wir bereits sehnsüchtig erwartet... oder auch nicht. Im heutigen Trainingspiel kamen meine "Gelbhemden" endlich zum ersten Sieg. Meine Freude könnt ihr euch mit Sicherheit vorstellen... Nachdem wir noch mit Freikarten fürs Spiel Valencia gegen La Coruna versorgt worden waren, machten wir uns auf den Weg nach Castellon...

23. Spieltag Segunda Division Grupo 3 Spanien am 06.02.99
Estadi Municipial Castellon
CD Castellon vs. Levante UD 0:3

Obwohl ich unserem Spaßmobil ganz ordentlich die Sporen gab, erreichten wir das Estadi Municipial erst kurz nach dem Anpfiff. Da man in Castellon keinen Wert auf deutsche Pressevertreter legt, mussten wir knapp fünfzehn Mark für einen Sitzplatz löhnen... Unter den knapp 3.000 Zuschauern befanden sich gut und gerne 400 Gäste aus Levante. Während diese annähernd das ganze Spiel über für Stimmung sorgten, konnten sich die knapp 150 Mann respektive Frauen der Frenete Orellut nur selten in Szene setzten, was wohl nicht zuletzt an der desolaten Vorstellung der Hausherren lag. Unmittelbar nach dem Schlusspfiff kehrten wir dem etwa 15.000 Zuschauer fassenden All-Seater den Rücken... Zurück in Valencia wurde erst einmal ein Baguette eingeworfen, ehe wir uns mittels Taxi auf den Weg zum Estadio Mestalla machten.

23. Spieltag Primera Division Spanien am 06.02.99
Estadio Mestalla Valencia
Valencia CF vs. Deportivo La Coruna 0:0

Nachdem wir auf der Suche nach unseren bestellten Karten, die wir dank der zuvor erhaltenen Freikarten eigentlich nicht mehr gebraucht hätten, fündig geworden waren, statteten wir Manolos Kneipe noch einen kurzen Besuch ab, ehe wir das Estadio Mestalla betraten. Während sich Ralf und Yvonne zu unseren Spielern gesellten, machte ich es mir auf der Pressetribüne bequem... Zu Beginn des Spiels gab es auf Seiten der Yomus Original Fans ein paar Papierschnipsel, während die Gol Gran mit unzähligen Fahnen hantierten. Das Spitzenspiel der Primera Division entpuppte sich als übles Gekicke... Und da auf den Rängen auch nicht gerade der Bär steppte, war ich froh, als der Schiedsrichter das Trauerspiel endlich beendete. Unseren ursprünglichen Plan, noch kurz in die Innenstadt zu fahren, änderten wir kurzfristig, schließlich wollten wir am nächsten Morgen frühzeitig in Richtung Barcelona aufbrechen...

Sonntag, 07. Februar 1999
Um kurz nach sieben befanden wir uns bereits auf den Weg in die katalanische Metropole... Leider erfüllten sich unsere Hoffnungen, vor dem Spiel zwischen Espanyol und Mallorca noch ein unterklassiges Spiel zu sehen, nicht. Als Alternative bot sich ein Besuch im größten Aquarium Europas, das mitten im Hafen Barcelonas liegt, an. Nachdem wir uns ausgiebig mit dem Lebensraum Mittelmeer vertraut gemacht hatten, wurde es langsam Zeit, das Estadi Olímpic aufzusuchen...

23. Spieltag Primera Division Spanien am 07.02.99
Estadi Olímpic de Barcelona
RCD Espanyol de Barcelona vs. RCD Mallorca 1:0

Nachdem wir auf der Suche nach unseren bestellten Karten einmal rund ums Stadion geschickt worden waren, durften wir das Stadion endlich betreten... Lediglich 15.000 Zuschauer hatten sich zum heutigen Spiel gegen den Tabellendritten eingefunden, darunter beachtliche 400 Gäste, die zum Einlaufen ein paar rote Bänder präsentierten, während die Gastgeber mit Doppelhaltern, Schwenkfahnen und Papierschnipseln hantierten... Dem echt genialen Support der Juvenil, deren Capo das ganze Spiel über am Einheizen war, hatten die Ultras Mallorca nicht sonderlich viel entgegenzusetzen. Als nach vierzig Minuten der verdiente Führungstreffer für Espanyol fiel, gab es kein Halten mehr... In der Halbzeitpause statteten wir den Stand der Juvenil einen kurzen Besuch ab, schließlich wollte ich meine letzten Peseten an den Mann bringen... Nach dem Spiel steuerten wir noch kurz einen Schotten an, ehe wir uns auf den Weg zum Flughafen machten. Während Ralf und Yvonne die Nacht im Hotel Opelino verbrachten, machte ich es mir in der Wartehalle des Flughafens bequem...

Montag, 08. Februar 1999
Mit heftigen Kopfschmerzen... äh Rückenschmerzen erwachte ich um kurz vor sechs. Nachdem ich meinen abgewrackten Körper notdürftig wieder auf Vordermann gebracht hatte, gesellte ich mich zu Ralf und Yvonne, die bereits an der Gepäckabgabe herumlungerten. Um kurz nach acht machten wir uns auf die letzte respektive vorletzte Etappe... In München erwartete mich mein Dad bereits sehnsüchtig, und zwei Stunden später trat ich meinen Dienst bei der Caritas wieder an. Tja, Zivis haben schwer...

Ich hoffe, Euch hat die Reise ins Jahr 1999 gefallen! Wünsche Euch trotz allem Frohe Ostern - bleibt gesund!

Dienstag, 7. April 2020

Auf Dich "kleiner Mann"...

..von wo aus auch immer Du uns zuschaust! Am 18. Juni werden es sechs Jahre; sechs Jahre seit Du nicht mehr unter uns weilst - und trotzdem hat Dich mit Sicherheit keiner Deiner Freunde vergessen! Wie auch? Immer wieder fällt Dein Name, immer wieder werden neue Anekdoten aus Deinem (viel zu kurzen) Leben zum Besten gegeben. So schrieb mir heute ein Mitglied der Fantastic Supporters ein paar Zeilen zum letzten Spieltag der Saison 2012/2013 (die Bayern hatten in Mönchengladbach die Schale erhalten, wir spielten am nächsten Tag gegen Union Berlin) zukommen lassen...
"nach dem letzten Spieltag 2012/2013 saßen Bonsai, ich und einige andere im alten UB-Raum in einer gemütlichen (Trink)Runde beisammen. Bonsai wollte 'ne Runde Jägermeister ausgeben, also sagten wir zu, woraufhin Bonsai zur Theke wankte und - entgegen unserer Vorstellung, er würde jedem ein Pinnchen bringen - mit etlichen Flaschen zurückkam, exakt einer pro Person in unserer Runde!"
Auch ich könnte von so vielen Erlebnissen mit Dir berichten... sei es von unseren unzähligen Fahrten mit den "Eishockey-Cracks" des ASV Dachau (als Du beispielsweise in Crimmitschau das "Paradis" entdeckt hast), den gemeinsamen Erlebnissen bei Deinen Bayern (unvergessen bleibt unter anderem Deine Ansprache an die Jungs von der Dachau City auf der Fahrt zum Champions League Finale in Madrid - ich bleibe dabei: "ein Socken ist nicht nackt!") oder von den ganzen Feiern, die wir gemeinsam "bestritten" haben (Weißt Du noch, wie Dein erster Kontakt mit DEN Bochumern in Mariabrunn verlief?)... Ich könnte jetzt sagen, wie sehr Du mir fehlst, aber ich weiß, dass Du das bestimmt nicht gerne hörst - deshalb, ois Guade zum Fünfzigsten Bonsai! Heute Abend trink ich einen oder vielleicht auch zwei auf Dich und schwelge in Erinnerungen!

Foto: Pokalfinale 1998 - Bonsai zweiter von links

Nobber von der Dachau City hat auch noch ein paar Zeilen zu Bonsais Ehrentag verfasst:
"Wenn einer einen ganzen Zug begeistern konnte, dann der Bonsai!" - das waren die Worte von RM-Andi bei der Trauerfeier...
Wir allen haben und halten unseren Bonsai in besonderer Erinnerung. Jeder von uns könnte ein ganzes Buch füllen, mit Geschichten, die wir mit ihm erleben durften... Mit einem der immer korrekt war, der seinen Verein geliebt hat, wie kaum ein anderer, der uns alle begeistert hat, und dessen Humor immer genial geil war...
Heute hätten wir sicher die Geburtstagsparty des Jahres mit ihm gefeiert, doch leider fehlt der Hauptakteuer...
Aber trotzdem sollten wir in seinem Sinne heute alle mal an ein oder zwei unvergessliche Momente mit ihm denken, wir sollten drüber lachen und uns freuen, so einen besonderen Menschen als Freund gehabt zu haben...
Ois Guade Bonsai - Du bleibst unvergessen!

Mittwoch, 25. März 2020

Solidarität ist unsere Waffe!

Das ist ein Post für diejenigen, die als Maßnahme gegen die Verbreitung des Corona-Virus zu Hause zu bleiben. Sei es, weil sie unter Quarantäne gestellt wurden oder einfach, weil es ihnen ernst ist und sie an andere denken.

Hier findet ihr einen Download mit Lesestoff aus Italien, 34 Gruppen, die in den letzten 50 Jahre Geschichte geschrieben haben. Dazu ein kleines Graffiti-Spezial. https://www.blickfang-ultra.de/images/Sammelmappe3.pdf
Ursprünglich war es ein Druck in Kleinstauflage für Freunde und Bekannte und ist restlos vergriffen. Aber im Moment ist es das Beste, was mir als Beitrag einfällt um die Stunden in der Wohnung (hoffentlich) etwas erträglicher zu machen.

Der Grund ist auch ein persönlicher. In meiner engsten Familie gibt es drei Menschen, die direkt oder indirekt zur Covid-19-Risikogruppe zählen. Der Jüngste ist vier Jahre alt, spielt gerne Lego und sorgt im Stadion für Lacher, wenn er beim Blick in Heim- oder Gästeblock in „Dorfultras“ und „richtige Ultras“ kategorisiert. Im Moment hängt gerade mal wieder mit Atemproblemen am Inhalator. Business As Usual, passiert leider alle paar Monate, wir kommen damit klar und mussten deswegen auch nur ein Mal (beim ersten Mal) ins Krankenhaus. Allerdings kann es eben doch sein, dass ich mich im schlimmsten aller Fälle mit ihm in den nächsten Wochen in der Notaufnahme wiederfinde.

Covid-19 bedeutet nämlich, es wird potentiell eng. Und zwar an dem Punkt, an dem die Kapazitäten der Krankenhäuser nicht mehr ausreichen um die neu angekommen Notfälle zu versorgen. Dann muss ein Arzt oder eine Ärztin entscheiden, ob jemand mit behandelt wird und eine Überlebenschance zugestanden bekommt oder dem Tod geweiht ist.

Die Gegenmaßnahme ist ziemlich simpel: Ausbreitung verlangsamen, damit die schweren Fälle nach und nach im Krankenhaus versorgt werden können. Deshalb geschlossene Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen, deshalb geschlossene Geschäfte. Kann man natürlich ignorieren, sein Leben weiterleben und unter Leute gehen. Noch ein Mal in den Club, bevor er schließen muss. Noch ein Mal ins Café, solange die Sonne scheint.

Die Leute, die das machen werden wohl eher nicht sterben. Sondern „nur“ die Infektionsrate erhöhen. Sterben werden die, die zur Risikogruppe zählen. Weil eben kein Bett auf der Intensivstation mehr frei ist. Diese Grafik zeigt das ziemlich deutlich.
https://www.faz.net/2.1652/corona-eindaemmen-krankenhaeuser-vor-kollaps-bewahren-16681824.html

Wer ein Beispiel braucht, wen es treffen könnte, sobald die rote Linie überschritten ist: Eltern, bzw. Großeltern. Nicht nur Covid-Infizierte, sondern auch Menschen mit z.B. Immunschwäche. Oder Unfallopfer. Oder eben Kinder mit Asthma.

Ich will hier nicht den Belehrer spielen, ich hab selbst lange genug gebraucht bis mir die Tragweite klar wurde. Am letzten Spieltag war ich auch noch in einem ausverkauften Stadion. Die Chance, tatsächlich mit dem Kleinen in der Notaufnahme zu landen ist imho geringer als z.B. bei Krebskranken. Ich bin in der privilegierten Lage, vom Home Office aus arbeiten zu können und muss mir keine Existenzängste machen. Da werden in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten noch andere Menschen Solidarität benötigen…

Einige Gruppen bereits gezeigt, was gesellschaftliche Verantwortung bedeutet (Props nach München, Stuttgart, Nürnberg, Dortmund, Aachen, etc – die vollständige Liste ist online zu finden). Aber am Ende liegt es am Verhalten von jedem Einzelnen… Daher dieses Angebot. Danke fürs Drinbleiben.

(Arne/LCN)