Donnerstag, 12. März 2020

Geisterspiele, Solidarität und das liebe Geld...

Kein Thema beschäftigt die Menschen momentan wohl mehr als "Covid-19", gemeinhin auch "Coronavirus" genannt... Täglich werden wir mit "Hiobsbotschaften", Zahlen von Neuinfizierten und drastischen Maßnahmen gegen die "ungebremste" Verbreitung bombardiert. Da ich mich weder mit Viren, noch mit Epidemien respektive Pandemien auskenne, erlaube ich mir an dieser Stelle kein Urteil über den Sinn (oder Unsinn) der getroffenen (staatlichen) Maßnahmen; erlaube mir aber doch folgende zwei Fragen zu stellen... erstens - warum schafft es Europa nicht an einem Strang zu ziehen? zweitens - worin besteht bitte der Unterschied zwischen einem Fußballstadion (nach Lust und Laun auch gegen Konzert oder eine andere Sportveranstaltung zu ersetzen) und einem gefüllten Zug (im öffentlichen Nahverkehr)? Von der "mehr als tausend Personen"-Regel ganz zu schweigen...
Bei "Gesprächen" (inzwischen kommuniziert man ja meist mittels Nachrichtendiensten) mit Freunden in Italien scheint einiges Sinn zu machen, ist die Situation dort doch vieler Orten überaus kritisch. Was ich/wir aber von den Italienern (in meinem Fall natürlich insbesondere von den Ultras) lernen kann/können, ist Solidarität wichtiger den je ist - auch wenn es bestimmt nicht leicht fällt, so sollte man doch ebenfalls das eigene Sozialleben zum Wohle der "Gefährdeten" (sprich Alten und Risikogruppen) in Zeiten wie diesen hinten anstellen, um sowohl eine (rasche) Verbreitung des Virus, als auch eine Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern. In diesem Zusammenhang sollte man sich selbst fragen, ob es unbedingt nötig ist, seinem Verein (auch wenn es zweifelsohne schwer fällt) zu den Geisterspielen in den kommenden Wochen (oder Monaten) zu folgen...
Und somit wären wir auch schon beim Thema "Geisterspiele". In meinen Augen ein Unding; ja ein Schlag ins Gesicht all derer, die Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr Geld und Freizeit opfern, um ihrem Herzensverein rund um die Welt (na ja, im Falle des VfL Bochum beschränkt sich der Radius zumeist auf Deutschland und bestenfalls aufs benachbarte Ausland) zu folgen. Sinnvoller wäre es in meinen Augen, den kompletten Spielbetrieb bis auf weiteres vollkommen auszusetzen, denn was ist denn der Fußball ohne seine Fans? Geisterspiele kosten zudem nicht nur den Heimvorteil der eigenen Elf, sondern reißen aufgrund der entgangenen Einnahmen (Eintrittskarten, Catering, etc.) gerade bei den kleineren Vereinen riesige Löcher in die (meist eh klammen) Kassen. Und was ist, wenn sich wie in Hannover oder Turin Spieler infizieren, und (eigentlich) die ganze Mannschaft in Quarantäne muss? Aber wahrscheinlich ist das schädlich für die Fernsehmillionen, die ja unter anderem die (eh schon prallen) Kassen der Verbände füllen. Das einfachste wäre es doch, die unnötige aufgeblähte Europameisterschaft um ein Jahr zu verschieben, um so Luft für eine faire und für alle Beteiligten schönere Austragung der restlichen Saison zu gewährleisten!

Eine überaus lesenswerte Erklärung des Club Nr. 12 und der Gruppen der Südkurve zu diesem Thema findet Ihr hier.

Sonntag, 8. März 2020

08. März 2020 - FC Bayern vs. FC Augsburg 2:0

di padre in figlia… ULTRAS! Und so ging es am heutigen Sonntagnachmittag zusammen mit unserer Jüngsten zum "Freundschaftsbesuch" nach Fröttmaning. Am sich bereits leerenden Südkurvenplatz wartete der Gros der Dachau City (auch hier mehr Nachwuchs als sonst am Start) auf mich. Merci! Wenig später ging es dann weiter 'gen Arena - eine gewisse Vorfreude aufgrund der ersten großen Choreographie seit einer gefühlten Ewigkeit war wohl jedem unserer (illustren) Gruppe ins Gesicht geschrieben. Während die Anderen sich alsbald in die unterschiedlichsten Rängen und Blöcke der Südkurve verzogen, machte ich mich mit meiner "Kurzen" auf den Weg in den Oberrang der Haupttribüne, die ich auch diesmal als Fotohotspot auserkoren hatte...
Pünktlich zum Einlaufen der Spieler (die Bayern traten übrigens im extra für dieses Spiel kreierten Jubiläumstrikot an) bahnten sich zigtausend rote und silbrige Wurfrollen ihren Weg in Richtung Spielfeld; unmittelbar danach erstrahlte auf der Haupttribüne (leider von meinem Platz aus nicht zu sehen - tja, bei einer Ganzstadionchoreographie muss man nun mal Abstriche machen) mittels Folien der Schriftzug "120 JAHRE" (weiß auf rotem Grund), in der Nordkurve das 1921 eingeführte Spielehrenzeichen, auf der Gegengerade die Ehrennadel (eingeführt zum fünfundzwanzigjährigen Jubiläum der Bayern) und im Süden das 1953 vorgestellte (aktuelle) Wappen des FC Bayern München e.V.. Abgerundet wurde die geile Choreo (einziges Manko wäre das teils "kurze" Hochhaltevermögen etlicher Stadionbesucher; da waren früher durchaus ein paar Minuten mehr drin... aber wenn ich das an meine aktiven Jahre in Bochum denke, ist es jammern auf höchstem Niveau!) von folgenden Spruchband (beginnend in der Nord- und endend in der Südkurve) "WIE SEIT ÜBER 100 JAHREN WIRD ES BLEIBEN BIS ZUM TOD - UNSER VEREIN IN DEN FARBEN WEISS UND ROT!" Daumen klar nach oben! Während sowohl die Südkurve, als auch die mitgereisten Gäste aus dem bayerischen Schwaben ordentlich loslegen, machen wir uns auf den Weg in die Südkurve, wo wir (früher oder später) im Mittelrang der Südkurve (kindgerechten) Unterschlupf finden... Leider zeigt sich der Münchner Anhang (heute offiziell nur von der Horda Azzuro unterstützt) im weiteren Verlauf des Spiels nicht (immer) von seiner Schokoladenseite (na ja, da passte man sich wohl der eigenen Equipe an, die das Spiel aber letztendlich ein wenig glücklich, wenn auch verdient, für sich entscheiden konnte); soll jetzt nicht heißen, dass es schlecht war... ich persönlich fand jedoch den Tifo gegen Paderborn aber deutlich besser!
In der zweiten Halbzeit lederten beide Seiten ordentlich gegen die Vereins- respektive die Verbandsoberen; die meisten Spruchbänder durfte ich aber erst hier im world wide web sehen, da ich heute (aufgrund familiärer Verpflichtungen) nicht die Muse hatte, meinen Standort nach dem Pausentee nochmals zu wechseln... Die im Vorfeld (von manchem Schmierfink) prognostizierten/befürchteten Spielunterbrechungen (grassierte nicht gar das Wort "Spielabbruch" durch die Medien?) blieben heute jedoch (Wunder oh Wunder) aus...

Freitag, 6. März 2020

"das hässliche Gesicht" - ein paar Worte zum "Niedergang des Abendlandes"

Ich hab mir echt lange überlegt, ob ich zu den Vorkommnissen des letzten Wochenendes - der Vorstandsvorsitzende der FC Bayern München AG nannte es "das hässliche Gesicht von Bayern München" - meinen "Senf" abgeben soll. Viel zu lange habe man die Auge zugemacht, was in den Kurven passiert, war eine weitere Aussage des Herrn Rummenigge... Nun ja, scheint wohl was Wahres dran zu sein, sonst hätte er die Spruchbänder, auf denen der Investor (Mäzen will und kann ich hier nicht schreiben - auch wenn das die Medien so gerne machen - da ein Mäzen für seine Unterstützung in der Regel keine direkte Gegenleistung verlangt; im Fall der Sinsheimer Fußballer definitiv nicht der Fall) der TSG Hoffenheim beleidigt wurde, nicht mit Rassismus, Sexismus und der Gleichen in Verbindung gebracht; genau die "Dinge", gegen die die Ultras der Münchner Südkurve seit Jahren kämpfen!

Als ich die zweimaligen Spielunterbrechung der Partie zwischen Hoffenheim und dem FC Bayern im Radio verfolgte, war ich ehrlich gesagt schon ein wenig überrascht, eine Farce war dann das Ball-hin-und-her-Geschiebe beider Mannschaften in der verbleibenden letzten Viertelstunde. Unglaublich, wie das im Nachgang auch noch gefeiert wurde. Schier die Schuhe hat mir aber die mediale (Nach)Betrachtung in den folgenden Tagen ausgezogen - als Beispiele seien hier das Aktuelle Sportstudio, Doppelpass (mit Mario Baslers "Hexenjagd" auf den vermeintlichen Rädelsführer - über die sexistischen Aussagen verliere ich jetzt lieber keine Worte!) und Blickpunkt Sport genannt... Mit seriösem Journalismus hatte das Ganze wenig zu tun (um es mal gelinde auszudrücken) - so hätte Frau Müller-Hohenstein DFB-Präsident Fritz Kellers Aussage "Wir sind am Tiefpunkt angelangt" durchaus (kritisch) hinterfragen müssen. 

Sowohl die Vereins-/Verbandsoberen als auch die (meisten) Medien echauffieren sich an dem, auf den Spruchbändern verwendeten Wort "Hurensohn" (zweifelsohne kein schönes Wort, aber im Sprachgebrauch vieler Fans - auch derjenigen, die jetzt in den sozialen Netzwerken gegen die bösen Ultras "hetzen" - seit Jahren gang und gäbe... ich erinnere nur an das BVB Hurensöhne, das die Schwarz-Gelben Woche für Woche aus des Gegners Blöcken zu hören bekommen oder an Timo Werner, dessen Mutter in Deutschlands Stadien und sogar am Ballermann immer wieder verunglimpflicht wird), das eigentlich "nur" Mittel zum Zweck war, ging es doch primär um die, vom Deutschen Fußball Bund trotz anderslautender Absprache mit der aktiven Fanszene erneut verhängten Kollektivstrafen gegen den Anhang der Dortmunder (diese dürfen in den kommenden zwei Spielzeiten wegen wiederholter Beleidigungen gegen Dietmar Hopp nicht nach Sinsheim reisen)… So lautete das komplette Spruchband der Schickeria "ALLES BEIM ALTEN: DER DFB BRICHT SEIN WORT - HOPP BLEIBT EIN HURENSOHN" - von den Medien mehr oder weniger auf bereits erwähntes "HURENSOHN" reduziert... Auch hier blieb ein kritisches Hinterfragen des kompletten Wortlautes leider aus!

Das Dietmar Hopp und seine TSG Hoffenheim der aktiven Fanszene ein Dorn im Auge sind, liegt an der (von der Deutschen Fußball Liga geduldeten) Missachtung der "50+1 Regelung", was spätestens seit dem Bundesligaaufstieg der Kaichgauer immer wieder zu Anfeindungen führte - also definitiv nichts Neues...

Spielunterbrechungen/-abbrüche (Stichwort "Drei-Stufen-Plan") wurden ins Leben gerufen, um Diskriminierungen und Rassismus entgegenzutreten. Fraglich nur, warum ausgerechnet Herr Hopp zu einer benachteiligten Minderheit gehört, respektive eine nachteilige Behandlung aufgrund von Religion, Herkunft, Äußerem , Abstammung, Geschlecht, sexueller Orientierung oder Behinderung widerfährt... An dieser Stelle sei die Frage erlaubt, warum die Spiele in Gelsenkirchen gegen Hertha BSC (der dunkelhäutige Spieler Jordan Torunarigha wurde von Schalker Fans rassistisch beleidigt) oder am vergangenen Dienstag gegen den FC Bayern (der ehemalige Gelsenkirchener und heutige Torwart des deutschen Rekordmeisters wurde wiederholt von der Nordkurve als - aufgemerkt - "HUHRENSOHN" bezichtigt) nicht unterbrochen wurde... Tja, wer zahlt schafft (scheinbar) an!

Richtig perfide fand ich jedoch Aussagen, die das Verhalten der Ultras (neben den Münchnern zeigten noch etliche weitere Gruppen/Kurven Spruchbänder gegen Hopp und den DFB) mit Rassismus oder gar dem Anschlag in Hanau auf eine Ebene stellten... Dass gerade die Münchner Ultraszene seit Jahren aktiv gegen Rassismus und für eine diskriminierungsfreie Kurve, Stadt und Gesellschaft einsetzt, ist sowohl den Verantwortlichen des FC Bayern, dem DFB (der vor sechs Jahren der Schickeria noch den Julius Hirsch Preis verliehen hatte), als auch den meisten Journalisten (bewusst oder unbewusst) entfallen...

Glücklicherweise tauchten (nach und nach) auch ein paar Artikel auf, die sich differenziert mit dem Thema auseinandersetzten (auch wenn hier die Wortwahl hinsichtlich Herrn Hopp zumeist verständlicherweise kritisiert wird), schließlich gibt es in Deutschland und im Fußball weitaus wichtigere Probleme/Missstände, die man lieber angehen sollte...

So, damit sollte alles gesagt respektive geschrieben sein. Ich hoffe Ihr konntet meinen (teils wirren) Gedanken (irgendwie rattert es in meinen Gehirnwindungen momentan ununterbrochen, wobei das Hauptaugenmerkt eigentlich nicht beim Thema "Dietmar Hopp" und der nächsten Runde im Kampf der (Ultra)Szene gegen den Deutschen Fußball Bund liegen sollte... aber das ist eine andere Geschichte) folgen. Ich bin gespannt, in welche Richtung sich das "Ganze" in den nächsten Tagen/Wochen/Monaten entwickelt... 

VfL Bochum vs. SV Sandhausen (Foto: PhotomafiA Bochum)

Dienstag, 18. Februar 2020

09. März 2010 - AC Fiorentina vs. FC Bayern 3:2

Wagen wir mal wieder einen Blick zurück... Da ich mich aktuell mal wieder intensiv mit dem Fußball (und vor allem der Szene) im Mutterland der Utrabewegung Bewegung beschäftige (wobei es hierbei um die Zeit "vor" Filippo Raciti und Gabriele Sandri geht; also vor der riesigen Repressionswelle und er Einführung der verhassten Tessera del Tifoso), versuche ich hier im Blog die eine oder andere Lücke gesehener Spiele in meinem absoluten Lieblingsland zu schließen. Mal schaun, was ich knapp zehn Jahre später noch zusammen bekomm...
Der knappe Heimsieg (2:1) versprach ein spannendes Rückspiel im alt-ehrwürdigen Stadio Artemio Franchi; zusammen mit drei weiteren Dachauern machte ich mich am Vorabend des Spiels auf den Weg nach München, von wo aus es in einem der Club Nr. 12-Busse über den Brenner gehen sollte. Für ein Mitglied der Dachau City sollte dieser Ausflug nicht "ohne Folgen" (oder sollte ich lieber "nicht ohne Anhängsel" schreiben?) bleiben - aber das ist eine andere Geschichte! Die Fahrt verlief - wie nicht anders zu erwarten - überaus berauschend; für reichlich Spaß war also gesorgt... Ach ja, das "NdC"-Rätsel auf einem Rastplatz zwischen Verona und Modena konnte auch smashed and stoned gelöst werden... Nachdem uns der Bus am nächsten Morgen am Stadio Artemio Franchi "ausgespuckt" hatte, machten wir uns per Pedes und mittels öffentlicher Verkehrsmittel auf den Weg ins Centro Storico, wo wir uns erst mal ein typisches italienisches Frühstück gönnten, ehe wir ein wenig durch die Straßen streunten. Leider meinte es das Wetter nicht wirklich gut mit uns - nasskalt, grau in grau und immer wieder mal ein "paar" Tropfen von oben... bella Italia! Am frühen Nachmittag fanden wir dann Unterschlupf in einer netten Trattoria am Rande der Innenstadt; zwar immer noch arg touristisch angehaucht, aber preislich und kulinarisch definitiv kein Reinfall. Obendrauf gab es für unsere kleine Truppe noch ne Flasche Vino Rosso auf Kosten des Hauses. Diese leerten wir "stilecht" auf der ältesten Brücke über den Arne, der Ponte Vecchio - bei schönem Wetter bestimmt ne feine Geschichte, so nur dank des kräftigen Rotweins einigermaßen gut auszuhalten... Irgendwann wurde es dann Zeit, den Weg zurück zum Stadion anzutreten. Da hier schon unzählige Bekannte herumlungerten, verging die Zeit bis zur Öffnung der Stadiontore im Handumdrehen... Während das Intro im gut gefüllten Settore Ospiti überaus unspektakulär verlief - ein paar Fähnchen hier, ein paar Doppelhalter da (könnte sein, dass im oberen Bereich sogar ein klein wenig Pyrotechnik zum Einsatz kam - ich meine auf 'nem YouTube-Video eine "Minirauchsäule" gesehen zu haben), gab es sowohl in der Curva Fiesole, auf der Distinti (Gegengerade), als auch in der Curva Ferrovia Fahnen mit dem Wappen der Firoentina. In den beiden Fankurven kamen zudem noch etliche Schwenkfahnen und ein paar Rauchfackeln zum Einsatz. Für die damaligen (widrigen) Umstände durchaus gelungen... Ach ja, Gerüchten zufolge flog zum Einlaufen der Spieler ein Oktopus vom Gästeblock aus in die Curva Ferrovia, was heftige Pöbeleien zu Folge hatte! War die Stimmung auf Seiten der Violetten lange Zeit überaus gut (kein Wunder, sah es für die Gastgeber doch lange Zeit sehr gut aus), kippte die Stimmhoheit gegen Ende des Spiels zu Gunsten der Roten (die zwar das ganze Spiel über überaus motiviert waren, sich aber nur selten so richtig durchsetzen konnten - so jedenfalls die Meinung eines neutralen Beobachters auf der Haupttribüne... ich selbst stand ja quasi im "Epizentrum" des Münchner "Stimmungshaufen")... Letztendlich zog der Deutsche Rekordmeister (nach nervenaufreibenden neunzig Minuten plus X) etwas glücklich in die Runde der letzten Acht ein, was Fans und Spieler ausgiebig feierten. Nach schier endloser Blocksperre ging es frohgelaunt zurück zu den Bussen. Noch schnell ein zwei Mischungen, ehe der Körper den Strapazen der letzten vierundzwanzig Stunden Tribut zollen musste...

Dienstag, 11. Februar 2020

DIE BEDEUTUNG VON FANZINES - EIN INTERVIEW MIT EINEM SAMMLER (erschienen im Bratwurstdealer 300)

Nachdem mich immer mal wieder Leute bezüglich des Interviews in der Jubiläumsausgabe des Bratwurstdealers (erschienen im April 2019) gefragt haben, habe ich mich doch noch entschlossen, eben jenes hier abzudrucken. Gerade auch, weil ich a) hoffe, so noch mal dem ein oder anderen einen "Kick in die richtige Richtung" (sprich zum Kauf und Lesen des ein oder anderen Heftes) geben kann, und ich b) hoffe, dass der eine oder andere von Euch vielleicht das eine oder andere mir fehlende Heft zu Hause rumliegen hat respektive mich bezüglich neuer Hefte (insbesondere die kleiner Gruppen) informieren/versorgen kann.
In diesem Zusammenhang möchte ich mich bei der A LA CANCHA! Redaktion bedanken, die mir - aufgrund meines Aufrufs bei der Rezension ihrer dritten Ausgabe - noch ein Exemplar der mir bis dato fehlenden Erstausgabe organisiert haben!
So, genug der einleitenden Worte - viel Spaß beim Lesen...

Man mag es im Internetzeitalter kaum glauben, doch deutschlandweit gibt es auch im Jahr 2019 noch Menschen, deren Passion es ist, Fanzines zu sammeln. Einige dieser Kandidaten befinden sich in unseren Reihen, viele allerdings leben verstreut im ganzen Land. Über Kontakte konnten wir einen Fanzine-Sammler für ein Interview gewinnen und ihn über sich, seine Passion und seine Sichtweise auf Fanzines ausquetschen. Wir fanden es mehr als angebracht, eine solche Persönlichkeit in der 300. Ausgabe des Bratwurstdealers zu Wort kommen zu lassen, um auch aus externer Sicht noch einmal die Bedeutung von Fanzines in der heutigen Zeit zu unterstreichen. Vielen Dank an Gunnar für die rasche und ausführliche Beantwortung unserer Fragen! Lest Euch seine Antworten ganz genau durch und versucht, zu verstehen, warum es immer noch wichtig ist, dass es Fanzines gibt.
Hallo Gunnar! Vielen Dank, dass Du Dich für ein Interview mit dem Bratwurstdealer bereiterklärt hast. Da Dich vermutlich niemand unserer Leserinnen und Leser kennt, würden wir Dich bitten, Dich kurz vorzustellen. Wer bist Du? Wie alt bist Du? Zu welchem Verein fühlst Du Dich zugehörig und wie lange hast Du überhaupt schon was mit Fußball zu tun?
Hallo in die Runde! Mein Name ist Gunnar, ich bin zweiundvierzig, komme aus der Nähe von München und fühle mich – nein, nicht dem FC Bayern, auch wenn ich mich dem deutschen Rekordmeister und seiner facettenreichen Fanszene sehr verbunden fühle (aufgrund meines Wohnortes und der Tatsache, dass mein dortiges Umfeld zu den „Roten“ ging/geht, habe ich dort Ende der 80er Jahre auch meine ersten „Gehversuche“ unternommen) – dem Verein für Leibesübungen aus Bochum zugehörig. Ich war 1995 Gründungsmitglied der Fantastic Supporters und später auch bei den Ultras Bochum. Bis zur Geburt meiner Tochter anno 2003 war ich einer der Vorsänger der Ostkurve.
Als uns zu Ohren kam, dass Du bereits über 6.000 (!) Fanzines in Deiner Sammlung hast, machten wir große Augen. Wann und wie begann Deine Leidenschaft für Fanzines? Wie lange sammelst Du die Dinger schon und was findest Du an ihnen so besonders?
Wenn ich mich nicht irre, war es in der Saison 1990/1991 oder 1991/1992 als ich hinter der Südkurve des Münchner Olympiastadions auf einen Fanzineverkäufer aufmerksam wurde. Da ich von Natur aus neugierig bin, griff ich einfach mal zu… tja, spätestens auf dem Heimweg (damals reiste man noch mit öffentlichen Verkehrsmitteln an, und hatte somit genügend Zeit zum Lesen) war klar, dass es nicht bei diesem einen Heft bleiben würde! So richtig los ging es mit dem Sammeln als ich 1994 mein erstes eigenes Fanzine auf den Markt brachte; fortan kamen Woche für Woche Hefte ins Haus geflattert, dem damals regen Tauschverhalten der Fanzinemacher sei Dank! Zu Beginn waren Fanzines die einzige/beste Möglichkeit einen Blick über den eigenen Tellerrand zu werfen - damals gab es nicht unzählige Internetportale, auf denen man mehr oder weniger live vom Kurvengeschehen in Deutschland - geschweige denn in aller Welt- informiert wird. Ich liebe es, wenn ich in meiner Sammlung wühlen kann, und auch mal einen Blick zurück werfen kann… und das in aller Ruhe.
Aus logistischer Sicht ist es eine Meisterleistung, so viele Fanzines zu lagern und aufzubewahren. Wie können wir uns das vorstellen? Hast Du einen eigenen Raum, in dem die Dinger lagern? Stehen alle Fanzines in Regalen oder verschwinden manche in Kisten oder Kartons? Hast Du eine Übersicht, in der Du aufführst, welche Hefte Du bereits hast? Falls ja, wie genau führst Du diese Übersicht?
Ich habe in „meinem Büro“ etliche Schränke und Regale, in denen ich die Hefte aufbewahre. Immer dann, wenn der Platz zur Neige geht, sortiere ich ein paar weniger interessante Fanzines aus. Diese landen dann fein säuberlich in Kisten auf dem Dachboden. Um den Überblick über meine Sammlung zu wahren, wird jedes Heft zeitnah im PC erfasst. Ebenso markiere ich die Hefte, die ich „ausgemistet“ hab, so dass ich jederzeit weiß, wo ich suchen muss.
So viele Fanzines zu erwerben ist sicherlich ein teurer Spaß. Wie beziehst Du Deine Fanzines? Geht das noch über einen Tausch wie in den 1990er und frühen 2000er Jahren? Oder schaust Du Dich auch mal bei Ebay oder anderen Portalen um? Und, zur Hölle, wie viel Geld hast Du in Deinem Leben bereits für Fanzines ausgegeben?
Wie bereits erwähnt, ging es eigentlich so richtig mit dem Tauschen gegen mein Heft los. Heute nutze ich alle zu Verfügung stehenden Kanäle. Angefangen bei Freunden und Bekannten, bis hin zu den einschlägig bekannten Auktionsportalen und virtuellen Tauschbörsen (bei Facebook habe ich mit einem guten Freund – ebenfalls Mitglied der Fantastic Supporters - vor ein paar Jahren die Gruppe „Fußball Fanzines“ gegründet, um weiteren Sammlern ein e Plattform zu bieten, auf der sie tauschen, verkaufen, kaufen und sich austauschen können).
Über Geld sollten wir an dieser Stelle nicht sprechen - ein Kleinwagen wäre aber mit Sicherheit drin gewesen…
Hast Du eigentlich alle der in Deinem Besitz befindlichen Fanzines komplett oder zumindest ausschnittweise gelesen oder wandern einige Exemplare ohne ein einziges Mal geöffnet worden zu sein ins Archiv?
Alle Hefte komplett zu lesen ist natürlich utopisch - früher hab ich das gemacht; da hatte ich aber auch noch keine Kinder und war viel (und zumindest auf der Strecke München-Bochum meist allein) mit dem Zug unterwegs. Heute hab ich ein paar Hefte, die ich regelrecht verschlinge, bei den anderen lese ich was mich interessiert … Aber es gibt definitiv kein Heft, das ungeöffnet ins Archiv wandert!
Wenn Du das perfekte Fanzine beschreiben müsstest: Wie sähe es aus? Welchen Inhalt hätte es? Wie wäre es gelayoutet? Und was wäre der für Dich passende Preis für ein Fanzine?
Eine Frage, die man eigentlich nicht beantworten kann! Zumindest dann nicht, wenn man keine „festgefahrenen Lieblinge“ hat. Ich lese die Hochglanzhefte diverser Gruppen ebenso gerne, wie das Oldschool Fanzine, in dem der Herausgeber seine persönlichen Erlebnisse (mit dem eigenen Verein und/oder von Touren durch die bunte Welt des Fußballs) berichtet. Was ich mir jedoch wünsche sind Hintergrundinformationen und ein „guter“ flüssiger Schreibstil. Ein passender Preis? Na ja, ich bin der Meinung, dass mit der Herausgabe eines Fanzines KEIN Gewinn erzielt werden soll -  ich habe mein(e) Heft(e) immer aus purer Überzeugung gemacht! Insofern muss man halt differenzieren, wie hoch die Auflage ist, ob das Heft schwarz-weiß oder farbig ist, und wie viele Seiten es umfasst…
Du führst den Blog „DER (PF)LÄSTERSTEIN“, was bis 2017 auch der Name Deines eigenen Fanzines gewesen ist. Wie viele Ausgaben hast Du herausgebracht? Was waren die Inhalte Deines Fanzines? Und wie kam es dazu, dass Du Dein eigenes Heft eingestellt hast und nur noch im Internet aktiv bist? Ist das nicht widersprüchlich zur eigentlichen Intention eines Fanzines, nämlich „aus der Kurve für die Kurve“ zu sein und sich damit der web-medialen Welt zu entziehen?
Vom (PF)LÄSTERSTEIN sind bis dato siebzehn Ausgaben (die ersten zehn noch unter dem Namen „Red News“, da - wie eingangs erwähnt - der FC Bayern zu Beginn meiner „Fankariere“ eine gewisse Rolle spielte, und die ersten Mitstreiter halt „Rote“ waren) und eine Sonderausgabe zur Weltmeisterschaft 2006 erschienen. Wirklich eingestellt wurde der (PF)LÄSTERSTEIN eigentlich nie - vielmehr befand ich mich in einer Art „Dornröschenschlaf“, bedingt durch Familie, Arbeit und chronische Unlust, aus dem mich die Arbeiten an meinem Bildband „MOMENTAUFNAHMEN“ erweckt haben. Kurzum, das Feuer brennt wieder! Tja, und so wird demnächst ein rundumerneuerter (PF)LÄSTERSTEIN auf den (glücklicherweise wieder) boomenden Fanzinemarkt geworfen…
Und damit sind wir auch schon bei der Frage mit dem Blog - für mich definitiv kein Ersatz fürs geschriebene Wort; vielmehr eine Ergänzung oder die Möglichkeit ab und an auch das Medium Internet zu nutzen. Für mich persönlich ist nur das geschriebene Wort – ob nun als Fanzine, Kurvenflyer oder Buch – das einzig Wahre, vor allem weil es mehr oder weniger „endlos“ ist, während aus der kurzlebigen Welt des World Wide Web doch vieles einfach wieder verschwindet!
Welche Rolle spielen Fanzines Deiner Meinung nach heutzutage überhaupt noch? Es wurde ja bereits angesprochen, dass das Internet weiterhin wichtiger zu werden scheint. Außerdem übernehmen Instagram-Accounts wie „GruppaOF“ immer mehr das Informationsmonopol, obwohl vieles dort falsch und dummer Blödsinn ist. Heute ist es möglich, innerhalb von fünf Sekunden zu wissen, wie Dresden gerade in Hamburg gezündet hat. Also: Welchen Platz nehmen in diesem Gefüge Fanzines ein? Sterben die Dinger nicht langsam aber sicher aus?
Vielen Dank, dass Ihr meinen Horizont „erweitert“ habt - da ich Instagram bis dato nur sehr spärlich verwende/besuche, war mir „GruppaOF“ natürlich kein Begriff… ;-)
Ich persönlich denke, dass gerade vielen jungen Ultras die Zeit und Muße fehlt, sich mit der Materie Fanzine zu beschäftigen. Auch scheint oft der „Blick über den Tellerrand“ gar nicht mehr gewünscht zu sein… vielleicht interessiert man sich noch für die befreundeten Gruppen, und/oder die - mit welcher Wertung auch immer festgelegten - Krösusse der „Ultrazunft“. Ausnahmen bestätigen hier natürlich die Regel. Vielleicht sollten wir „Alten“ den „Jungen“ die Wichtigkeit der Fanzines und deren Fortbestand besser vermitteln; denn gerade in Fanzines erlauben viele Gruppen tiefere Einblicke in den eigenen Kosmos - ebenso wird man ab und an auch mal zum „Nachdenken“ animiert.
Ich will das Internet und andere „neue Medien“ nicht verteufeln (nutze sie ja für meinen Blog selbst), aber wir sollten uns alle mal wieder zurück zu unseren Wurzeln begeben - früher wurde auch nicht permanent von „Hinz und Kunz“ innerhalb der Kurve (oder Gruppe) fotografiert und/oder gefilmt… Wir sind doch im Stadion, um unseren Verein zu unterstützen - nicht mehr, aber auch nicht weniger!
Spinnen wir den Faden mal etwas weiter und hören uns „Zukunftsmusik“ an. Wo stehen wir Deiner Meinung nach in zehn Jahren? Wird es dann überhaupt noch Fanzines geben?
Ich hoffe, dass (irgendwann) ein Einlenken bei der breiten Masse (der Fan-/Ultraszene) stattfinden wird, und man einen guten Mittelweg zwischen der „guten alten Zeit“ und dem Hier und Jetzt (respektive dem „Morgen“), mit all seinen neuen Möglichkeiten, findet.
Versteht mich nicht falsch, keiner soll das Rad zurückdrehen - es war früher definitiv nicht alles besser. Aber, und auch das muss so deutlich gesagt werden, momentan läuft mit Sicherheit einiges gehörig schief; und daran sind die neuen Kommunikationsmittel bestimmt nicht ganz unschuldig.
Letztendlich liegt es an jedem Einzelnen, seinen Erhalt für das „geschriebene Wort“ beizutragen. Fraglich nur, ob das allerorten gelingen wird beziehungsweise stellt sich die Frage, ob es überhaupt in allen Szenen/Gruppen gewünscht wird…
Unter deinen rund 6.000 Fanzines befinden sich bestimmt Stücke, die selten oder nur schwer zu bekommen sind. Was sind für Dich die Exemplare Deiner Sammlung, die für Dich am meisten besonders sind? Und kommen Deine Fanzines nur aus Deutschland oder auch aus dem Ausland? Wenn ja, woher stammen sie?
Schwer zu bekommen sind leider etliche Fanzines - in den letzten Jahren hat sich die Zahl der Hefte zunehmend gemehrt, die nur (noch) innerhalb der eigenen Fanszene respektive eines erlesenen Kreises „vertrieben“ werden. Da ich über ein ganz gutes Netzwerk (zum Teil von früher, zum Teil durch die gemeinsame Sammelleidenschaft entstanden) verfüge, tue ich mich da vergleichsweise leicht. Schwierig ist es „alte“ Lücken zu schließen. Meine persönlichen Highlights sind unter anderem die alten Hefte aus Bochum und München, sowie erste Groundhoppinghefte (ein HSV-/Groundhoppingfanzine namens „WATZ“ ist maßgeblich dafür verantwortlich, dass ich meinen Horizont bzgl. Groundhopping ziemlich früh erweitern wollte. Unglaublich, was der/die Macher damals schon für Touren gemacht haben); aber es gibt auch viele aktuelle Fanzines, die ich richtig geil finde! Neben deutschsprachigen Fanzines (also aus Deutschland, Österreich und der deutschsprachigen Schweiz) hab ich vornehmlich Hefte aus Italien (neben dem Supertifo und Fan’s Magazine auch etliche Fanzines aus den unterschiedlichsten Kurven Italiens), England (gerade in den Anfangsjahren weilte ich regelmäßig auf der Insel – bei Besuchen in London gehörte immer ein Besuch des legendären „Sportspages“ zum Pflichtprogramm; meist wog der Rucksack danach eine gefühlte Tonne) und Polen. Aber auch Fanzines aus Portugal, Spanien, Frankreich, Tschechien, Ungarn, Russland und anderen Ländern haben den Weg schon in meine Sammlung gefunden.
Wie sieht es aus: Kannst Du uns Deine aktuelle Top 5 der Fanzines in der Bundesrepublik benennen?
Puh - vor dieser Frage hab ich mich gefürchtet! Ich nenn jetzt einfach mal fünf Hefte aus dem „Bauch“ raus; langes Nachdenken würde es nur noch komplizierter machen… Kaventsmann, Gegen den Strom, Drönbütel, Der Daggl und La Cosa Nostra
Wenn Du über Fanzines aus Jena nachdenkst, was kommt Dir da in den Sinn? Bist Du ein regelmäßiger Bratwurstdealer-Leser? Erreichten Dich sonst noch andere Hefte aus der Fanszene des FC Carl Zeiss Jena?
Der Aufsteiger… Die dicken Kinder aus Jena… FCC-Report Berlin (gab es glaub ich nur eine Ausgabe – ist mir lustigerweise vor ein paar Wochen mal wieder in die Finger gekommen)… und natürlich Euer Bratwurstdealer, den ich mehr oder weniger nur als Sammelbände in meiner Sammlung habe. Wo wir gerade dabei sind – von den Sammelbänden fehlen noch „Hinrunde 2009/10“, Hinrunde 2010/11“, „Rückrunde 2013/14“ und  (wieso auch immer ) „Rückrunde 2017/18“ – vielleicht könnt Ihr oder der eine oder andere Leser Eurer Postille ja helfen , diese Lücken zu schließen…
Gunnar, wir danken Dir für die Chance, dieses Interview mit Dir zu führen. Die letzten Worte gehören Dir.
Nichts zu danken – hat echt Spaß gemacht.
Eine Bitte hab ich an Eure Leser… Sollte jemand (alte) Fanzines rumliegen haben, die er nicht mehr braucht – bitte bei mir melden (hielcher.der_pflasterstein@t-online.de); vielleicht ist ja ein weiteres Puzzlestück zur „Vervollständigung“ meiner Sammlung dabei!

Montag, 27. Januar 2020

25. Januar 2020 - FC Bayern vs. FC Schalke 5:0

Topspiel Zweiter gegen Fünfter... dazu mit dem FC Schalke auch ein durchaus interessanter Gegner auf den Rängen; klar, dass ich da nicht fehlen durfte! Während sich die Dachau City bereits größtenteils am späten Vormittag auf den Weg nach München machte (es stand der für ein Samstagabendspiel obligatorische Besuch auf dem Waldfriedhof an), startete ich erst um kurz nach fünf (schließlich soll die Familie nicht zu kurz kommen!) gegen Fröttmaning, womit ein Besuch am Südkurvenplatz (und damit sowohl ein Treffen mit den Münchner als auch mit den heute anwesenden Bochumer Freunden ins Wasser viel) nicht mehr möglich war...
Zum Einlaufen der Mannschaften (respektive kurz davor) präsentierte die Südkurve das Konterfei des von den Nazis ermordeten Bayern-Mitglieds Hugo Railing, sowie in riesigen Lettern "GEGEN DAS VERGESSEN" (abgerundet wurde die Aktion mit roten und weißen Fahnen). Am Zaun wurden zudem zwei Transparente präsentiert... "Münchner, Vater, Bayern-Mitglied und Ältestenrat" "Hugo Railing - von den Nazis verfolgt und ermordet" Gerade in der heutigen Zeit, wo antisemitische Rufe wieder lauter werden, ein (in meinen Augen) überaus wichtiger "Weckruf"... Wenig später wurde mittels Trauerminute (zudem gab es ein Spruchband am Zaun der Südkurve) dem im Alter von achtundneunzig Jahren verstorbenen ehemaligen Geschäftsführer des FC Bayern, Walter Fembeck, gedacht... Auch die Ultras Gelsenkirchen trauern seit Mitte Dezember um einen der ihren - in Gedenken an Drüse (über den tragischen Tod des überaus sympathischen Schalkers hatte ich ja schon an Weihnachten ein paar Worte verloren) präsentierten sie eine große Schwenkfahne und seine "Gevelsberg"-Fahne über ihrer Auswärtsfahne. Ließ mich definitiv nicht kalt...
Stimmungstechnisch legten beide Seiten durchaus gut los, jedoch schafften es sowohl Heim- als auch Gästefans nicht, ihr Potential (dass sich bei den Roten nur selten Mittel- und Oberrang der Kurve einschalten, ist ja (leider) hinlänglich bekannt; vom Rest des Stadions will ich jetzt gar nicht reden) über die kompletten neunzig Minuten abzurufen. Dass die Gäste nach dem vierten Gegentor noch mal richtig aufdrehten, ist mir jedoch (überaus positiv) in Erinnerung geblieben... Hut ab!
Ach ja, was der Deutsche Rekordmeister auf dem satten Grün zeigte, war wahrlich eine Machtdemonstration, und für jeden (neutralen) Fußballbegeisterten definitiv eine Augenweide. Sollten die Mannen von Hansi Flick das Niveau in den nächsten Monaten aufrecht halten können, so bin ich mir sicher, dass Minimum das, nach Schlusspfiff von der Südkurve initiierte "Deutscher Meister wird nur der FCB!", auch in die Tat umgesetzt wird...
Zu guter Letzt (unbekannterweise) noch alles Gute an meinen leider schwer erkrankten Schalker Namensvetter - KÄMPFEN GUNNAR!


Einen lesenswerten Text zum Thema "Respekt und Rivalität" aus dem letzten Blauen Brief der Ultras Gelsenkirchen möchte ich Euch nicht vorenthalten...

Respekt und Rivalität. Zwei Begriffe welche uns in unserem Alltag stetig begleiten und trotz ihrer auf den ersten Blick konträren Bedeutung, untrennbar miteinander verbunden sein sollten. Tief verankert in unserer Mentalität als Ultras. Was auf den ersten Blick als selbstverständlich und für jeden gegeben daherkommt, entpuppt sich in der heutigen Zeit jedoch als große Herausforderung.
Oftmals verdeutlichen wir uns den Zusammenhang zwischen Respekt und Rivalität viel zu selten. Häufig erst in den schwersten Stunden und Momenten, welche wir gemeinsam als Freunde und Gruppe erleben. In unserem jüngsten Fall der schwere Verlust unseres langjährigen Gruppenmitgliedes Drüse, welcher viel zu früh kurz vor unserem Auswärtsspiel in Wolfsburg verstarb.
Und trotz all der Fassungslosigkeit und Trauer, welche uns erfasste, zeigte sich schon an diesem Tag und auch in den folgenden Wochen ein enormer Respekt und eine große Anteilnahme bei vielen unserer eigentlichen Rivalen und sportlichen Kontrahenten. Egal ob die Nordkurve Wolfsburg, als direkter Gegner von uns an diesem Abend, ihren Support einstellte, die Freiburger im Gästeblock der Arena sich an den Schweigeminuten beteiligten oder in den folgenden Spieltagen Spruchbänder für Drüse in den unterschiedlichsten Kurven unseres Landes gezeigt wurden. Uns erreichten diverse Karten oder aufbauende Worte via Email und Ultras anderer Szenen erwiesen Drüse auf seiner Beerdigung die letzte Ehre.
Jede dieser Gesten, egal von welcher Szene und von welchem Verein, zeigt einen enormen Respekt, in einem der schwersten Momente eines ihrer Rivalen. Mit diesen Worten möchten wir all denen unseren Respekt erweisen, die Drüse und damit auch unserer Gruppe, in einem der schwersten Momente mit unterschiedlichen Gesten großen Respekt erwiesen haben.
Es ist eine Herausforderung für alle Generationen unserer Bewegung, niemals zu vergessen, diese Werte und Normen an die neuen Generationen weiterzugeben. Diese mit Leben zu füllen und weiteren nachkommenden Generationen zu verdeutlichen, dass es sich bei unserer Bewegung immer um Rivalität drehen wird, jedoch ebenso viel um Respekt.
Mentalita Ultra!

Dienstag, 31. Dezember 2019

Das Beste zum Schluss... La Cosa Nostra Doppelausgabe 29/30!

Hatte ich bei der vorangegangenen Doppelausgabe 27/28 schon gedacht, dass eine erneute Steigerung dieser Postille nur noch schwer möglich wäre (wenn nicht sogar unmöglich), so wurde ich von Arne mit diesem Meisterwerk eines Besseren belehrt... Der Umfang des Heftes... oh pardon... des Buches (übrigens in drei Varianten erhältlich - "Sammler" mit Hardcover-Umschlag, alles in Farbe, "Geregeltes Einkommen" mit Softcover-Umschlag, alles in Farbe und "Sparfuchs" mit Softcover-Umschlag, Hauptteil schwarz/weiß, das "Spzeziale" in Farbe - die Variante vier kehr ich mal unter den Tisch, da das Werk so nicht vollständig ist!) ist mit sechshundert plus hundertvierundsechzig Seiten mehr als "pervers". Wo soll das bitte noch hinführen? Als "Hintergrund" durfte diesmal ein gewisser "RanXerox" dienen, seines Zeichens Roboter, der aus Liebe zu seiner Besitzerin alles unternimmt, um sie zu schützen und ihren Drogenkonsum zu unterstützen. Der italienische Comic aus den 80ern zeigt das Bild einer überaus brutalen Zukunft. Italienkennern/-liebhabern dürfte RanXerox von den WEISSCHWARZ BRIGADEN aus Cesena bekannt sein... Über die locker-flockige "Schreibe", gepaart mit einer fetten Portion an Informationen habe ich mich ja schon mehrmals ausgelassen - Arne, Du bist echt der Beste! Gestern hat mir einer meiner "Fanzinekontakte" aus Sankt Pauli folgendes geschrieben "das ich mal Ulmer Spielberichte lese und mir die gut gefallen. Der Schreibstil passt einfach" - noch Fragen? Inhaltlich drehen sich die ersten 253 Seiten (Inhaltsverzeichnis und Vorwort mal abgezogen) ausschließlich um den Schwimm- und Sportverein Ulm (Fußball - im Jahr 2009 hat sich die Fußballabteilung vom Hauptverein abgespalten) 1846 e.V. (Highlights hier natürlich die Pokalspiele gegen Eintracht Frankfurt und Fortuna Düsseldorf, sowie das Finale des WFV-Pokals gegen den TSV Essingen - weniger schön ist, der "Niedergang" der Supporters Ulm, die ja eigentlich die Grundlage für das LCN waren... tja, der Zahn der Zeit nagt leider an vielen (kleinen/kleineren) Gruppen; und auch ihre Protagonisten werden einfach nicht jünger!). Krass, wie viele "Gastautoren" den Weg in diesen Teil des Heftes/Buches fanden - spricht für Arnes überaus geiles Netzwerk! Weiter geht es mit Groundhopping (Österreich, Deutschland, Russland, Portugal, Frankreich, Belgien, Ungarn, Taiwan und Honkong - hier berichtet Arne über seine zweieinhalb Monate "Elternzeitreise" nach Fernost... überaus interessant und sehr persönlich! Auch dieser Teil ist gespickt mit interessanten Hintergrundinformationen, Interviews - Red Kaos vs. Red Kaos (Zwickau und Grenoble) - und Gastberichten), ehe der von mir so geschätzte Italienteil mit einer kleinen aber feinen Tour im Dezember 2018 startet... Ascoli vs. Brescia, Rimini vs. Vis Pesaro, Ravenna vs. Ternana, Pisa vs. Pro Patria und Lucchese vs. Albissola. Es folgen ein "Nachruf" in Wort und Bild auf das Stadio Ballarin in Sanbenedetto del Tronto (inklusive der Abhandlung der Brandkatastrophe vom 7. Juni 1981, bei der die einundzwanzigjähre Carla Bisirri und die dreiundzwanzigjährige Maria Teresa Napoleoni ihr Leben ließen - der Text erschien bereits auf www.altravita.com), die Vorstellung der Fanzenen von Ascoli, Brescia, Rimini, Vis Pesaro, Ravenna, Pisa und Catanzaro (unglaublich, was Du Dir hier für eine Arbeit gemacht hat - der "Zahlensalat" am Ende des Hauptteils führt fünfundachtzig Stunden Übersetzungsarbeit auf... und ja, es hat sich jede Minute gelohnt! Über die vielen geilen Bilder (unter anderen aus alten Supertifo-Ausgaben) brauch wir gar nicht zu reden...), eine Vorstellung des Buches "ULTRAS  Storia del Tifo Rossonero" (Lucca), sowie gezogene Zaunfahnen (ein für mich interessantes, wenn auch immer wieder schmerzvolles Thema)… Der Feuilleton (Literatur, Musik, Kunst, Architektur, Leben & Stil) beinhaltet eine Lesung (Wir Wochenendrebellen), Rezensionen (bei den Fanzines gibt es unter anderem eine Besprechung meines letzten Werkes; im Zusammenhang mit der dreihundertsten Ausgabe des Bratwurstdealer der Horda Azzuro gibt es ein Interview mit dem Ex-Chefredakteur; bei den Büchern wird beispielsweise "I Ribelli dgli Stadi. Una Storia del Movimento Ultras Italiano" ausführlich vorgestellt), einen Konzertbericht (Los Fastidos) und ein LCN-Matchday Outfit (wie kommt man bitte auf so ein Zeug?). Ein Nachtrag zu Corto Maltese (Corto-Bar, Mancha Sec. Lisboa), der Text "Vecchio Stile vs. Facebook" (stammt von den Mancha Negra 1985), Feedback zum letzten LCN, ein "Making Of - 100 Schritte zum Fanzine" und ein "Danke" beenden den Hauptteil der Ausgabe 29/30. Schnell den "Sabber" aus den Mundwinkeln gewischt und weiter mit dem "SUPPLEMENTARIO SPEZIALE". Verantwortlich für diesen "ergänzenden" Teil war eine Choreographie der Torcida Verde von Sporting Lissabon, bestehend aus zwei vom Oberrang herabgelassenen Blockfahnen - die eine mit "U-nione, L-iberi, T-radizione, R-ispetto, A-utonomi, S-olidali", die andere mit vielen Logos bekannter italienischer Ultragruppen. Zudem gab es Spruchbänder mit der Aufschrift "Diversi nei colori, uniti nel valori, Ultras da sempre aggregazione, e fonte di ispirazione, anni 50" (Getrennt in den Farben, vereint in den Werten, Ultras für immer Gemeinschaft und Brunnen der Inspiration, 50 Jahre). Nachdem Arnes Versuch, die Frage hinsichtlich der Auswahl der einzelnen Gruppen von der Torcida beantworten zu lassen, gescheitert war, wurde kurzerhand das private Netzwerk mobilisiert, um der Frage wenigstens ein wenig näher zu kommen. Letztendlich fanden sich sechs Italienfreaks, die - wie auch Arne - ihren "Senf" zu den jeweiligen Gruppen ablieferten (oder bisweilen auch nicht); ich hatte übrigens die Ehre einer der sechs zu sein... Neben unseren Meinungen findet man unzählige Oldschool-Fotos zu den jeweiligen Gruppen (da sind schon Kaliber dabei, die es einem eiskalt den Rücken runter laufen lassen - oh man, wie geil war es doch früher in Italien!).
Zum Schluss gibt es noch ein kleines aber feines Graffiti Special (Rimini, Samb, Ravenna, Pisa, Lucca und Bologna (Centrale)).
Da Arne wert auf das Persönliche in seinem Heft legt (was ich wirklich bewundere - auch ich habe immer wieder den Gedanken eines sehr persönlichen Werkes gesponnen... mal schaun, ob da mal was für Freunde und gute Bekannte kommt), das somit in relativ kleiner Auflage an Freunde/Bekannte oder enge Bekannte derselben geht, werde ich jetzt weder eine Kaufempfehlung aussprechen, noch Preise oder Kontaktaderesse nennen... hilft ja eh nichts!
Abschließend möchte ich mich noch einmal vor Arne verneigen - ich hoffe Du bleibst Deinem ganz eigenen Weg auch in Zukunft treu...